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Grimma Alter Schlachthof mit weltweitem Novum
Region Grimma Alter Schlachthof mit weltweitem Novum
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00:21 17.04.2018
Blicken auf ihr Lebenswerk: die Brüder Jörg (l.) und Mike Lechner. Sie sanierten den alten Grimmaer Schlachthof und vereinten hier ihre vier Firmen. Quelle: Foto: Andreas Döring
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Grimma

Eine Grimmaer Erfolgsgeschichte fand am Freitag ihren vorläufigen Höhepunkt. Mit großem Bahnhof weihten die Hohnstädter Brüder Jörg und Mike Lechner ihr neues Firmendomizil ein. Innerhalb von 15 Jahren machten sie aus dem alten, verwahrlosten Grimmaer Schlachthof am Oberwerder ein Schmuckstück und vereinen hier nun ihre vier Unternehmen. Oberbürgermeister Matthias Berger ist voll des Lobes: „Es ist vorzeigenswert, was mit viel Engagement und Mut aus dem einstigen Schandfleck entstanden ist.“ Grimma könne stolz sein auf solche Unternehmer.

Es war 1991, als die zwei gelernten Fliesenleger der Kölner Firma, in der sie nach der Wende ihr Brot verdienten, den Rücken kehrten und sich in ihrer Heimat selbstständig machten. In einer kleinen Garage und einem umgebauten Schuppen auf dem elterlichen Grundstück in Hohnstädt fing alles an. Hier schnitten sie die ersten eigenen Fliesen. Aus dem dreiköpfigen Team entwickelte sich eine Unternehmensgruppe mit vier Zweigen, die derzeit mehr als 100 Leute beschäftigt. Jörg Lechner (54) und sein vier Jahre jüngerer Bruder Mike managen das Firmen-Quartett als gleichberechtigte Geschäftsführer.

Der ehemalige Schlachthof in Grimma ist ein Schmuckstück geworden. Die Brüder Lechner haben dort am Freitag ihr neues Firmendomizil eröffnet. Für Besucher gab es viel zu entdecken.

Erster Meilenstein war 1994 der Bau des neues Domizils für die Fliesen Lechner GmbH an den Gerichtswiesen. In einer Rezessionsphase schufen sich die Brüder mit der Kamin Lechner OHG (Offene Handelsgesellschaft) und der Lechner Bau GmbH zwei weitere Standbeine. 2005 vervollständigten sie mit der Naturstein Lechner OHG das Firmen-Kleeblatt. Der 1997 in Beiersdorf gebaute Kamin-Laden wurde dieser Tage ebenso an den Oberwerder verlegt wie der Gerichtswiesen-Betrieb.

„Wir brauchten Lagerfläche“, erinnert sich Mike Lechner. Deshalb bewarben sie sich um den brach liegenden Schlachthof und erhielten 2003 den Zuschlag zum Preis von sechs Euro je Quadratmeter. „Es war wie auf einer Müllhalde“, so der 50-Jährige. „Schuttberge lagen herum, alles war kaputt, selbst die Schleusen.“ Die Brüder begannen bei Null und ließen für die Baugenehmigung des denkmalgeschützten Ensembles viele Nerven. Zwei ausgeräumte Garagen nahmen seinerzeit die ersten Maschinen auf. „Unser erster Auftrag waren Fassadenschindeln für ein Hochhaus in Hongkong“, blickt Mike Lechner auf die Anfänge am neuen Standort zurück.

Die Investitionssumme behalten die Brüder lieber für sich. Nach und nach erweiterten Lechners die Produktion, sanierten den Backsteinbau, entfernten Schornstein und Gebäudeteile, schufen Verkaufsflächen und im früheren Direktorenhaus drei Wohnungen. Zuletzt kam das Hallenschiff an die Reihe, das einst als zentrale Schlachtstätte diente. Hier entstand ein Show-Room, der einzigartig ist. Zwischen Kaminen, Fliesen- und Naturstein-Produkten fallen im sehenswerten Industriebau 20 Werke des berühmten Leipziger Malers Michael Fischer-Art ins Auge. Der Künstler hat sogar ein Bild für Lechners kreiert, das die vier Firmenteile vereint und mit dem Slogan „Freude am Bauen“ den Besucher am Eingang begrüßt.

Laut Lechner ist es der weltweit erste Show-Room, den Marazzi, zweitgrößter Fliesenhersteller auf dem Globus, mit einem Partner ins Leben rief und deshalb auch dem Verkauf dient. Die anderen Marazzi-Flagship-Stores in den großen Städten der Welt stünden ausschließlich Architekten und Planern offen. In Deutschland können diese Fachleute entweder Hamburg oder Grimma ansteuern. Im alten Schlachthof findet sich durchaus hochpreisige Ware, „wir haben aber für jeden Geldbeutel etwas“, schweift Jörg Lechners Blick über den Raum und die Freifläche mit Garten- und Landschaftsbauprodukten.

Lage und Ambiente am Oberwerder seien top. „Ohne unsere Mitarbeiter hätten wir das alles aber nicht geschafft“, zeigt sich der 54-Jährige dankbar. Was noch fehlt sind Umkleide-, Zeichen und Archivräume. Und kaum fertig, wird es bereits eng. „Wir wollen eine Waschtisch-Kollektion entwickeln“, erläutert Mike Lechner. Dafür sei am Oberwerder jedoch kein Platz mehr und in Grimma ein anderes Objekt im Blick.

„Es ist toll, was aus dem Ensemble gemacht wurde“, freut sich Rathauschef Berger, dass die Skeptiker nicht Recht behielten. Lechners würden durch den Umzug an den Oberwerder auch für ein Stück Innenstadtbelebung sorgen. „Es ist ein Impuls für die City.“

Weniger glücklich ist Berger mit der Verkehrsanbindung des Unternehmens. „Wir wollen eine Zufahrt von der Brückenrampe und werden dazu beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr einen Antrag stellen.“

Von Frank Prenzel

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