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"Als er fortging" - Landrat Gey auf dem Karussell des Abschieds

"Als er fortging" - Landrat Gey auf dem Karussell des Abschieds

Wo Gerhard Gey vor 50 Jahren in sein Berufsleben gestartet war, endete es am Freitag. In der Kulturscheune des Klosters Nimbschen. Damals stand er morgens 3.30 Uhr in der Ausbildung in dieser Scheune.

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Der singende Ex-Landrat Gerhard Gey mit der Band Karussell.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma. Nun wurde er dort nach 25-jähriger Dienstzeit als Landrat in den Ruhestand verabschiedet. Vor 50 Jahren hat er geschwitzt - diesmal gesungen. Landwirtschaft damals - Rockmusik aktuell.

 Die Band Karussell spielte zum Abgesang. Und natürlich: Der Stones-Fan, "der als Landrat immer auch ein Herz für Rockmusiker hatte", wie Sänger Joe Raschke attestierte, trat mit E-Gitarre selbst auf die Bühne: "Als ich fortging" - der umgeschriebene Karussell-Hit war krönender Abschluss einer angemessenen Festveranstaltung. Auch wenn die Aufregung des Tages in Geys Stimm- und Taktverhalten zu spüren war. Aber er hat ja jetzt Zeit zum Üben. Und zum Lesen. Beginnen wird er mit einem Buch über sich selbst. Die Amtsleiter der Kreisbehörde und die Mitarbeiter seines direkten Bereiches hielten darin Impressionen und Anekdoten aus 25 Jahren fest. "Ich bin mal gespannt, was das alles zu Tage tritt", bedankte sich der Chef, also der Ex-Chef, für das Abschiedsgeschenk.

Verabschiedung von Landrat Gerhard Gey

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 Die Schlange der Gratulanten im Klosterhof wollte kein Ende nehmen. Eine gute Stunde schüttelte Familie Gey (Frau Inge, die Töchter, Stiefsöhne und Enkel standen ihm auch am letzten Arbeitstag zur Seite) Hände. 300 bestimmt. Was seine Beliebtheit einmal mehr unterstrich. "Und es ist nach einem so bewegten Dienstleben auch kein Wunder", wie Beigeordneter Thomas Voigt in seiner Begrüßung bilanzierte. Die Redner (Gey: "ihr habt alle übertrieben, aber das nehme ich euch nicht übel") überschlugen sich förmlich. Kreisrat Karsten Schütze und Markkleeberger Oberbürgermeister (SPD) mutmaßte, was jetzt komme: "Gewinnt Gey ein Kreis-Tennis-Turnier? Ist von ihm bald eine Fotoausstellung im Landratsamt zu sehen? Besucht er die Bürgerfragestunde im Kreistag? Gründet er eine Rockband oder wird Mitglied bei Karussell?" Leipzigs OBM Burkhard Jung (SPD) imponierte die Energie Geys bei dessen Mitgestaltung des Landschaftswandels im Südraum - "diese visionäre und kühne Dranbleiberei ist beeindruckend." Lothar Wölfle vom Partnerlandkreis Bodensee bezeichnete den Freund aus Sachsen als einen, der "keine Angst vor dem Hinfallen hat, weil er immer wieder aufsteht." CDU-Kreischef Georg-Ludwig von Breitenbuch nannte den Parteikollegen "einen Glücksfall der friedlichen Revolution". Der Präsident des Sächsischen Landkreistages, Tassilo Lenk, emotionalisierte die Festgäste mit diesem treffenden Zeugnis: "Bei Gerhard Gey ist es kein Abschied aus dem Amt, sondern aus einem Lebensabschnitt - diese Arbeit war sein Leben." Und weil das "Leben schön ist, aber immer zwei Seiten hat, wird es jetzt Zeit für die andere Seite", reagierte der (seit heute 0 Uhr) Ex-Landrat Gey. Jetzt kommt die Zeit des Familienmenschen Gey.

 Sie gönnten es ihm alle. Auch Staatsminister Fritz Jaeckel. Der sich an eine nächtliche Tour mit Gerhard Gey durch Grimma erinnerte, die morgens 4 Uhr und einige Schnäpse später in der Kultkneipe Lumpis Reinigung mit Geys Entschuldigung endete, dass er jetzt los müsse, weil er 6 Uhr einen Termin mit seinem Tennis-Partner habe. "Es war damals und die vielen Jahre danach beeindruckend für mich. Gerhard Gey hat immer Gas gegeben und hat mit voller Kraft seine Visionen umgesetzt."

 Und er selbst? Man sagt, er habe den Übergang zum neuen Lebensabschnitt schon vollzogen. Freue sich auf die Reisen mit Frau Inge, den Stunden mit seinen Enkeln. Könne loslassen. "Es piekt ein bisschen. Aber ich gehe mit Stolz und Freude. Mein Motiv war es nie, Landrat zu werden. Ich wollte etwas im Sinne der Deutschen Einheit tun. Das ist mir gelungen, davon bin ich überzeugt. Und dankbar dafür. Weil wir es gemeinsam erreicht haben." Das war gleichzeitig sein Rat nicht nur an Nachfolger Henry Graichen (CDU), der seit heute Morgen die Verantwortung trägt. Auch allen anderen Akteuren im Landkreis sang er es in Karussell-Tonart entgegen: Miteinander, achtet drauf, geht das nur..."

 Miteinander stimmten die Gäste dann in die Melodie ein, die nur wenige Kilometer weiter komponiert wurde. "Als ich fortging" - 300 Kehlen summten Gey in den neuen Lebensabschnitt. Er verdrückte nicht eine Träne. Er ist im Reinen und befreit. Nur wird er, anders als im Karussel-Text "nicht wiederkehren. So ist das nunmal."

 Alles Gute und ahoi, Gerhard Gey!

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.08.2015
Thomas Lieb

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