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Andreas Dietze: "Von normalen Abläufen noch weit entfernt"

Andreas Dietze: "Von normalen Abläufen noch weit entfernt"

Seit dem 22. April ist Andreas Dietze als Beauftragter von Landrat Gerhard Gey (CDU) eingesetzt, um die Macherner Gemeindeverwaltung zu leiten und die Situation im Rathaus zu normalisieren.

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Krisenmanager im Macherner Rathaus: Mit der Bestellung von Andreas Dietze zog das Landratsamt die Notbremse.

Quelle: Simone Prenzel

Machern. LVZ sprach mit dem 55-Jährigen ehemaligen Brandiser Bürgermeister. Der Parteilose ist bis vorerst 31. Oktober bestellt.

 

 

Frage: Herr Dietze, können Sie noch einmal Ihre Aufgabe umreißen?

Andreas Dietze: Laut Bescheid des Landratsamtes bin ich für alle der Bürgermeisterin obliegenden Aufgaben nach Parapraph 53 Sächsischer Gemeindeordnung zuständig. Dies beinhaltet die sachgemäße Erledigung der Aufgaben der Gemeinde Machern und die Regelung der inneren Organisation. Verantwortlich bin ich für alle Geschäfte der laufenden Verwaltung und die einem Gemeindeoberhaupt sonst zufallenden Aufgaben.

 

 

Was betrifft das unter anderem?

Ich bin zuständig für die Gliederung der Gemeindeverwaltung, für die Verteilung der Aufgaben auf die einzelnen Mitarbeiter, für den Einsatz der Gemeindebediensteten und verfüge über alle damit verbundenen Kontrollrechte. Auch die Ausübung des Hausrechtes, die Verteilung der Post oder Dienstanweisungen fallen ausschließlich in meinen Verantwortungsbereich.

 

 

Welche Aufgaben nimmt Bürgermeisterin Doreen Lieder noch wahr?

Sie kann repräsentative Aufgaben übernehmen und ist für die Leitung des Gemeinderates zuständig. Dort hat sie auch noch Stimmrecht, ich beispielsweise nicht. Die Vorbereitung der Ratssitzungen allerdings fällt wieder in mein Ressort.

 

 

Das Landratsamt hatte sein hartes Durchgreifen nicht nur damit begründet, dass die Verwaltung kaum noch handlungsfähig ist, sondern auch das zerrüttete Arbeitsklima im Rathaus angeführt. Wie wollen Sie hier den Schalter umlegen?

Ich glaube, dass die Verwaltung schon wieder ein Stück arbeitsfähig ist. Auch wenn viele Mitarbeiter noch verunsichert sind auf Grund der Vorgänge in der Vergangenheit. Im Moment sind wir in der Phase der Trennung zwischen Bürgermeisterin und Mitarbeitern.

 

 

Landrat Gey hatte zuletzt erklärt, dass Frau Lieder ihr Büro räumen müsse, um wieder Ruhe einkehren zu lassen. Ist das schon erfolgt?

Nein, Frau Lieder weigert sich auch, aus ihrem Büro freiwillig auszuziehen. Sie erklärte mir, dass sie weiter Bürgermeisterin ist und ihr Zimmer das der Bürgermeisterin sei. Aber ein Arbeiten unter den jetzigen Gegebenheiten - ich bin derzeit in einem eigentlich belegten Raum untergebracht - ist schwerlich möglich. Wir werden hier zeitnah eine Lösung herbeiführen müssen.

 

 

Wie hat man sich die praktische Zusammenarbeit im Rathaus zwischen Ihnen und Frau Lieder vorzustellen?

Wenn Frau Lieder für eine Sitzung des Gemeinderates Zuarbeiten benötigt, muss sie sich an mich wenden. Aus der Verwaltung und auf meine Veranlassung heraus werden Themen andererseits auf den Tisch des Gemeinderates kommen, und Frau Lieder strickt daraus die Tagesordnung für die Beratungen.

