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Grimma Ab Ostern klappert die Wassermühle
Region Grimma Ab Ostern klappert die Wassermühle
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00:29 30.03.2018
Antje Möser schaut in der Müllerstube nach dem Rechten. Sie ist Mitarbeiterin des Vereins zur Erhaltung der Wassermühle Höfgen. Ostern startet das Museum wieder in die Saison. Quelle: Foto:
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Grimma/Höfgen

Der tiefe Winterschlaf ist vorbei, Ostern beginnt für das beschauliche Wassermühlen-Museum in Höfgen die neue Saison. Dann klappert wieder das vom Tannickenbach gespeiste Mühlenrad und der Duft frisch gebackenes Brotes durchzieht die Räume. Jeden ersten Sonnabend im Monat lockt das kleine Museum mit seinem beliebten Backtag, darüber hinaus zum Karsamstag am 31. März, zum Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag, zum Höfgener Handwerkermarkt im September und auch zum besinnlichen Voradvent im November. Und wenn die Laiber zum Stückpreis von 3,50 Euro herausgezogen sind, schieben die Museumsleute den begehrten Zuckerkuchen in den Backofen.

Nach dem verheerenden Hochwasser im Jahr 2002, das der Mühle stark zusetzte, gründete sich der Verein zur Erhaltung der Wassermühle Höfgen, sorgte mit Hilfe von Fördergeld für die Sanierung und betreibt seitdem das Museum mit der technischen Schauanlage und der Müllerwohnung. Auch der 180 Quadratmeter große Kräutergarten mit seiner erstaunlichen Pflanzenvielfalt und seltenen Bäumen wie die Mispel oder Kornellkirsche gehörten zum einzigartigen Ensemble. Im vorigen Jahr wurden 4188 zahlende Besucher gezählt. Mehr als 1000 Gäste nutzten zum Mühlentag und am Tag des offenen Denkmals bei freiem Eintritt die Gelegenheit, sich die Funktionsweise einer mit Wasserrad betriebenen Mühle erklären zu lassen. Bei Führungen durchstreiften 1529 Personen das Museum, außerdem nahmen 205 Kinder an Projekten im Haus teil.

Leinen Los für die Muldeschiffe

Die beiden Muldeschiffe „MS Katharina von Bora“ und „MS Gattersburg“ starten in die Saison. Ab dem 30. März pendeln die Schiffe von mittwochs bis sonntags und an Feiertagen zwischen den Anlegestellen Hängebrücke Grimma, Kloster Nimbschen und Schiffmühle Höfgen. Ab 11 Uhr heißt es „Leinen los“, informiert Grimmas Rathaussprecher Sebastian Bachran.

Eine halbe Stunde dauert die gemütliche Tour bis ins „Dorf der Sinne“ Höfgen mit Zwischenstopp am Kloster Nimbschen. Pünktlich zu jeder halben Stunde legt das Schiff an der Schiffmühle Höfgen wieder ab, damit die Flotte zur vollen Stunde wieder unterhalb der Gattersburg in Grimma starten kann. In der Woche fährt das letzte Schiff 17 Uhr von Grimma nach Höfgen und 17.30 Uhr zurück. Sonnabends, sonntags und an Feiertagen kann man auch noch 18.30 Uhr in Höfgen zusteigen oder 18 Uhr in Grimma.

Dienstags sind individuelle Buchungen der Schiffe und der Fähre ab 30 Personen nach telefonischer Voranmeldung möglich. Sollte ein Feiertag auf Montag oder Dienstag fallen, fahren die Schiffe. Die Muldeschifffahrt GbR hat ihr Büro in Grimma und ist von Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 03437/915158 erreichbar.

Seit 1923 besteht die touristische Schifffahrt. In der Regel läuft die Saison bis zum 31. Oktober. Auch die handbetriebene Seilfähre zwischen Nimbschen und Höfgen hat wieder Wasser unter dem Kiel. Der Fährmann bringt Wanderer und Radfahrer Mittwoch bis Freitag von 11 Uhr bis 17 Uhr über die Mulde. Sonnabend, Sonntag und an Feiertagen, dann auch montags und dienstags, eine Stunde länger – bis 18 Uhr.

