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Alt wie Naunhofs Stadtgeschichte und doch nur 15 Jahre jung

Heimatstube feiert Geburtstag Alt wie Naunhofs Stadtgeschichte und doch nur 15 Jahre jung

„Hätten wir das alles nicht aufgehoben, es wäre weggeschmissen worden“, sagt Andreas Klöthe beim Rundgang durch die Naunhofer Heimatstube. Doch vieles haben er und eine Mitstreiter für die Nachwelt dauerhaft sichern können! Am Sonnabend öffnen sie das Museum im Vereinshaus für ein breites Publikum. Der Anlass: Es wird 15 Jahre alt.

Hereinkommen, sehen und staunen: Andreas Klöthe und seine Mitstreiter präsentieren in der Heimatstube 3323 Exponate.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof. „Hätten wir das alles nicht aufgehoben, es wäre weggeschmissen worden“, sagt Andreas Klöthe beim Rundgang durch die Naunhofer Heimat- stube. Schuhmacher-Nähmaschine, Apfelsaftpresse, Küchenwaage, wie vieles doch haben er und eine Mitstreiter für die Nachwelt dauerhaft sichern können! Am Sonnabend öffnen sie das Museum im Vereinshaus für ein breites Publikum. Der Anlass: Es wird 15 Jahre alt.

Die Frage nach der Anzahl der ausgestellten Exponate, die in vielen anderen Heimatstuben den Verantwortlichen ein Achselzucken entlockt, kann Ortschronist Klöthe genau beantworten. „Bei uns ist alles bis zum kleinsten Löffel registriert“, sagt der 59-Jährige und packt einen der dicken Bilanzhefter auf den Tisch. „Aktuell haben wir 3323 Gegenstände.“ In den vier Räumen sind sie thematisch sortiert. Einer zeigt die Gewerbe- und Industriegeschichte von Naunhof, ein weiterer Haushaltsgegenstände von 1890 bis 1990, wobei eine kleine Ecke Erinnerungsstücken aus dem Zweiten Weltkrieg vorbehalten ist. Im dritten Raum ist die Historie der Stadt seit der Frühgeschichte zu sehen. Und das letzte Zimmer, bisher ein begehbares Magazin, soll mit Utensilien der ehemaligen Naunhofer Stempelwerkstatt Klostermann ausgestattet werden.

Angefangen hatte freilich alles viel kleiner. Den Grundstock lieferte Helmut Schumann, ein Lehrer, der um 1960 hauptsächlich Bodenfunde für seine Schüler sammelte, darunter Urnen aus der Lindhardter Umgebung und Steinbeile von den Feldern der Region. Nach dem Mauerfall kam vieles hinzu. „Das war die Zeit, als die Menschen die Chance ergriffen, ihre Haushalte zu modernisieren, und vieles loswerden wollten. Wir bekamen aus der Bevölkerung Küchengeräte und etliches mehr gespendet“, erklärt Klöthe.

Eine Zeit des Umbruchs eben, die den gelernten Werkzeugmacher, der bis dato in Metallbetrieben in Engelsdorf und Kleinsteinberg gearbeitet hatte, auch selber in neue Bahnen lenkte. Mit 33 wurde er erwerbslos, nahm nun Gelegenheitsarbeiten an. „Ich hatte viel Zeit und befasste mich intensiv mit der Regionalgeschichte“, blickt er zurück. Ein Faible, das er noch besser ausleben konnte, als ihn Renate Scheibner in die KulturWerk- Stadt holte, in der er fortan entweder über Beschäftigungsmaßnahmen oder zwischendurch unentgeltlich mitarbeitete.

Als der damalige Bürgermeister Uwe Herrmann dem Museum für historische Bürotechnik 2001 eine Heimstatt im Vereinshaus gab, keimte in den damals noch zehn Ortschronisten, die bis dahin ihren Fundus im Rathauskeller gelagert und sporadisch Ausstellungen in der Region gezeigt hatten, eine Idee. Sie wollten im selben Gebäude an der Bahnlinie etwas Festes, Bleibendes schaffen. Das Kalkül dabei: Wer ins Bürotechnik-Museum geht, schneit vielleicht auch bei ihnen mit herein. Der Stadtrat fand den Gedanken gut und stimmte zu. Schon im April 2002 eröffnete die Heimatstube.

„Sie war im Nu voll“, erinnert sich Andreas Klöthe, der sich von Anfang an ehrenamtlich in ihr engagierte. „Zunächst schauten viele Besucher herein. Und weil sie sahen, wie pfleglich wir mit den Exponaten umgingen, brachten sie noch mehr zu uns.“ 2006 zog die Einrichtung innerhalb des Hauses um und konnte sich vergrößern. Manches Jahr kommen mehr, in anderen Jahren weniger Besucher. „Die Zahl schwankt zwischen 250 und 499“, weiß Klöthe, der genau Buch führt. „Beeinflussen können wir sie nicht. Zum Glück steigt sie in den vergangenen fünf Jahren wieder leicht an.“

Dass die Heimatstube unter dem Dach der kommunalen KulturWerkStadt am Laufen gehalten wird, ist maßgeblich drei Männern zu verdanken. Neben Klöthe bringen sich Olaf Beyer aus Zweenfurth und Eckhard Schilde ein, der momentan dabei ist, den gesamten Bestand zu digitalisieren. Er erstellt am Computer ein Register, fotografiert die wichtigsten Ausstellungstücke.

So halten moderne Zeiten auch in der Heimatstube Einzug. „Ansonsten möchte ich aber, dass wir hier in den Räumen so weiter machen können wie bisher und nicht umziehen müssen“, erklärt Klöthe. „Schön wäre es natürlich, wenn noch jemand Jüngeres mit Interesse an der Heimatgeschichte zu uns stoßen würde.“

Vielleicht ergibt sich ja beim Tag der offenen Tür am Sonnabend ein Kontakt, wenn der 15. Geburtstag gefeiert wird. Ab 14 Uhr ist die Stube am Vereinsweg geöffnet zum Staunen und Quatschen. Zwei Musiker sorgen für Unterhaltung.

Von Frank Pfeifer

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