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Grimma Abwasserpreis in Mutzschen steigt drastisch
Region Grimma Abwasserpreis in Mutzschen steigt drastisch
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08:12 09.10.2018
2015 wurde die erste von drei Gruppenkläranlagen in Mutzschen fertiggestellt – hier kurz vor der Inbetriebnahme. Quelle: Frank Schmidt
Grimma/Mutzschen

Die Mutzschener, die an den Gruppenkläranlagen angeschlossen sind, müssen sich auf eine saftige Erhöhung des Abwasserpreises gefasst machen. Die ehemalige Kleinstadt unterliegt im Gebiet des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain (VVGG) einer eigenen Entgeltkalkulation, die nun für die Jahre 2019 bis 2021 erneuert werden muss. Der jetzige Wert gilt noch bis Ende des Jahres.

Weniger Abwasser und Grundstücke

Derzeit zahlen die etwa 1100 Mutzschener eine jährliche Grundgebühr pro Wohneinheit von 240 Euro und eine Mengengebühr von 2,19 Euro je Kubikmeter Abwasser. Mit der Kalkulation für die kommenden drei Jahre ist dieser Preis nicht mehr zu halten. Die Abwassermenge sei von jährlich 32 600 auf jetzt 29 000 Kubikmeter zurück gegangen, erläuterte Steuerberater und Kalkulator Frank Schmidt in der Verbandsversammlung. Das seien rund zehn Prozent. In gleicher Dimension bewege sich der Rückgang angeschlossener Wohneinheiten. Ein dritter Punkt, der sich negativ niederschlägt, ist die Abwasserabgabe, die nicht mehr verrechnet werden kann. Da die Fixkosten bleiben, erhöhen sich damit die Abwasserpreise für die angeschlossenen Mutzschener.

Grund- und Mengengebühr anheben

Bei gleichbleibender Grundgebühr würde die kalkulierte Mengengebühr demnach auf 3,09 Euro je Kubikmeter klettern, ein Anstieg von fast 50 Prozent. Möglich sei auch, die Grundgebühr auf jährlich 264 Euro je Wohneinheit anzuheben, dann käme man auf einen Mengenpreis von 2,68 Euro, rechnete Schmidt vor. „Das wäre unser abgestimmter Vorschlag.“

Erwartungen nicht eingetreten

Ein Beschluss stand zur Verbandsversammlung noch nicht auf der Tagesordnung, die Information bildet die Grundlage für die Diskussion. Der neue Verbandschef Michael Hultsch (parteilos) ergriff als Erster das Wort. Er betonte, dass die Mutzschener seinerzeit eine Insellösung favorisiert hatten und damit gegenüber dem Rest des Verbandes eine eigene Kalkulation. „Jedem war klar, dass das in beide Richtungen ausschlagen kann“, so der Bad Lausicker Bürgermeister – dass es günstiger oder eben teurer werden kann. Die erwartete Zahl der Anschlussnehmer und Mengen sei nicht eingetreten.

Ende der Insellösung schwer zu erklären

Mutzschen hat vehement darum gekämpft, eigene Wege zu gehen“, bekräftigte Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos). „Es ist genau das gebaut worden, was die Empfehlung der damaligen Stadtverwaltung Mutzschen und der Bürgerschaft war.“ Die Entwicklung erfülle ihn mit Sorge, so Berger weiter, doch Mutzschen habe seinerzeit die Solidargemeinschaft bewusst verlassen. Den Ort jetzt, weil es schlecht läuft, zurückzuholen, sei dem Rest der Gemeinschaft schwer zu vermitteln.

Einmalzahlung damals abgelehnt

Verbandsgeschäftsführer Lutz Kunath erinnerte daran, dass eine der drei Kläranlagen im Stadtpark stehen sollte. „Dort wäre sie wesentlich preiswerter gekommen.“ Aber auf Drängen des Rates sei sie in die Hälteranlage verlegt worden. Von Anfang an sei klar gewesen, dass die insgesamt teure Investition in Mutzschen von mehr als 10 000 Euro pro Grundstück mit dem normalen Gebührenaufkommen des Verbandes nicht refinanzierbar sei. Eine Einmalzahlung sei von den Grundstücksbesitzern abgelehnt worden.

Ortschaftsrat diskutiert am Donnerstag

Jetzt soll sich zunächst der Ortschaftsrat des nach Grimma eingemeindeten Mutzschen ausführlich mit der Entgeltkalkulation für die kommenden drei Jahre befassen. Er tagt dazu öffentlich am Donnerstag. Die Sitzung im Bürgerbüro beginnt 19 Uhr. „Wir sollten alle Mutzschener einbinden und die Kuh gemeinsam vom Eis holen“, bat Grimmas Rathauschef zur Verbandsversammlung. VVGG-Geschäftsführer Kunath machte eines dennoch klar: „Am Ergebnis wird sich nichts ändern.“ Die neuen Preise in der Sondergebührenzone müssen am 1. Januar 2019 in Kraft treten. Der Beschluss dazu soll im Dezember gefasst werden.

Übrigens liegen die Mutzschener schon jetzt etwa 16 Prozent über den Abwasserpreisen des restlichen Verbandsgebietes.

Von Frank Prenzel

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