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Grimma Abschied: Amtsleiter lässt Grimmas Stadtentwicklung hinter sich
Region Grimma Abschied: Amtsleiter lässt Grimmas Stadtentwicklung hinter sich
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00:19 23.06.2017
Jochen Lischke in seinem Büro. Quelle: Foto: Frank Prenzel
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Grimma

Ein Macher sagt adieu. Für Jochen Lischke sind die Tage an der Spitze des Grimmaer Stadtentwicklungsamtes gezählt. Am 30. Juni ist der letzte Arbeitstag des 64-Jährigen, seinen Platz nimmt mit Janine Wolff eine Frau ein, die gerade mal halb so alt ist. Lischke geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. In den 14 Jahren als Chef der Stadtentwicklung hat er Grimma ein gutes Stück mit vorangebracht – insofern lässt er Vieles zurück, weiß aber um den zeitlichen Gewinn für Familie und Hobby.

Dabei werden die wenigsten Grimmaer wissen, dass Lischke gar nicht in der Muldestadt wohnt. Denn er fühlt wie ein Grimmaer. Sein Häuschen steht vielmehr in Markranstädt, und um das berufliche Pendeln einzudämmen, hatte er sich eine Zweitwohnung am Arbeitsort gechartert.

Lischke wuchs in Eilenburg auf und studierte in den 1970er-Jahren an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar – zwei Jahre Architektur und zweieinhalb Jahre Städtebau. „Ich wollte immer Stadtplaner werden, das hat mich von Anfang an gereizt“, sagt er über seine berufliche Leidenschaft. Nach dem Studium begann er im Büro für Städtebau beim Rat des Bezirkes in Leipzig und leitete nach der Wende im Regierungspräsidium die neu aufgebaute Ortsplanungsstelle. Ende 1992 wechselte er aber in die freie Wirtschaft und wurde für rund zehn Jahre Chef der Leipziger Niederlassung des Architekturbüsros Brzozowksi & Partner. Als das pleite ging, suchte er notgedrungen eine neue Herausforderung – und fand sie in Grimma, wo gerade die Stelle des in Rente gehenden Stadtentwicklungsamt-Leiters Albrecht Günther ausgeschrieben war. Gesucht wurde ein Fachmann mit maximal 45 Jahren. Im Bewerbungsgespräch habe er sich darüber „maßlos aufgeregt“ und mit seinen Kenntnissen geworben, verrät Lischke. Denn er war zu dem Zeitpunkt bereits 51. Offenbar hat dem Rathauschef gefallen, dass er deutlich wurde. Er bekam den Job.

Als Lischke 2003 in Grimma anfing, waren viele Spuren der verheerenden Flut im Jahr zuvor bereits beseitigt. Nach seinen beruflichen Meilensteinen an der Mulde befragt, geht der Amtsleiter auf komplexe Maßnahmen ein. Der Mann mit dem grau gewordenen Vollbart nennt die Neugestaltung des Areals, wo einst der untere Bahnhof und der Milchhof standen, ist stolz, dass er das Einzelhandelskonzept für die Stadt auf den Weg gebracht hat, erinnert sich an die jahrelangen Bemühungen um den Aufbau der Stadtwerke. „Die Roggenmühle begleitete mich auch zehn Jahre“, so der Chef des fünfköpfigen Amtes. Es sei darum gegangen, das Projekt zum Wiederaufbau am Leben zu halten, „jetzt gibt es mit dem Seesportverein als Nutzer eine neue Chance“. Von Anfang an beschäftigte ihn die seit 2007 im Bau befindliche Hochwasserschutz-Anlage. Lischke ist froh, dass auf sein Drängen hin der Dresdner Denkmalpflege-Professor Thomas Will einbezogen wurde, denn die ersten Pläne der Landestalsperrenverwaltung einer durchgehenden Mauer hätten das Stadtbild stark beeinträchtigt.

Die Gebietsreform entpuppte sich als eine der größten Herausforderungen seiner Amtsleiter-Zeit: „Da wusste man nicht, gegen wen man kämpft.“ Beim Kreissitz steckte Grimma schließlich eine Niederlage ein, durch Eingemeindungen wurde es wiederum die größte Flächengemeinde Sachsens. „Es war spannend, an unterschiedlichen Fronten zu argumentieren“, blickt der 64-Jährige, dessen Bürowände mit Karten „tapeziert“ sind, zurück.

Lischke ist stolz darauf, dass „ich mir in den 14 Jahren nur Freunde gemacht habe“. Auf der Suche nach Lösungen sei er „harmoniesüchtig“. Auf der anderen Seite wurmt ihn, dass die Stadt am oberen Bahnhof in seiner Amtszeit keinen Schritt weiter gekommen ist. Das Gebäude verkommt. Er vermisst auch eine Lobby für die Wohnblock-Siedlungen West und Süd. Ein richtiges Entwicklungskonzept für beide Stadtteile sei nicht sichtbar.

Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) bedauert, dass er Lischke verliert. „Er hat alles, was ein guter Stadtplaner haben sollte.“ Vor allem habe er immer eine ganzheitliche Betrachtung an den Tag gelegt und sei immer ein wertvoller Ratgeber gewesen.

Der scheidende Amtsleiter wird’s gern hören und sich künftig mehr seiner Familie widmen. Der zweifache Vater, dessen Frau ebenfalls Stadtplanerin ist, hat mittlerweile drei Enkel. Seine Tochter lebt mit den dreijährigen Zwillingen zwar in Frankreich, doch durch kluge Familienplanung kommt das Wiedersehen nicht zu kurz. Am Haus in Markranstädt wartet der Garten auf geschickte Hände, und natürlich will Jochen Lischke die Zeit zum Radeln, Schwimmen, Wandern und Skifahren nutzen. Immerhin hat er eine sportliche Jugend als Leichtathlet und Volleyballer hinter sich. „Ich hätte ein guter Zehnkämpfer werden können“, erinnert er sich. „Aber mir fehlten ein paar Zentimeter Größe.“

31-Jährige übernimmt Amtsleitung

Schon geraume Zeit steht fest, wer in die Fußstapfen von Jochen Lischke treten wird. Neue Leiterin des Stadtentwicklungsamtes in Grimma ist ab 1. Juli die 31-jährige Janine Wolff. Sie ist in Grimma geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur am Gymnasium St. Augustin studierte Janine Wolff Landschaftsarchitektur in Erfurt. Währenddessen arbeitete sie in Landschaftsarchitektur- und Stadtplanungsbüros. Es folgten Anstellungen bei Stadtplanungsbüros im Allgäu und Tirol. Nach zehn Jahren kehrte sie zurück in ihre Heimat. Seit 1. Januar 2015 gehört Janine Wolff zum Team der Stadtverwaltung Grimma und wird für ihren neuen Posten eingearbeitet. Die 31-Jährige ist verheiratet und Mutter eines Sohnes.

An der Spitze der Grimmaer Stadtverwaltung wird damit die weibliche Domäne ausgebaut. Neben dem Posten des Oberbürgermeisters ist nur noch das Tiefbauamt in männlicher Hand.

Von Frank Prenzel

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