Genaue Fahrzeiten und Tarife unter www.grimma.de/tourismus_muldenschifffahrt. Der aktuelle Fahrplan der Muldenschifffahrt ist in gedruckter Form in der Stadtinformation erhältlich.

Obwohl der 15-köpfige Verein nicht auf Rosen gebettet ist, sieht er bei den Besucherzahlen Potenzial nach oben. Gerade die finanzielle Lage bereitet Vereinschef Hans-Henning Ruhmer (60), dessen Großvater Paul der letzte Müller war und hier 1954 das Licht ausknipste, immer wieder Kopfzerbrechen. Der Eintritt, das Brotbacken und Spenden sind die drei Einnahmequellen, erklärt Ruhmer, der als Besitzer die Wassermühle langfristig an den Verein verpachtet hat. Ohne Sponsoren würde es nicht gehen, sagt er. Anfangs habe der Verein vom Kulturraum mal 8000 Euro jährlich bekommen. Längst geht er aber leer aus, wenn die Mittel verteilt werden. „Wir erhalten null Euro Förderung“, ärgert sich Ruhmer. Mit Antje Möser (51), die seit 2016 die Besucher der Schauanlage betreut, kann sich der Verein deshalb auch nur eine einzige Mitarbeiterin leisten, die während der Saison für 20 Wochenstunden eingestellt wird. Eine auf drei Jahre geförderte Stelle über das Programm „Soziale Teilhabe“ griff bislang – personell gesehen – weitgehend ins Leere. Forschungsarbeit sei überhaupt nicht möglich, verdeutlicht Ruhmer, der seit zwei Jahren auch im Vorstand des Sächsischen Mühlenvereins sitzt. Am Wochenende würden Vereinsmitglieder Möser zur Seite stehen. „Wir sind total stolz, es all die Jahre hinbekommen zu haben“, glänzen Ruhmers Augen.

Antje Möser, die seit 2000 in Grimma zu Hause ist seit jeher museale Arbeit leistet, möchte mehr Teilnehmer für das Projekt „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ gewinnen. Es eignet sich vor allem für Vorschulkinder und Schulklassen und lässt sie spielerisch in die Geschichte der 300-jährigen Wassermühle eintauchen. Im vorigen Jahr betreute Möser neun Gruppen und möchte nun deutlich mehr Mädchen und Jungen erreichen. Ein Besuch der Mühle passe gut ins Grundschulthema „Vom Korn zum Brot“, sagt sie. Klassen, die sich für einen Ausflug – auch per Muldenschiff – nach Höfgen und einen Besuch des Museum interessieren, können sich an die Mitarbeiterin wenden (03437/707572; antje.msr@gmx.de). Es wäre hilfreich, meint Vereinschef Ruhmer, wenn etwa das Kreis-Kultusamt dieses Angebot bekannt macht. „Ein Hinweis an die Pädagogen würde uns helfen.“

An den Backtagen werden bis zu 100 Brote bei 240 Grad Celsius knusprig. Möser freut sich auch schon auf den 25. Deutschen Mühlentag am 21. Mai und den Tag des offenen Denkmals am 9. September, wenn die Gäste wieder freien Zutritt zur Anlage haben. Am 16. Juni beteiligt sich das Museum am Tag der offenen Gartenpforte sowie im September am Höfgener Handwerkermarkt. Wieder belebt wird in Höfgen der besinnliche Voradvent, der am 24. und 25. November ins Dorf der Sinne locken soll.

Öffnungszeiten: April bis Oktober von Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr. Gruppen ab zehn Personen (Führungen) und Projekte für Schulklassen auch an anderen Tagen und Zeiten (jeweils mit Voranmeldung).

Von Frank Prenzel

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