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Analphabetismus: Wenn ein kleiner Satz zum großen Problem wird

Analphabetismus: Wenn ein kleiner Satz zum großen Problem wird

"Wir müssen das Thema aus der Tabuzone holen", sagt die sächsische Kultusministerin Brunhilde Kurth (CDU). Die Zahlen sprechen für sich. Etwa 7,5 Millionen Menschen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben.

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Joachim Radtke aus Großbardau hat seine Schreibschwäche bekämpft und hilft heute anderen Analphabeten im Landkreis.

Quelle: Thomas Kube

Borna/Wurzen/Grimma. In Sachsen, so heißt es aus dem Dresdner Kultusministerium, sind es etwa 200 000.

Wobei die Dunkelziffer sehr hoch ist, wie auch Thomas Friedrich, der Leiter der Volkshochschule (VHS) Muldental sagt. Die Bildungseinrichtung hat deshalb ebenso wie die VHS Leipziger Land Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) beantragt, um Lehrgänge für funktionale Analphabeten anzubieten. Zu den bisherigen Kursen dieser Art kamen etwa sechs bis acht Leute, die tatsächliche Zahl der Betroffenen dürfte im Muldental zehnmal so hoch sein, so Friedrich. Wobei sich die Frage stellt, wie Menschen trotz allgemeiner Schulpflicht in Deutschland am Ende ihrer Schulzeit existenzieller Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben können.

"Das sind oft Leute, die die Schule abgebrochen haben", sagt der Chef der VHS Muldental. Und die dann jahrelang nicht geschrieben haben und im Zweifelsfalle versuchen, mit Ausreden und Entschuldigungen ("Ich habe leider meine Brille vergessen.") durchzukommen.

Das bestätigt auch Kathrin Schöttel, an der VHS Leipziger Land zuständig für Alphabetisierungskurse, die im Herbst wieder beginnen sollen. Wobei es dabei ganz spezielle Schwierigkeiten gibt. Denn die Adressaten, für die die Lehrgänge mit einem Umfang von etwa 30 Unterrichtsstunden gedacht sind, können deren Ankündigung eben in der Regel nicht oder zumindest nur schwer entziffern respektive lesen. "Es ist nicht einfach, an die Leute heranzukommen", sagt die VHS-Expertin. Auch weil die Betroffenen, durchaus nachvollziehbar, bemüht sind, mit ihrer Schwäche nicht aufzufallen. "Die finden spezielle Strategien dafür." Oftmals handle es sich um Menschen, die ihr Geld mit vergleichsweise einfachen Tätigkeiten verdienen. Und sie fallen höchstens einmal auf, wenn sie ihren Kindern in der Grundschule nicht richtig oder überhaupt nicht helfen können.

Die Lehrgänge für Menschen mit grundlegenden Lese- und Schreibschwächen haben neben Lesen und Schreiben auch Rechnungen und den Umgang mit dem Computer zu Inhalt. Es gehe um die ganz tagtäglichen Notwendigkeiten, betont VHS-Frau Schöttel. Denn oftmals können die Betroffenen nicht einmal ein Formular ausfüllen. Wobei die Dozenten sehr sensibel sein müssen. Schließlich sind die Schüler Erwachsene, "und da brauchen die Lehrer auch eine gewisse Empathie".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.03.2015
Nikos Natsidis

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