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Am Kirschberg Trebsen brummt es

Am Kirschberg Trebsen brummt es


Trebsen. Am Trebsener Kirschberg brummt‘s. Unzählige Drohnen sind seit Tagen in froher Erwartung auf die Königinnen: Züchter aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und sogar Schleswig-Holstein bringen ab heute ihre emsigen Majestäten mit Hofstaat zum passionierten Imker Henry Seifert.

. Der 39-jährige Herr der Bienen eröffnet seine Belegstelle. Im Zeitalter vergifteter Agrarsteppen sowie weit verbreiteten Bienen- und Imkersterbens eine echte Sensation.

„Nicht bewegen!", warnt der Vorsitzende des Grimmaer Imkervereins, sobald sich eine Biene auf einer wild fuchtelnden Person niederlässt: „Wer sich bewegt, outet sich als Nichtbaum." In diesem Sinne wird Seifert heute in seiner Idylle nahe des Trebsener Herthasees den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Denn es haben sich bereits 50 Imker aus nah und fern angesagt. In Einwabenkästchen befördern sie ihre Königinnen. Die Kästen wiederum werden in eines der über 100 Schutzhäuschen geschoben. Hierin wird sich die Königin mit ihrem Hofstaat zunächst einrichten, ehe sie nach einer kurzen Eingewöhnungsphase zu ihrem mit Spannung erwarteten Jungfernflug aufbricht. Innerhalb von drei Tagen werde sie dann von den ebenfalls am Kirschberg startenden Drohnen bis zu 20 Mal begattet. Belegstellenleiter Seifert: „Ich sorge für ausreichend Drohnen, also für den Bienen-Mann, der nur einmal kann. Nach dem Akt verstirbt er noch in der Luft und kann es somit niemandem weitererzählen. Bloß gut, sonst würde der Königin kein Kerl mehr hinterher fliegen."

Die Königin kehre jedenfalls wieder zu ihrem eigenen Schutzhäuschen auf dem Kirschberg zurück und beginne mit dem Eierlegen. Etwa 14 Tage später fliegen dann die Imker wieder ein, entnehmen das Einwabenkästchen und können sicher sein, dass sich ihre Königin nicht etwa mit unerwünschten Drohnen eingelassen hat. Weil die 300 bis 1600 Männer pro Bienenvolk allesamt erste Wahl sind, werde beim durchweg winterharten Nachwuchs auch kein Stecher dabei sein, verspricht Seifert. Der EDV-Spezialist aus Leipzig liebt sein abgelegenes Trebsener Gartengrundstück. Seine Gläser voller Obstblütenhonig finden reißenden Absatz. Er weiß, warum seine Belegstelle so gut angenommen wird: „Natürlich könnten Königinnen auch an jedem anderen Ort begattet werden. Aber womöglich ist die Männerdichte nicht annähernd so hoch wie hier am Kirschberg. Das wäre eine große Gefährdung für die Königinnen. Denn je weniger Drohnen es gibt, desto länger muss die Königin draußen herumfliegen. Darauf warten die gefräßigen Neuntöter oder Meisen nur. Ich vergleiche die Königin gern mit einem Jagdflugzeug im Krieg. Am sichersten ist es in der Garage, also im Schutzhäuschen."

Wie andere von Briefmarken oder Kaninchen schwärmen, begeistert sich Seifert für die zum Teil hundertjährigen, verzierten Schutzhäuschen mit Spitzdach, Häkchen, eingestemmten Scharnieren, Nummernschildern und Schrauben aus blankem Eisen. „Früher gab es in Sachsen dutzende namhafte Belegstellen. Inzwischen ist nur noch eine Hand voll übrig geblieben", sagt der Wahl-Trebsener, der auf seinen Überlandfahrten etliche Schutzhäuschen vor dem Vergammeln retten konnte: „Sogar ein Häuschen für gleich vier Einwabenkästchen mit der Nummer 100 ist darunter. Da lacht das Imkerherz!"

Haig Latchinian

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