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Alles andere als langweilig: Trebsener Angelverein wird 90

Runder Geburtstag Alles andere als langweilig: Trebsener Angelverein wird 90

„Es ist kaum denkbar, dass sich ein auch nur mäßig begabter Mensch dieser langweiligen, unfruchtbaren und unlohnenden Beschäftigung hingeben könnte“, urteilte die Fischerei-Zeitung von 1893. Die Geschichte urteilte anders. In Trebsen feiern die Angler am Freitag den 90-jährigen Geburtstag ihres Vereins, der sich eben erst verjüngt hat. Langeweile spüren sie nicht.

Schilder zeigen an, wo sich Angelgewässer des Leipziger Verbands befinden. Markus Praprotnick ist Ansprechpartner für jene auf Trebsener Flur.

Quelle: Thomas Kube

Trebsen. „Es ist kaum denkbar, dass sich ein auch nur mäßig begabter Mensch dieser langweiligen, unfruchtbaren und unlohnenden Beschäftigung hingeben könnte“, urteilte die Fischerei-Zeitung von 1893. Die Geschichte urteilte anders. In Trebsen feiern die Angler am Freitag 90. Geburtstag ihres Vereins, der sich eben erst verjüngt hat. Langeweile spüren sie nicht.

„Beim Angeln kann ich abschalten, in erster Linie bedeutet es für mich aber Arbeit“, sagt Markus Praprotnick, parlamentarischer Berater der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag und Stadtrat von Trebsen. In der Freizeit hält er als Vorsitzender die Geschicke des Vereins zusammen und hat als Präsidiumsmitglied des Anglerverbands Leipzig viel um die Ohren. All das wäre er nicht, hätte er, um noch einmal die Fischerei-Zeitung zu zitieren, nur eine „mäßige Begabung“.

Das Hauptaugenmerk legte der Verein unter seiner Regie auf die Nachwuchsgewinnung. Acht Jungen sind zu den 32 älteren Mitgliedern hinzugestoßen, was den Altersdurchschnitt deutlich senkte. Die Runde wächst, weil einige Ehemalige aus den alten Bundesländern zurückkehren und wieder eintreten.

Zur Gründung in der Gaststätte Zum Anker waren es nur 27 Enthusiasten, die sich organisierten. Sie entwickelten alsbald ein reges Vereinsleben, zu den Höhepunkten zählte das Preis- und Wettangeln jedes Jahr im September. Als Mäzen zeigte sich der Pächter der Mulde im Bereich Trebsen, Fischereimeister Thieme, spendabel. Der Erfolg war so groß, dass 1927 beschlossen wurde, die Zahl der Vereinsmitglieder auf 45 zu limitieren.

Unter Hitler wurden die Angler in den Reichsverband Deutscher Sportfischer eingegliedert und der zentralen Steuerung von Berlin unterstellt. Die Kriegswirren und die ersten Jahre nach 1945 ließen kein traditionelles Vereinsleben zu. Erst unter dem Dach des 1954 gegründeten Deutschen Anglerverbandes (DAV) sammelten sich die Trebsener wieder, und zwar – wie überall in der DDR – als Sektion, die einer Fischereigenossenschaft angeschlossen wurde. Damit war es möglich, republikweit in rund 3000 Hektar Verbandsgewässern zu angeln.

Trotz der zunehmenden Verschmutzung durch die ungereinigten Abwässer der Papierfabriken Trebsen und Nerchau sowie der Farbenfabrik Nerchau blieben die Mulde und deren Altarme die bedeutendsten Gewässer der Trebsener Angler. Es entwickelten sich viele Traditionen wie das Pokal-, Preis-, An- und Abangeln sowie die Schlachtfeste.

Nach dem Mauerfall blieben von den 120 Mitgliedern lediglich 50 übrig. Der Verein wurde Mitglied im westdeutschen Verband Deutscher Sportfischer, was zu einigen Verwerfungen führte, denn die Anglerszene war gespalten, konnte sich nicht auf eine bundesweite Organisation einigen – bis heute. Nach jahrelangem Ringen schlossen sich 2009 zumindest der Anglerverband Sachsen und der Verband Mittlere Mulde Leipzig zum Anglerverband Leipzig zusammen.

Zurück zu 2005, damals übernahm Markus Praprotnick die Geschicke des Vereins, der nach mehreren Wechseln im Laufe seiner Geschichte kurz zuvor seinen jetzigen Namen angenommen hatte: 1. Trebsener Angelverein 1925. Die Mitglieder entschieden sich 2008, den Walteich in Seelingstädt zu übernehmen. In extensiver Fischzucht wachsen dort unter anderem Karpfen und Schleien heran. „Alle paar Jahre fischen wir ihn ab, wir angeln dort und verbringen hin und wieder gesellige Abende“, sagt Praprotnick.

Ansonsten gehören zu den Verbandsgewässern im Stadtgebiet die Mulde, der Rummel- und der Mühlteich sowie der Seelingstädter Stabsteich. Vor allem der Rummelteich bereitet den Anglern große Sorgen, in ihm vermehrt sich der aus Nordamerika eingeschleppte Zwergwels wie eine Seuche.

„Er hat keine natürlichen Feinde und verdrängt die heimischen Arten“, erklärt Praprotnick. Egal ob die Angler einen Aal, Karpfen oder Hecht an Land ziehen wollen, es hängt meist ein Zwergwels am Haken. Vögel sind schon verendet, weil sich der aufgestellte Stachel des Fisches in ihren Schnäbeln nicht löste.

Der Anglerverein hat den Rummelteich schon einmal abgepumpt, um die Plage zu beseitigen. „Tausende Zwergwelse konnten wir damals herausholen“, so der Vorsitzende. „Doch in den Ritzen des Gewässers versteckten sich genügend Exemplare, die die Population erneut explodieren ließen.“

Von einer langweiligen Tätigkeit, wie sie die Fischerei-Zeitung beschrieb, kann also keine Rede sein. Und langweilig dürfte auch der Vereinsgeburtstag nicht werden. Am Freitagabend sind befreundete Vereine eingeladen, um am Walteich gemeinsam zu angeln. Den Abend verbringen alle zusammen im Rittergut Trebsen. Ebenfalls dort wird es am Sonnabend die offizielle Festveranstaltung mit Bürgermeister sowie Landes- und Verbandspräsident der Angler geben.

Von Frank Pfeifer

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