Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma 85-jährige Grimmaerin erstickt im Papierkrieg und fühlt sich überfordert
Region Grimma 85-jährige Grimmaerin erstickt im Papierkrieg und fühlt sich überfordert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:04 08.12.2016
Papierkrieg: Die 85-jährige Christine Schilde aus Grimma fühlt sich im Streit mit dem säumigen Hauseigentümer überfordert. Sie möchte sich an den OBM wenden. Quelle: Foto: Thomas Kube
Anzeige
Grimma

Christine Schilde ist überfordert. Die 85-Jährige wohnt in einem Sechs-Familienhaus in der Lausicker Straße 12 in Grimma und ihr wird zum wiederholten Male angedroht, dass bald kein Wasser mehr fließt. Der Versorgungsverband Grimma-Geithain (VVGG) hat ihr zwar ein Angebot zur Güte gemacht, doch dabei ist der älteren Dame nicht wohl. Sie soll einen Vertrag mit dem Verband unterzeichnen, weil der Vermieter des Hauses, die Saks Invest, mit seinen Wasser- und Abwasserzahlungen im Rückstand ist. Im Vorfeld hatte der Zweckverband zu einer Mieterversammlung eingeladen. Denn außer der 85-Jährigen wohnen im Haus noch drei Mieter.

Der Versorgungsverband hatte vorgeschlagen, dass die Hausbewohner eine Mieternotgemeinschaft bilden und direkt mit dem Verband einen Vertrag rückwirkend zum 1.1. 2016 abschließen sollen. Bis zum 12. Dezember haben alle Mietparteien Zeit, den Vertrag zu unterzeichnen, ansonsten droht eine erneute Abschaltung des Wassers. „Ich habe keine Probleme damit, meine Gebühren für Wasser direkt an den Zweckverband zu zahlen“, sagt die 85-Jährige. Doch sie habe Angst, wenn die anderen Mieter den Vertrag nicht unterzeichnen oder die geforderten Beträge nicht begleichen, dass erneut das Wasser abgestellt wird. „Ich habe doch eine Wasseruhr, somit ist doch ersichtlich, was ich verbrauche. Das bin ich auch bereit zu zahlen“, sagt sie. Die Mieter sollen laut Vertrag auch für die Rückstände aufkommen. „Die Saks hat die Rechnungen der letzten zwei Monate nicht beglichen. Für unser Haus sollen 600 Euro aufgelaufen sein, Es gibt auch noch offene Forderungen zum Niederschlagswasser“, erzählt Christine Schilde. „Wenn jeder Mieter seinen Beitrag zahlt, dürfte das nicht zu viel werden, da jeder den Betrag von der Miete absetzen kann“, erklärt die Seniorin. Allerdings stünde im Vertrag, dass die Mieternotgemeinschaft gesamtschuldnerisch für die privatrechtlichen Forderungen seit dem 1.1. 2016 haften soll. „Dieser Passus macht mir Angst“, erklärt Schilde. Denn wenn eine Mietpartei nicht zahlen würde, müsste sie mit dafür Geradestehen. Auch sieht sie weitere Probleme auf sich zu kommen. Denn auch der Energieversorger wird mit Forderungen auf sie zu kommen, wenn die Saks nicht pünktlich bezahlt. „Es muss endlich etwas passieren“, meint sie und will sich deshalb auch an den Oberbürgermeister wenden. „In Sermuth hat sich auch eine Lösung gefunden. Das müsste doch auch in Grimma gehen“, sagt sie. OBM Matthias Berger (parteilos) signalisierte, dass er die Mieter zu einem Gespräch einladen will.

Seit 44 Jahren wohnt die Grimmaerin in dem Haus. Erst seit fünf Jahren, als die Immobilie die Saks Invest GmbH kaufte, begannen die Probleme. Schon mehrfach zahlte das Unternehmen die Rechnung des Verbandes nicht, in der Folge floss kein Wasser. Die Grimmaer sind damit kein Einzelfall, auch in anderen Orten wie in Sermuth (LVZ berichtete) fiel das Unternehmen negativ auf. Saks Invest scheint abgetaucht zu sein. „Es gibt keinen Ansprechpartner mehr“, erklärt Christine Schilde. Deshalb habe sie auch an das Unternehmen einen Brief geschrieben, dass sie die Zahlungen der Miete erst einmal einstellt, bis jemand die offenen Fragen klärt. Betroffen sind in Grimma auch drei Mietparteien eines Hauses im Wallgraben in der Muldestadt. Auch sie sollen eine Mieternotgemeinschaft mit dem Versorgungsverband Grimma-Geithain eingehen.

Von Cornelia Braun

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Geldsegen für zwei Grimmaer Kindertagesstätten: Ministerin Brunhild Kurth übergab jetzt knapp 457 000 Euro an die Stadtverwaltung beziehungsweise die Kitas und deren Träger. Damit kann die Sanierung der Kindertagesstätten Sonnenschein und Schwanenteich fortgesetzt werden. Ein paar neue Spiele brachte der Gast auch mit.

08.12.2016

Der ehemalige Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Trebsen fühlt sich falsch verstanden. Stefan Kroschky will seine Rehabilitierung und klagt vor dem Verwaltungsgericht. Fehler räumt er nicht ein.

08.12.2016

Der Deutsche Beamtenbund (DBB) hat sich am Dienstag mit der Arbeitgeberseite im Konflikt über einen Tarifvertrag für die Beschäftigten der Stadt Naunhof geeinigt. Vorbehaltlich der Zustimmung der Beschäftigten und der politischen Gremien wird es einen Haustarifvertrag geben, der dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) nahekommt.

07.12.2016
Anzeige