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Grimma Altenhainer wird Deutscher Meister
Region Grimma Altenhainer wird Deutscher Meister
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05:00 22.07.2010
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. 459 Holz bei 100 Wurf. Die überglückliche Oma Sigrid hatte ihrem Enkel pünktlich zu den Meisterschaften ein T-Shirt mit der Aufschrift „Kegelgott" geschenkt. Jetzt fühlt sich die Spaßmacherin bereits als orakelnde Krake Paula der Kegler.

André muss regelmäßig Medikamente nehmen. Andernfalls könnte der junge Mann jederzeit in Ohnmacht fallen und Krämpfe bekommen. Bei den Deutschen Meisterschaften in Oggersheim startete der Altenhainer entsprechend dem Grad seiner Behinderung in der Wettkampfklasse 4. Dort setzte er sich gegen 13 andere Sportler durch, die sich zuvor in ihren jeweiligen Bundesländern qualifiziert hatten: „Bei den Sachsenmeisterschaften wurde ich im Einzel Zweiter und im Team Erster. Das Beste: Nach meinem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften darf Sachsen im nächsten Jahr drei Starter schicken."

Als Oma Sigrid vom Erfolg ihres Enkels erfuhr, köpfte sie zu Hause in Altenhain gleich eine Sektflasche. „Mutti, Vati und natürlich ich, die Oma, sind düchtsch stolz auf unsern Gold-Schungen." Die Familie weiß nur zu gut, dass André sonst nicht gerade Grund zum Jubeln hat. „Er liebt sein Geescheln", sagt die Oma und erinnert an Platz 1 bei den diesjährigen Bezirksmeisterschaften. Er brauche doch seine Erfolgserlebnisse. Nur seien diese eben viel zu selten.

Nach dem Realschulabschluss absolvierte André eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Weil er trotz erfolgreichem Abschluss keine Anstellung fand, war er zunächst arbeitslos. Er durchlief mehrere Maßnahmen wie „Jugend in Arbeit" sowie Integrationsprogramme. Er arbeitete ein halbes Jahr im Internetcafé. Es folgten Praktika im Kindergarten, in der Videothek, beim An- und Verkauf, im Heimatverein, in der Zoohandlung und im Schnäppchenmarkt. Doch eine Festanstellung sprang vorerst nicht heraus. „Um einen Job zu bekommen, muss ich mobil sein. Aber als Epileptiker darf ich keinen Führerschein machen. Ohne Auto bist du auf dem Lande jedoch aufgeschmissen. Außerdem gelten Schwerbehinderte gemeinhin als unkündbar, weshalb Betriebe lieber Strafe zahlen, als Leute wie mich einzustellen." Und doch hat André das Lachen nicht verlernt: „Bei den Landesmeisterschaften platzte meine Hose und ich merkte es nicht mal." – „Aber du hattest doch die Schlübber drunter", flachst die Oma.

So sitzt der Kegler auch weiter zu Hause. Er dankt seinem Altenhainer Trainer Manfred Barthel, der ihn als Elfjährigen in die Geheimnisse des Kegelns einweihte. Er zählt all seine Kameraden aus dem Bennewitzer Behindertenteam auf: Peter Weimann, Klaus Nowak, Gerd Kießig, Joachim Schmidt, Klaus Meissner, Stefan Zarschler und Mannschaftsleiter Konrad Witzgall. Und er freut sich schon auf die Meisterschaftsfeier mit seinen Eltern: „Wir gehen zum Griechen oder zum Chinesen."

Haig Latchinian

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