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30-Jähriger prügelt sein Opfer in Naunhof von der Trage des Rettungsdienstes

Prozessauftakt am Landgericht 30-Jähriger prügelt sein Opfer in Naunhof von der Trage des Rettungsdienstes

Am Montag begann am Landgericht Leipzig der Prozess gegen einen 30-Jährigen. Der Mann ist angeklagt, im Juni vergangenen Jahres einen Gleichaltrigen in Naunhof verprügelt zu haben. Das stark alkoholisierte Opfer lag auf der Trage eines Rettungswagens, als der gebürtige Zwenkauer vorbeikam und minutenlang auf den Mann einschlug.

Der 30-jährige Angeklagte sitzt seit Mitte Juni 2016 in Untersuchungshaft.

Quelle: dpa

Naunhof/Leipzig. Es war Alkohol im Spiel. Jede Menge davon. Bis Maik E. an jenem Freitagnachmittag Anfang Juni zum ersten Bier griff, war „es eigentlich ein ganz normaler Tag. Ich kann nicht sagen, was mich dann am Abend geritten hat“, erklärte der 30-Jährige den Verfahrensbeteiligten vor der 8. Strafkammer des Landgerichtes Leipzig am Montag. Da hatte sein Verteidiger gerade eine Erklärung zur Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung der Staatsanwaltschaft Leipzig verlesen. Die Vorhaltungen hatten es in sich: E. hatte einen 30-jährigen Naunhofer, der zum Tatzeitpunkt von zwei Rettungssanitätern gerade wegen heftigen Alkoholkonsums in eine Klinik tranportiert werden sollte, derart mit Schlägen und Tritten traktiert, dass die Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes mit dem Allerschlimmsten gerechnet hatten. „Ich war mir sicher, dass der Mann nicht mehr leben würde“, berichtete Notfallsanitäter Markus B. als Zeuge.

Die Brutalität des Angeklagten war derart ausgeprägt, dass sich die Justiz zumindest uneinig darin war, ob die Tat einen versuchten Totschlag darstellte und als solche zu verhandeln wäre. Die Staatsanwaltschaft Leipzig klagte den Tötungsvorsatz auch an – das zuständige Schwurgericht verwies die Angelegenheit mit dem Segen des Oberlandesgerichtes aber zunächst ans Amtsgericht Leipzig, da es die Auffassung teilte, dass lediglich der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllt sei. Das Amtsgericht hob im Laufe der dortigen Verhandlung im vergangenen Jahr die Hände und sah sich nicht zuständig. So landete die Akte bei der Strafkammer des Landgerichts. Wo am Montag ein erneuter Antrag der Staatsanwaltschaft Leipzig, die Sache zurück zur Schwurgerichtskammer zu geben, endgültig abgelehnt wurde.

Der Tatverdächtige (befindet sich seither in Untersuchungshaft) hat über seinen Anwalt zugegeben, Anfang Juni mit Bekannten in Naunhof getrunken und dort später das Opfer geschlagen und getreten zu haben. Er habe sich beim Opfer entschuldigt. „Ich hab’s angenommen“, sagte der Geschädigte Michael S. im Zeugenstand.

Rückblende Juni 2016: Ein paar Bier und eine halbe Flasche Pfefferminz-Schnaps intus machte sich Maik E. auf den Weg zu einem Naunhofer Einkaufsmarkt, in dem seine Lebensgefährtin gerade Schichtschluss hatte. Auf dem Weg dorthin, es war gegen 22.30 Uhr, beobachteten E. und drei Trinkkameraden einen Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes in der Ladestraße. „Wir waren neugierig und haben geschaut, was passiert war“, erklärte einer der Männer. Aus dem Augenwinkel habe dann der Angeklagte den Mann auf der Trage als einen mutmaßlichen Drogendealer wiedererkannt. Da brannte Maik E. die Sicherung durch. Er schob die Rettungssanitäter beiseite, die den Mann wegen einer Bewusstlosigkeit zu versorgen hatten – auch Michael S. hatte ordentlich gebechert und einen Atemalkoholwert von 3,9 Promille.

Mit Kommentaren wie, „Du vertickst hier keine Drogen mehr an Kinder“ und „Sowas wie Du hat in Deutschland nichts verloren“, schlug E. dem hilflosen Opfer dann mehrfach ins Gesicht. Zerrte ihn von der Trage, setzte Tritte gegen den Oberkörper und den Kopf des Mannes und soll ihm – so die Aussage eines Sanitäters – einen Fußstoß auf den Schädel gegeben haben. „Da dachte ich, das war es“, erklärte der DRK-Auszubildende und heutige Bundeswehr-Soldat Sebastian W. der Kammer unter Vorsitz von Rüdiger Harr. 20 bis 30 Minuten lang soll das so gegangen sein, solange dauerte es, bis die bei der Rettungsleitstelle angeforderte Polizei und ein Notarzt vor Ort waren. Der Beschuldigte sei „sehr brutal und aggressiv vorgegangen. Wir hatten keine Chance, an das Opfer zu kommen. Unsere Aufforderungen, endlich aufzuhören, beachtete er gar nicht.“ Bis die Polizei eintraf. Da ließ E. von seinem Opfer ab und sich widerstandslos festnehmen.

Ob Maik E., wie von Staatsanwältin Sibylle Zwanzger angeklagt, während des Tatgeschehens tatsächlich einen Hitlergruß zeigte, wurde am ersten Verhandlungstag durch die Zeugen nicht zweifelsfrei bestätigt. Michael S. hatte davon jedenfalls nichts mitbekommen. Der Naunhofer habe Ende 2016 eine Entziehungskur gemacht und ist inzwischen trocken, erklärte er im Zeugenstand. Die Verletzungen seien „jetzt nicht so dramatisch gewesen. Ich habe mich am nächsten Tag auch wieder aus dem Krankenhaus entlassen“, so S. – zu seinen Erfahrungen mit Drogen befragt, lehnte er eine Aussage ab.

Die Verhandlung wird am 5. April fortgesetzt.

Von Thomas Lieb

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