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Grimma Altes Handwerk lebt bei Slodowski
Region Grimma Altes Handwerk lebt bei Slodowski
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05:00 24.08.2011
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. Komplettiert wird die Sammlung von Standmotoren, mit denen früher in Industrie und Landwirtschaft Aggregate angetrieben worden sind. Der älteste stammt aus dem Jahr 1898. Jetzt aber hat Jochen Slodowski seinem Raritäten-Kabinett ein bemerkenswertes Fahrzeug hinzugefügt.

 

Der 78jährige gelernte Stellmacher, der als Lanzbulldog-Freund bundesweit seine Kreise zieht, hat eine originalgetreue Laufmaschine gebaut, wie sie 1817 von Karl Drais erstmals der Öffentlichkeit präsentiert worden war. Drais Laufmaschine gilt als Vorläufer des Fahrrades. Mit ihr wurde zum ersten Mal das Zweiradprinzip, die Bewegung eines Fahrzeugs mit zwei Rädern auf einer Spur, verwirklicht. Slodowski hatte Bilder von Drais‘ Laufmaschine in einer Zeitung und im Internet gesehen. „Das hat mich gleich gereizt", sagt er. So entwarf er zu den Vorlagen entsprechende Konstruktionsunterlagen, fertigte Schablonen für die Bearbeitung des Holzes und stellte schließlich das „Ur-Fahrrad" in seiner Werkstatt her.Rund ein viertel Jahr hat er daran gebastelt. Inzwischen erregte der Erdmannshainer damit auch Aufsehen, als er beispielsweise mit der Laufmaschine in Erdmannshain vor der Gaststätte oder in Otterwisch bei einer Geburtstagsgesellschaft vorfuhr.

Slodowski, dessen Leidenschaft für alte Traktoren, Motoren und Landwirtschaftsgeräte aller Art bekannt ist, hat damit wiederholt bewiesen, dass er mehr ist, als nur Sammler. Slodowski pflegt und bewahrt vor allem handwerkliche Tradition.

In die Lehre gegangen war er bei der Firma Albert Funke in Naunhof. Später arbeitete er als Zimmermann auf dem Bau in Leipzig, danach verdiente sich das Allround-Genie als Betriebshandwerker bei der Deutschen Post sein Geld. Die Stellmacherei und Schlosserei auf seinem Dreiseithof, die im Laufe der Jahre immer wieder mal aus den Nähten zu platzen drohten, bezeichnet er als seine liebsten Räume. „Stünde da ein Bett drin, würde ich dort auch gern schlafen", sagt Slodowski verschmitzt. Er weiß, dass Ehefrau Anita, mit der er seit 54 Jahren verheiratet ist, ihn gern werkeln lässt. „Tüfteln, konstruieren, bauen - all das hält mich jung" sagt Slodowski und nach einer Handbewegung über die Glatze fügt er lachend hinzu: „Das kommt vom vielen Grübeln. Ich habe immer wieder Ideen..."Als „fast letzter meines Standes", wie sich Stellmacher Slodowski selbst bezeichnet, hat er sich zum Beispiel auch einen Traktor-Anhänger als Stellmacherwagen mit Radbock und Schnitzbank vorgerichtet. Mit dem fährt er zuweilen bei Dorffesten vor, um an handwerkliche Tradition zu erinnern, die auf seinem Hof noch lebendig ist. Vor kurzem erst hat Slodowski auch einen solcher Leiter-Handwagen neu gefertigt, wie sie sonst nur noch in Museen anzutreffen sind. Dreschflegel und hölzerne Heugabel und andere Arbeitsgeräte aus längst vergangenen Zeiten haben ihm Leute vom Dorf zum Reparieren gebracht. „Das macht sonst niemand mehr" sagt Slodowski und zeigt auf einen Spruch, den er auf ein großes Sägeblatt geschrieben hat, das in seiner Werkstatt hängt. Zu lesen steht dort: „Das schufen die Alten. Die Zeit hat‘s erhalten. Trotze den Gewalten. Lange Gleiches gestalten."

Andreas Läbe

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