Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Abschied von Heidrun Henze-Fleihs und ihren beiden Maskottchen Max und Paul
Region Grimma Abschied von Heidrun Henze-Fleihs und ihren beiden Maskottchen Max und Paul
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 01.07.2017
Heidrun Henze-Fleihs, die langjährige Leiterin der Grimmaer Tafel beendet ihre Tätigkeit beim AWO-Kreisverband Mulde-Collm. Über 240 000 Kilometer fuhr sie mit ihren Maskottchen Max (Hund) und Paul (Ratte) Quelle: Foto: Thomas Kube
Anzeige
Grimma

Die Tage von Heidrun Henze-Fleihs (59) als Chefin sind gezählt. Nur noch bis Freitag wird sie die Grimmaer Tafel in der Gabelsberger Straße 5 leiten. Dann übernimmt Sven Wittenberger von der Oschatzer Tafel übergangsweise ihren Job. Denn die Tafel befindet sich, wie berichtet, in einer Neugründung.

18 Jahre hat die Grimmaerin Lebensmittel für Bedürftige zusammengestellt. Über 400 000 Kilometer ist die Ingenieurin für Ökonomie dabei mit ihrem eigenen Auto und später mit einem gesponserten Fahrzeug gefahren. Gab es in den Anfangsjahren, als die Tafel noch in der Kreuzstraße war, nur etwa 20 Bedürftige, versorgt die noch in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Mulde-Collm befindliche Einrichtung mittlerweile 1500 Menschen. Der Anstieg setzte mit dem Hartz-IV-Gesetz 2005 ein. „Im Moment packen wir etwa 400 Lebensmittelbeutel pro Woche“, sagt sie.

Henze-Fleihs gehört zu den Gründungsmitgliedern der Grimmaer Tafel im Jahr 1999. Die ehemalige Leiterin des Hotels Grimma-Süd hatte nach dessen Schließung vergeblich versucht, über eine Umschulung beruflich wieder Fuß zu fassen. Dann ein Anruf, innerhalb von fünf Minuten musste sie sich entscheiden, ob sie die Tafel leiten wolle. Zuerst erfolgte das als ABM-Kraft, und erst später wurde sie fest eingestellt. Eine vom Jobcenter geförderte Mitarbeiterin und zehn ehrenamtliche Helfer, die über die Bürgerstiftung Dresden eine kleine monatliche Aufwandsentschädigung erhalten, stehen ihr zur Seite.

Waren es früher Familien, die sich mit Hilfe der Tafel über Wasser hielten, kommen 80 Prozent der Kunden jetzt aus Ein- bis Zweifamilienhaushalten, weiß Henze-Fleihs. Ihnen Unterstützung zu geben, gleicht allerdings immer mehr einem Kraftakt. „Es kommt immer weniger aus den Supermärkten“, erzählt die Tafel-Chefin, die dreimal in der Woche die Geschäfte anfährt. 1999 hatte sie noch einen Markt, Allkauf in Brandis angefahren, mittlerweile sind es 50 kleine und größere Lebensmittelspender.

„Unser Plus ist, dass wir Mitglied im Landesverband Sächsische Tafeln sind“, sagt sie. „Wenn Firmen größere Posten abzugeben haben, verteilt der Verband diese.“ Ein Zehn-Liter-Beutel kostet einen Obolus von vier Euro. „Das ist üblich und unsere einzige Finanzierungsquelle“, sagt die langjährige Chefin. „Wir sind deshalb mehr denn je auf Sponsoren angewiesen“, macht die 59-Jährige deutlich.

Heidrun Henze-Fleihs hofft, dass es ihr Nachfolger einfacher hat. „Unter Federführung der Stadt Grimma soll ein Kooperationsprojekt Tafel entstehen, an dem sich mehrere Kommunen, freie Träger und eine Steuerberatungsgesellschaft beteiligen“, sagt Daniel Schippan, Geschäftsführer des Kreisverbandes Mulde-Collm der Awo. Denn die vielen Probleme seien nur noch im Verbund zu lösen. Das fängt beim Personal an und endet beim hohen Aufwand für die Beschaffung von Lebensmitteln.

„Wir haben zuerst versucht, einen neuen Träger zu finden. Doch das ist uns nicht geglückt“, so der Awo-Chef. „Wir danken Heidrun Henze-Fleihs für ihre Einsatzbereitschaft in den vielen Jahren. Sie hat stets mehr getan, als von ihr gefordert war. Mit unermüdlichem Engagement hat sie die Grimmaer Tafel über die Jahre aufgebaut und war damit für zahlreiche Menschen in der Region eine wichtige Unterstützung“, so Daniel Schippan. Auch Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) sprach der Tafelleiterin seinen Dank aus, für ihre unermüdliche Einsatzbereitschaft. „Wir werden bis Jahresende noch die Miete für die Räumlichkeiten der Tafel bezahlen“, erklärte der Awo-Chef. Auch die Fahrzeuge, die Eigentum der Tafel sind, sollen in das Eigentum der neuen Betreibergesellschaft übergeben, zu der auch die Awo gehören wird.

Heidrun Heinze-Fleihs wird sich noch nicht in die Altersruhe begeben. „Ich werde endlich einmal meinen Garten auf Vordermann bringen und mich neu orientieren“, blickt sie in die Zukunft.

Von Cornelia Braun

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sanieren lässt die Stadt gegenwärtig den ehemaligen Hochwasserdeich durch den Schlosspark Trebsen. Auf einer Länge von zwei Kilometern von der Hochzeitsbrücke bis zum Ende der Lindenallee werden die Schäden beseitigt, die 2013 die Juniflut hinterlassen hat.

27.06.2017

Auf ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr blickt die Wohnungsgenossenschaft Grimma. Zur jetzigen Vertreterversammlung konnte der kaufmännische Vorstand René Nauck für 2016 einen Jahresüberschuss von 63 000 Euro vermelden. Die Bilanzsumme der 1548 Mitglieder und 1472 Wohnungen zählenden Genossenschaft lag im vorigen Jahr bei 49,1 Millionen Euro.

27.06.2017

Mancher Stadtrat erschien in einem Aufzug, als ginge es an den Hotel-Pool. Shorts und Nicky, Sandalen und Söckchen. Gestritten wurde dennoch heftig. Nicht um Handtücher auf Liegen, sondern zur Zukunft der Colditzer Wohnungsbaugesellschaft (CWG). Am Ende begrenzte der Stadtrat die jährliche Ausschüttung auf 100 000 Euro.

30.06.2017
Anzeige