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Grimma Albrechtshain: Wie eine Vertreibung aus dem Paradies
Region Grimma Albrechtshain: Wie eine Vertreibung aus dem Paradies
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01:13 27.08.2014
Sollen bis Mitte November den Platz räumen: (v.l.) Manfred Trotzek, Christa Mehnert, Jörg Thiemann und Christa Trotzek. Quelle: Klaus Peschel

Wie ihr gehe es auch den anderen, die da draußen die warme Jahreszeit verbringen. Sie alle hätten in der vergangenen Woche Briefe vom Kletterwald-Team mit dem Ultimatum erhalten. Es wirkt wie eine Vertreibung aus dem Paradies.

In das Gebiet kam Christa Mehnert ab den 1950er-Jahren. "Damals haben wir hier noch wild gezeltet. Als die Autobahn gebaut und der Platz angelegt wurde, sind wir Dauercamper geworden", blickt die 77-jährige Leipzigerin zurück. Über die Sommermonate zog es sie und ihren Mann täglich in diese Oase. Ihre Kinder wuchsen dort auf. Und jetzt bekommt sie dort ab und zu Besuch von den Leipziger Vierlingen Sophie, Laura, Jasmin und Kim, deren Uroma sie ist. "Sie toben hier herum, es ist eine Freude zuzusehen", sagt sie.

Nun soll das alles vorbei sein. Die Natur, die frische Luft, die Gemeinschaft, in der zusammen Geburtstage, ja sogar Hochzeiten gefeiert wurden, soll Christa Mehnert hinter sich lassen. "Wir werden dagegen kämpfen", kündigt sie an, denn sie fürchte, dass ihr zu Hause die Decke auf den Kopf fallen werde.

In Spitzenzeiten waren es 30 Dauercamper-Familien, die sich am Albrechtshainer See niedergelassen hatten, heute sind noch elf Wagen übrig geblieben. Christa Mehnert kann nicht verstehen, dass der Betreiber des Kletterwaldes, Karsten Möller, nicht wenigstens vorher mit ihnen geredet hat. Die Schreiben seien wie aus heiterem Himmel gekommen. Das bestätigt Christa Trotzek. "Er hätte wenigstens mit uns das Gespräch suchen können", so die 72-Jährige.

Doch Möller hat die Briefe offenbar verschickt und sich dann in den Urlaub verabschiedet. In seinem Team war lediglich zu erfahren, dass er 14 Tage Ferien mache. Und weil nur er Auskünfte erteile, könnten momentan keine Fragen beantwortet werden. Auch eine E-Mail der LVZ an ihn blieb ohne Reaktion. In den Schreiben an die Dauercamper hatte er von wirtschaftlichen und strukturellen Gründen gesprochen, die es im kommenden Jahr unmöglich machen würden, ihnen Stellplätze anzubieten. Zugleich bat er um eine ordnungsgemäße Entsorgung nicht mehr genutzten Equipments, um Extrakosten der Müllabfuhr zu vermeiden.

Die Stadt Naunhof erfuhr erst im Zuge der LVZ-Recherchen von den Vorgängen. "Wir sind davon überrascht", sagte gestern Sprecherin Anja Lohn. Gerade erst sei eine abflusslose Grube für die Abwasserbeseitigung gesetzt worden, die angeschlossen werden solle, sobald Möller wieder da ist. "Die Kosten dafür sollen mit der Pacht verrechnet werden", erklärte Lohn.

Für die Dauercamper sah die Bautätigkeit danach aus, dass sich auf dem Gelände etwas tut, nachdem auch schon neue Holzhütten aufgestellt worden waren. Das hatte sie gefreut. Um so mehr war jetzt auch Jörg Thiemann vor den Kopf geschlagen, als er von der geforderten Räumung erfuhr. Der Beuchaer ist auf dem Platz aufgewachsen und lebt jetzt dort in einem Wohnwagen, den er erst in diesem Jahr gekauft hat. "Wir haben hier den See und drei Steinbrüche. Es gibt nichts schöneres, als früh vor der Arbeit ins Wasser zu springen", sagt der 33-Jährige, der als Erzieher in Brandis tätig ist. Woanders würde er nicht hinwollen. Als Alternative bliebe ihm nur die Mietwohnung, in der er während des Winters lebt.

"Dieses Jahr habe ich zum dritten Mal in Folge ein Ferienlager für die Kinder des Fußballvereins FSV 1921 Brandis hier im Gelände veranstaltet", sagt er und fragt sich: "Würde das dann auch wegfallen?" In diesem Zusammenhang seien 80 Übernachtungen bezahlt worden, die dem Kletterwald-Betreiber etwas gebracht hätten. Aus Thiemans Sicht auch ein wirtschaftlicher Aspekt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.08.2014

Pfeifer, Frank

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