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Acker soll Grünland werden – Walziger fühlen sich enteignet

Flächennutzungsplan Acker soll Grünland werden – Walziger fühlen sich enteignet

Die Luft brennt in Walzig. Mehrere Grundeigentümer fühlen sich kalt enteignet durch einen Beschluss des Stadtrats. Zur Wut gesellt sich alter Frust, aber auch Resignation. Im Rathaus hingegen wird die ganze Aufregung nicht verstanden.

Warum soll das Feld in Walzig verschwinden, wenn woanders in Flussauen auch Äcker bewirtschaftet werden? Helmut Schumann, Isolde Leipnitz, Lothar Eckhardt und Karin Schmidt (v.l.) diskutieren über der Karte.

Quelle: Thomas Kube

Trebsen. Die Luft brennt in Walzig. Mehrere Grundeigentümer fühlen sich kalt enteignet durch einen Beschluss des Stadtrats. Zur Wut gesellt sich alter Frust, aber auch Resignation. Im Rathaus hingegen wird die ganze Aufregung nicht verstanden.

Der Flächennutzungsplan, den das Kommunalparlament soeben einstimmig beschloss und der eine Richtschnur für die Entwicklung Trebsens in den nächsten 15 bis 20 Jahren darstellt, erregt in einem Punkt die Gemüter. Dort heißt es, landwirtschaftliche Nutzfläche in der nördlich der Kernstadt gelegenen Walziger Aue solle perspektivisch in Grünland umgewidmet werden.

„Dann wäre der Grund und Boden nur noch die Hälfte wert“, rechnet Lothar Eckhardt vor, dem ein Stück des Ackers gehört, das er einen Landwirt bewirtschaften lässt. „Und für die Verpachtung würde ich auch weniger kriegen. Das heißt, wir verlieren doppelt.“

Die Stadt, so Eckhardt weiter, könne ihr Eigentum gerne in Grünland umwandeln, aber nicht das von ihren Bürgern. „Da sind wir total dagegen“, wettert er. „In unseren Augen ist das eine Enteignung. Hätte einem Abgeordneten hier unten Land gehört, wäre die Entscheidung des Stadtrats anders ausgefallen.“ Helmut Schumann, der sein Land an die Kinder vermachte, fügt an: „Auf der einen Seite wird permanent gejammert, dass Acker unter Beton verschwindet. Und hier wird er freiwillig aufgegeben.“

Dagegen sträubt sich auch Olaf Kupfer, der mit seinem Bruder Uwe den gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb in Neichen betreibt und in der Walziger Aue sowohl auf eigenem, als auch auf dazu gepachtetem Land derzeit Weizen zu stehen hat. „Für unsere wirtschaftliche Existenz ist eine ausreichende Ackerfläche in der Nähe des Hofs enorm wichtig. Wir können nicht auf sie verzichten!“, mahnt er. „Sie ist viel ertragreicher als Grünland.“

Bauamtsleiterin Marika Haupt versucht, die Gemüter zu beruhigen. „Es geht doch hier nur um die Absicht, landwirtschaftliche Nutzfläche in Grünland umzuwandeln“, erklärt sie. „Ob das nun in zehn Jahren, 15 Jahren oder wann auch immer erfolgt. Außerdem wird das nur im Einvernehmen mit den Eigentümern geschehen.“

Die Umweltbehörden hätten an die Stadt herangetragen, in Flussauen Grünland auszuweisen. Dieses verhindere bei Hochwassern besser die Bodenerosion. „Außerdem war die Umwandlung in Grünland schon im bisher gültigen Flächennutzungsplan von 1998 ausgewiesen. Darüber hat sich keiner aufgeregt“, so Haupt. „Ich nehme doch diesen Passus nicht wieder raus und stufe das Gebiet dauerhaft als Acker ein!“

Lothar Eckhard, der mit anderen Landeignern im Vorfeld dem Flächennutzungsplan widersprochen hatte, würde gerne weiter gegen ihn ankämpfen. Doch dafür sieht Haupt keine Handhabe. „Er liegt zwar noch einmal aus, aber zu diesem Punkt können keine Anregungen mehr abgegeben werden“, erläutert sie. Isolde Leipnitz aus Walzig resigniert: „Wir fühlen uns hilflos, unsere Bedenken werden einfach beiseite geschoben.“

Mahnende Worte gibt es unterdessen auch aus dem Stadtrat. „Wir müssen klarstellen, dass morgen nicht die Polizei kommt und die Flächen umwandelt“, fordert Steffen Slowik (CDU). Und sein Parteifreund Markus Praprotnik bittet das Bauamt, den Einwohnern gegenüber „ausführlich zu begründen, warum wir Grünland bevorzugen und was es bringt.“

Ob das die Wunden heilt? Schon als Trebsen den Muldedeich vom Schlosspark bis Walzig, der die Felder schützte, dieses Jahr entwidmen ließ, stieß sie auf den Widerstand der dortigen Grundeigentümer. „Das verzeihe ich der Stadt nie“, betont Lothar Eckhardt. „Bisher pflegte der Schäfer den Damm, der von der Landestalsperrenverwaltung dafür eine Förderung erhielt. Ohne die Schafe wird es nicht lange dauern, bis wir Wildwuchs haben. Die Wurzeln der neuen Bäume werden den Wall zerstören, und die Gefahr für uns steigt.“ Die Grundeigentümer würden nicht über die Technik verfügen, um diese Entwicklung aufzuhalten.

Aus Sicht der Stadt war es notwendig, dem Deich seine offizielle Hochwasserschutzfunktion zu nehmen. Hätte ihn die Landestalsperrenverwaltung nach der Schädigung durch die Katastrophenflut von 2013 normgerecht ausgebaut, so argumentierte sie, hätten im Schlosspark viele Bäume gefällt werden müssen, was sie vermeiden wollte.

Von Frank Pfeifer

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