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Grimma Alles Commichau, oder was? – Großfamilie trifft sich im Juni in Grimma
Region Grimma Alles Commichau, oder was? – Großfamilie trifft sich im Juni in Grimma
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00:32 19.03.2018
Commichau ist ein Ortsteil der Stadt Colditz und hat 240 Einwohner. Quelle: Robin Seidler
Colditz/Commichau

Es heißt, die Verwandtschaft sei zumeist bucklig. Anders verhält sich das bei Frank Paul aus Delitzsch. Er selbst war es, der sich krumm machte, um über Großfamilie und Ahnen zu forschen. Und siehe da: Seine Vorfahren tummeln sich nicht etwa nur in den schmalen Breiten Nordsachsens, sondern in der großen weiten Welt.

„Meine Mutter Luise ist eine geborene Commichau. Sie lebte in Magdeburg, Breslau und in Delitzsch. Sie heiratete meinen Vater, Otto Paul, so ist der Name Commichau zwar unsichtbar, aber nicht vergessen“, holt der 76-jährige Paul aus. Zwar habe er, der Technologe im Ruhestand, in alten Aufzeichnungen recherchiert, doch der Durchbruch sei Tochter Katja gelungen.

2009 setzte sie eine Suchanfrage ins Internet und hatte Glück. Ein Ehepaar aus Stuttgart meldete sich und lud die Pauls zum großen Familientreffen der Commichaus nach Köln ein. Frank Paul fuhr hin und glaubte seinen Augen nicht: „Aus allen Himmelsrichtungen kamen rund 150 Leute zusammen, alles Commichaus, ob verwandt oder verschwägert. Sie mieteten sich einen Dampfer und schipperten über den Rhein.“ Der Commichau-Clan traf sich in der Zwischenzeit weitere Male, in Worms und Hannover. In diesem Jahr, vom 8. bis 10. Juni, planen die Organisatoren Michael Commichau, Annette Krüger (beide aus Hamburg) sowie Brigitte Söhngen aus Moorrege ein nächstes Sterntreffen, diesmal in Grimma.

Commichau ist inzwischen ein Ortsteil von Colditz. Quelle: Robin Seidler

Den Commichaus ist es gelungen, sämtliche Vorfahren bis 1470 zurückzuverfolgen, alle Nachkommen aufzulisten und als Buch herauszubringen. Wenn Axel Commichau aus Nordrhein-Westfalen von den Wurzeln der Familie spricht, leuchten seine Augen: „Die Leute hatten früher meist nur Vornamen. Um Verwechslungen zu vermeiden, wurde oft der Wohnort ergänzt. So kamen wir zu unserem Nachnamen.“ Die Commichaus in und um Commichau bei Colditz galten als angesehene Bauern und Handwerker. 1776 heiratete Michael Commichau die Tochter des Schönbacher Pfarrers Vollhardt. „Aus dieser Verbindung gingen Fabrikanten und Kaufleute hervor, die ihren Geschäften bereits außerhalb Sachsens nachgingen“, sagt Axel Commichau und verweist auf die Auswanderung der Familie bis 1800.

Rolf Müller, Heimatfreund in Commichau, hebt die Arme: „Leider, im ganzen Dorf gibt es keinen einzigen Commichau mehr. Aber wenn uns die Commichau-Sippe besucht, sind wir statt 240 auf einen Schlag fast 400 Commichauer!“ Als die Großfamilie zuletzt da war, regnete es. Also lud Müller spontan in die Alte Schule ein. „Auch im Juni will uns die Familie besuchen. Natürlich freuen wir uns, mein Sohn Andreas, er ist Vorsitzender des Heimatvereins, organisiert eine Grillparty.“

Die Schönbacher Bergkirche nach der Sanierung. Hell und freundlich, in Weiß, Braunabstufungen und Goldtönen ist die Bemalung gehalten. Dieses stimmige Bild bot das Kircheninnere nach der Sanierung vor 100 Jahren, berichtete Axel Commichau aus Odenthal im Rheinland, Vorstandsvorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Bergkirche Schönbach. Mehr als 100 000 Euro hat der Förderverein bereits in die Kirche investiert. Quelle: Ralf Zweynert

Mit Commichau und vor allem Schönbach fühlen sich die Commichaus bis heute eng verbunden: Direkt nach der Wiedervereinigung gründeten sie den „Verein der Freunde und Förderer der Bergkirche Schönbach“. In dieser Zeit investierte der Freundeskreis eine sechsstellige Summe in das Gotteshaus. Es sei bemerkenswert, dass ein westdeutscher Verein ausschließlich für eine ostdeutsche Kirche da sei, sagt er: „Für mich ist es ein besonderer Ort. Mein Ur-Ur-Ur-Großvater Carl Gottlob Commichau wurde hier noch getauft“, so Axel Commichau.

Auch der Delitzscher Frank Pohl kennt den Ort Commichau inzwischen. Sein Großvater, Hermann Commichau, sei im Band 215 des Deutschen Geschlechterbuches aufgeführt. Der stammte aus Colditz und ging nach Magdeburg, wo er in einer Marmeladen- und in einer Steingutfabrik arbeitete. „Er hatte drei Kinder, Ingeburg, Günther und eben Luise, meine Mutter.“

Von Haig Latchinian

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