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Grimma Alte Pfarrscheune wird zur Trauerhalle
Region Grimma Alte Pfarrscheune wird zur Trauerhalle
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00:38 30.04.2018
Neben der umfangreichen Sanierung der Kirche in Nerchau wird derzeit die alte Scheune zur Trauerhalle denkmalgerecht um- und ausgebaut. Pfarrer Markus Wendland (3.v.l.) schaut mit Zimmerleuten sowie Baupfleger Tilman Dorn (2.v.l.) und Denkmalschützerin Katrin Siebert vor Ort in die Bauunterlagen. Quelle: Thomas Kube
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Grimma/Nerchau

Die Pfarrscheune dürfte eines der ältesten Gebäude von Nerchau sein. „Sie datiert von 1647“, weiß Pfarrer Markus Wendland zu berichten. Die Scheune wurde also, wie auch das heutige Dach der benachbarten Kirche, in einer Zeit errichtet, als noch der Dreißigjährige Krieg in Europa tobte. Doch der Zahn der Zeit hatte zuletzt kräftig genagt an dem Bauwerk des Pfarrhof-Ensembles. In jüngster Zeit diente die desolate und sogar einstürzgefährdete Scheune nur noch als Geräteschuppen und Lageraum.

Doch nun sieht sie ihrer Renaissance entgegen. Seit wenigen Tagen liegt das Bauwerk in fachmännischen Händen und soll bis Anfang nächsten Jahres in alter Schönheit wiedererstehen. Und es erhält eine neue Bestimmung. Die zum Friedhof angrenzende Pfarrscheune wird zur würdevollen Trauerhalle für weltliche Bestattungen, die sich die konfessionslosen Nerchauer schon viele Jahre wünschen. Bislang blieben alle Ideen im Ansatz stecken, und die alte kleine Trauerhalle auf dem Friedhof verdient ihren Namen nicht.

625 000 Euro Fördermittel fließen

Bei dem ambitionierten Projekt ziehen viele Partner an einem Strang, Wendland spricht von einer beispielhaften Zusammenarbeit. Für den denkmalgerechten Wiederaufbau hat die Kirche mit Erfolg Leader-Mittel an Land gezogen. Etwa 625 000 Euro der Kosten fließen aus diesem europäischen Förderprogramm. In den stolzen Rest von 175 000 Euro teilen sich die Evangelisch-Lutherische Landeskirche, die St.-Martins-Kirchgemeinde Nerchau und die Stadt Grimma. Aus der einstigen Scheune entstehe eine kommunale Trauer- und Feierhalle. Sie bleibe aber im Eigentum der Kirchgemeinde und werde auch von ihr genutzt, erläutert der Pfarrer. An Ideen mangelt es nicht. So kann sich Wendland ein Konzert zum Pfarrhofadvent vorstellen.

Jahrelange Bemühungen um die Pfarrscheune

Die Bemühungen zur Rettung und Umgestaltung der Pfarrscheune ziehen sich schon um die 15 Jahre hin, weiß Tilman Dorn zu berichten. Als Baupfleger im Kirchenbezirk Leipziger Land begleitet er auch das anspruchsvolle Vorhaben in Nerchau. Den zündenden Funken für die künftige Nutzung holte sich übrigens Kirchenvorstandsmitglied Peter Kessenich, als er die im Jahr 2011 sanierte Pfarrscheune in Großbothen in Augenschein nahm. Im Dachgeschoss ist dort eine weltliche Trauerhalle integriert worden. „Seitdem sind wir mit der Stadt Grimma im Gespräch“, erzählt Kessenich. Denn die Kommune ist zuständig für weltliche Bestattungen.

Eine neue Trauerhalle entsteht derzeit auf dem Friedhof Nerchau. Quelle: Thomas Kube

Handwerker haben das Sagen

Ohne Leader wäre die Rettung der Pfarrscheune nicht möglich, weiß Baupfleger Dorn. Eine gründliche Analyse von Fundament, Mauer und Dachstuhl nebst Holzgutachten hatte ergeben, dass der Erhalt des Baudenkmals mit seinen Außenmaßen von 23 mal acht Meter nicht gerade billig wird. Doch nun endlich haben die Handwerker das Sagen. Nach und nach geben sich neun Firmen verschiedener Gewerke die Klinke in die Hand. Zunächst wurden Dach und Gebälk herunter genommen. Die kahlen Wände lassen kaum erahnen, was für ein Schmuckstück hier entstehen soll. Stephan Hahn, als selbstständiger Zimmermann und Architekt einer der Ton angebenden Männer auf der Baustelle und auch an der Planung beteiligt, rieb sich in den ersten Tagen indes verwundert die Augen: „Es fehlten zehn Kreuzstreben und damit wichtige statische Elemente. Das ist nicht zu erklären.“

Denkmalbehörde lobt zeitgemäße Nutzung

Voll des Lobes ist Katrin Siebert von der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landkreis: „Hier gibt es eine zeitgemäße Nutzung, ohne die jahrhundertalte Wirkung zu verlieren“. Alle noch verwendbaren Materialien der historischen Substanz würden wieder eingebaut, der Rest nach originalem Vorbild ersetzt. Die Zimmerer zum Beispiel werden wie ihre Vorfahren am Tragwerk des Satteldachs Holznägel verwenden. Gerettete Ziegel einer Zschoppacher Scheune, die beim Sturm Schaden nahm, ersetzen die Betondachsteine aus den 1970er-Jahren.

Wölbung für Innenraum

Etwas Besonderes haben sich die Planer für den künftigen Innenraum ausgedacht. Er erhält eine aus Holz gefertigte Wölbung an der Decke, die etwa drei Viertel des Raumes ausfüllt. „Diese Holztonne ist eine Herausforderung“, weiß Hahn zu berichten. Sein Partner Christian Wüst, ebenfalls Zimmermann und Architekt, spricht sogar von einem Gesamt-Kunstwerk, das sich hier formt. Im Raum weite sich der Blick durch ein großes Fenster zum Friedhof. Zum Haupttor auf der Seite des Pfarrhofes werde es einen Gang direkt zum Gottesacker geben.

Baupfleger Dorn zollt der 280 Mitglieder zählenden Pfarrgemeinde Respekt, so ein Projekt anzugehen. „Wir haben uns bereit erklärt, die Bewirtschaftung zu übernehmen“, ergänzt Kirchenvorstandsmitglied Kessenich.

Von Frank Prenzel

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