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Agrar-Tagung in Nimbschen: „Überlassen wir das Feld nicht den grünen Demagogen“

Landwirtschaft Agrar-Tagung in Nimbschen: „Überlassen wir das Feld nicht den grünen Demagogen“

Thomas Schmidt stärkte am Montag den Bauern in Grimma den Rücken: „Schauen Sie sich die schmucken Dörfer an. Das sind blühende Landschaften.“ Jeder neunte Arbeitsplatz tangiere die Landwirtschaft, sagte Sachsens Landwirtschaftsminister auf einer Fachtagung mit Podiumsdiskussion in Nimbschen.

Die ATR Landhandel GmbH & Co. KG lud zur vielbeachteten Fachtagung mit Podiumsdiskussion ins Hotel Kloster Nimbschen ein.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. „Als Schwein würde ich lieber heute als in den 70er-Jahren im Stall stehen“, sagte Ludwig Striewe mit Augenzwinkern. Es werde immer suggeriert, in der Landwirtschaft sei früher alles besser gewesen. „Ich halte nichts von der Skandalisierung des Berufsstandes. Im Gegenteil: Unsere weltweit gefragten Lebensmittel waren noch nie so gut wie heute.“

Striewe ist Geschäftsführer von ATR, einem der großen privaten Landhandelsunternehmen. Arp, Thordsen und Rautenberg – der Zusammenschluss dreier norddeutscher Familienbetriebe beschäftigt derzeit 723 Mitarbeiter in Deutschland, Dänemark und Polen. Am Montag veranstaltete die mittelständische Firma im Kloster Nimbschen eine Tagung.

Man beackere schwierige Felder, räumte Striewe ein: Die Preise für Schweinefleisch, Milch und Getreide seien im Keller, Pflanzenschutz errege die Gemüter und Frank Plasberg frage bei Hart aber fair: „Das elende Leben der Steaks, was ist uns gutes Fleisch noch wert?“ Das kratze natürlich an der Ehre eines jeden Bauern. Dabei genieße die deutsche Landwirtschaft einen exzellenten Ruf: „Wegen der Ammoniakausdünstungen trieb es einem früher im Schweinestall die Tränen in die Augen, und du musstest husten. Heute haben wir eine viel bessere Luftführung“, so Striewe.

ATR betreibt sechs eigene Mischfutterwerke. Eines, das südlichste, befindet sich in Golzern bei Grimma und hat 31 Mitarbeiter. Standortleiterin Kathrin Girrulat ist sichtlich stolz, am Muldenufer zwei schweren Hochwasserkatastrophen (2002 und 2013) sowie im Januar 2012 zu allem Unglück auch noch einem Brand getrotzt zu haben: „Eine zeitlang mussten wir das Mischfutter aus Ratzeburg und Wolgast beziehen. Doch schon nach wenigen Monaten war der Produktionstrakt neu errichtet.“ Mit Futter für Schweine, Legehennen und Kühe werden von Golzern aus Kunden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg beliefert. Außerdem gilt ATR als fairer Abnehmer von Getreide aus der Region. Wolfgang Vogel, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes: „Wir sind froh, dass es neben den Großen auch noch Mittelständler wie ATR gibt. Das macht den Wettbewerb erst möglich, und wir Produzenten bekommen nicht immer weniger.“

Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) ermutigte die Bauern, trotz demografischer Probleme ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen: „Schauen Sie sich die schmucken Dörfer an. Das sind blühende Landschaften.“ Jeder neunte Arbeitsplatz tangiere die Landwirtschaft. Das sind 4,6 Millionen Beschäftigte – doppelt so viele wie im Baugewerbe!“ Sensoren im Stall, Drohnen überm Feld – der Beruf des Landwirts verbinde Tradition und Moderne. „In einem Traktor ist mehr Technik verbaut als in einem Pkw. Kein Wunder, dass 70 Prozent der Lehrlinge nach ihrer interessanten Ausbildung bei der Stange bleiben.“ Dennoch, beim Nachwuchs sei man noch immer 35 Prozent unter dem Bedarf.

Der Minister lobt das von ATR vertriebene Futter, das Legehennen friedfertiger mache. Er mahnte einen achtsameren Umgang mit Begriffen wie Massentierhaltung an: „Dem Rind ist es egal, ob es mit fünf oder 500 Artgenossen im Stall steht, solange dieser gut durchlüftet ist und es genug Liegeplätze gibt. Überlassen wir das Feld nicht den grünen Demagogen.“ Auch die Medien bekamen ihr Fett weg: „Der Verbraucher wird verängstigt mit Mutmaßungen, wonach es einen Zusammenhang zwischen Fleisch und Krebs gäbe.“

ATR-Geschäftsführer Striewe erinnerte an Krisen, Klimawandel und – Kochshows: „Letztere werben für Bio. Warum eigentlich? 35 Jahre nach Markteinführung werden Bioprodukte gerade mal von fünf Prozent der Bundesbürger gekauft. Wir reden also über einen Wert, der dem Wahlergebnis der FDP entspricht.“

Von Haig Latchinian

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