 

 

Hat sich aktuell am Krankenstand schon etwas geändert?

Er hat sich leicht verringert, aber von einer normalen Arbeitsweise und Personalbesetzung sind wir noch weit entfernt. Auf jeden Fall sind die Mitarbeiter sehr engagiert dabei, den aufgelaufenen Stau abzubauen. Wir versuchen gegenwärtig, den Betrieb aufrechtzuerhalten und die Rückstände aufzuholen.

 

 

Wo gibt es den größten Nachholbedarf?

In allen Ämtern der Verwaltung sind Rückstände aufzuarbeiten. Wir sind froh, dass uns zum Beispiel eine Mitarbeiterin der Stadt Grimma zur Verfügung steht, die den ganzen Tag im Gewerbe- und Ordnungsamt tätig ist - natürlich gegen entsprechende Zahlung an die Stadt Grimma. Auch in der Bauverwaltung nehmen wir noch die Hilfe der Stadt Naunhof wahr, wollen hier allerdings möglichst bald wieder in normale Abläufe zurückfinden und eine Kollegin befindet sich auch schon wieder in der Eingliederungsphase.

 

 

Wo brennt es aktuell am meisten?

Im Argen liegt vieles, was mit dem Bereich Kindertagesstätten zu tun hat. Hier bin ich gerade erst dabei, die Probleme zu sammeln. Und die Liste wird jeden Tag länger.

 

 

Mit Ihrem aktuellen Job können Sie wenig Lorbeeren ernten. Warum haben Sie sich bereit erklärt, in die Bresche zu springen? Immerhin könnten Sie nach 22 Jahren Bürgermeistertätigkeit Ihren Ruhestand in vollen Zügen genießen und hätten dabei kein schlechtes Auskommen.

Der Landrat hat mich gefragt, ob ich bereit wäre, diese nicht ganz einfache Mission anzutreten. Und ich wollte ihn nicht im Regen stehen lassen. Nach so langer Zeit in der Kommunalpolitik fühle ich auch eine Verantwortung für die Region. Schließlich habe ich auch als Bürgermeister einer Nachbarkommune die Entwicklung von Machern mit all ihren Höhen und Tiefen seit der Wende miterlebt.

 

 

Mancher sieht durch Ihre Bestellung Gerüchte genährt, Machern und Brandis würden fusionieren...

Dem kann ich eine ganz klare Absage erteilen, weder bin ich beauftragt noch habe ich die Absicht, in diese Richtung zu agieren. Sollte das bestehende Problem aber nicht gelöst werden und die Verwaltung nicht wieder funktionieren, muss gehandelt werden und es könnte eine Fusionsdebatte, in welche Himmelsrichtung auch immer, geben.

 

 

Laut Bescheid des Landratsamtes sind Sie bis vorerst 31. Oktober eingesetzt. Kann sich an dieser Frist etwas ändern?

Das entscheidet der Landrat. Ich möchte meine Zeit im Macherner Rathaus jedenfalls so kurz wie nötig halten. Ich bin nicht gekommen, um mich hier festzusetzen. Schon gar nicht für mehrere Jahre oder etwa bis zum Ende der regulären Amtszeit von Frau Lieder im Jahr 2020. Die jetzige Konstellation ist keine Sache auf Dauer.

 

 

Das Landratsamt hat vor allem auch die Reißleine gezogen, weil Frau Lieder mitgeteilt hat, dass sie für die organisatorische Absicherung der Europa- und Kreistagswahlen nicht garantieren kann. Wie dramatisch ist die Lage?

Die Wahlen sind jetzt abgesichert, auch wenn die betrauten Mitarbeiter in der Verwaltung den Job das erste Mal machen und noch über wenig Erfahrung verfügen. Mittlerweile haben sich auch genügend Wahlhelfer bereit erklärt, so dass alle Wahllokale besetzt werden können. Eine Einweisung wird es noch geben. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Sache ordentlich über die Bühne bekommen, auch wenn es nicht einfach wird.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.05.2014
Simone Prenzel

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