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Ammelshain: Im letzten Laden bleibt das Licht an

Ammelshain: Im letzten Laden bleibt das Licht an

Ein Gerücht hält sich hartnäckig in Ammelshain. Die Sorge geht um, das geliebte Einkaufsstübchen im Herzen des Ortes könnte schließen. Gisela Dietrich, die es mit ihrem Mann Günther betreibt, kann beruhigen: "Wir versuchen das Geschäft so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

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Möchte das Lädchen nicht missen: Charlotte Meglin (links) kauft regelmäßig bei Gisela Dietrich ein.

Quelle: Andreas Röse

Naunhof/Ammelshain. "

In keinem anderen Naunhofer Ortsteil überdauerte so ein Laden die Zeiten. Dort finden die Einwohner Mehl, Zucker, Konserven, Süßigkeiten und vieles mehr, was sie fürs tägliche Leben brauchen oder möchten. "Wir sind ein Vollsortimenter", sagt Gisela Dietrich. Und damit meint sie nicht nur die Haushaltsartikel, die ihr Angebot komplettieren, sondern quasi einen Rundum-Sorglos-Service. Wer hungrig kommt, dem macht sie eine Bockwurscht warm, bei ihr gibt's belegte Brötchen und das Schälchen Heeßen. Sogar Präsentkörbe stellt sie zusammen.

Charlotte Meglin möchte das nicht missen. Die 82-Jährige, die drei- bis viermal in der Woche vorbeischaut, lässt sich gerade eine Käse-Sahne-Torte schmackhaft machen, die Gisela Dietrich mit viel Liebe gebacken hat. Ein Stückchen legt sie oben auf den Einkauf, der schon vom Korb in die Tasche gewandert ist. "Es wäre eine Katastrophe, wenn es den Laden nicht mehr gäbe", meint sie. Seit einem Sturz sei das Fahrrad tabu, sie müsste mit dem Bus nach Naunhof zum Supermarkt fahren.

Das wäre zum einen umständlicher, aber es würde auch das Persönliche fehlen. Viele Kunden kommen zu den Dietrichs nicht nur, um sich mit Lebensmitteln einzudecken. Sie erzählen von ihren Sorgen und Nöten, von dem, was sie bewegt. Kinder weinen sich schon mal aus, wenn sie eine Fünf geschrieben haben. Die Ladeninhaberin hat für sie alle ein offenes Ohr, spendet Trost.

Diesen, so ließe sich meinen, hätte die Polenzerin, die Ammelshain so sehr liebt, wohl selbst manchmal nötig gehabt. Nach langer schwerer Krankheit, während der ihr Mann und ihre Kinder das Geschäft am Laufen hielten, kehrte sie im Frühjahr hinter die Ladentheke zurück. Kurz danach begann der Straßenbau vor der Tür. "Der Umsatz ging schlagartig um 50 Prozent runter", berichtet sie. "Es gehört viel Rechnen dazu, um das zu überstehen." Der Schritt, die Stadt um Hilfe zu bitten, fiel ihr schwer, doch zur jüngsten Ortschaftsratssitzung nahm sie ihren Mut zusammen.

Das Gebäude gehört der Kommune. Eine Mietkürzung von monatlich 225 auf 150 Euro schlug Ortsvorsteher Lutz Kadyk von der Wählervereinigung Ammelshain vor. "Mir ist es lieber, wir können diesen letzten Laden bei uns erhalten, als dass dort eine Dreckecke entsteht", sagte er. Gisela Dietrich nahm diese Worte dankend an und folgte dem Tipp, ein Ersuchen um Mietminderung ans Rathaus zu schreiben.

Dass das Gebäude nicht schon längst zur Ruine verkommen ist, dafür hat sie viel getan. Als die gelernte Verkäuferin, die früher in Polenz einen Konsum und später im Pösna Park den Pfennig-Pfeifer-Markt geleitet hatte, 2007 das Einkaufsstübchen Ammelshain übernahm, besserte sie mit ihrem Mann draußen die Mauerschäden aus. "Die gesamte Inneneinrichtung und die Waren haben wir bar bezahlt, ohne Kredite aufzunehmen. Wir sind zum Glück völlig schuldenfrei", erklärt sie.

Inzwischen will die nächste Kundin bezahlen. Sie rundet auf, das Trinkgeld kommt in ein Sparschwein auf dem Ladentisch. Ab und zu kauft Gisela Dietrich davon etwas Süßes, das sie den Kindern gratis in die Hand drückt. Im Moment kommen wenige zu ihr, weil der Schulbus wegen der Baustelle in der Hauptstraße nicht vor der Tür halten kann. Doch wenn die monatelangen Behinderungen bald ihr Ende finden, darf sie hoffen, wird das junge Publikum wieder bei ihr ein- und ausgehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.11.2014
Pfeifer, Frank

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