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Grimma Anrüchig – Kulisse der Trebsener Karnevalisten ist Geschmackssache
Region Grimma Anrüchig – Kulisse der Trebsener Karnevalisten ist Geschmackssache
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17:41 25.01.2016
Ansichtssache: Beim TCC stehen die Fensterbilder (Hintergrund) in der Kritik, die seit Jahrzehnten zur Kulisse bunter Feten gehören und auch den Kinderfasching ausschmücken. Quelle: Foto: Frank Schmidt
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Trebsen

Noch bevor die „Fromme Helene“, so heißt die Konfettikanone des Trebsener Carneval Clubs (TCC), richtig losdonnern kann, droht ihrem närrischen Kanonier in Gestalt des TCC-Präsidenten, Andreas Julius, Ungemach von ganz oben. Die Trebsener Pfarrerin Yvette Schwarze moniert in „wohlgemeinter Sorge“ die Saaldekoration der Sackfeten. Aufhänger im wahrsten Sinn des Wortes sind die insgesamt neun Rollos an den Saalfenstern, die eine Doppelfunktion erfüllen. Damit werde nicht nur der Veranstaltungsort verdunkelt, die Rollos dienen zudem als Leinwand für überdimensionale karnevalistische Bilder, die allesamt reine Handarbeit sind. Und an dieser Stelle setzt die Kritik der Pfarrerin an. „Ich persönlich habe noch nie einen Trebsener Fasching erlebt. Aber mir ist angetragen worden, dass auf den Bildern menschenverachtende Motive zu sehen sind, die weit unter die Gürtellinie gehen und mit erotischen Karikaturen nichts mehr zu tun haben“, bringt sie damit eine Diskussion ins Rollen. Denn die meisten der Bilder seien „anrüchig, obszön und auch sexistisch“, legt die Pfarrerin nach. „Wenn sich Erwachsene so etwas antun – gerne. Aber in gleicher Kulisse marschieren Kinder als Fünkchen und Büttelchen auf und wird der Kinderfasching gefeiert. Das ist nicht akzeptabel“, bekräftigt Pfarrerin Yvette Schwarze. „Ich möchte nicht die TCC-Tradition infrage stellen. Im Gegenteil, ich finde das Engagement sehr gut. Aber Tradition müsse man auch kritisch sehen können.“ Deshalb sieht sie den Hausherrn, die Stadt Trebsen, in der Pflicht, Einfluss zu nehmen.

Im Rathaus wird diese Angelegenheit differenziert betrachtet. Bürgermeister Stefan Müller: „Eine Bewertung, ob diese Motive gut oder schlecht sind, ist immer subjektiv. Aber im Grunde ist das TCC-Sache.“ Müller räumt ein, dass man im Zusammenhang mit dem Kinderfasching „in der Tat darüber nachdenken sollte“ und will dazu mit Andreas Julius das Gespräch suchen.

Der TCC-Präsident hat sich bereits klar positioniert. „Über den Kinderfasching können wir reden. Aber darüber hinaus sehe ich keine Veranlassung, etwas an den Bildern zu ändern. Die sind so alt wie die Sackfeten und gehören einfach dazu. Trotzdem werde ich das Problem bei der nächsten Probe im Verein ansprechen. Aber ich glaube schon jetzt zu wissen, wie das Votum ausfällt. Denn wir wollen uns nicht von außen diktieren lassen, wie wir unser TCC-Brauchtum, zu dem die Bilder seit eh und je gehören, pflegen“, sagt Julius.

Und was den Kinderfasching angehe, so kommen die Knirpse alle mit Eltern oder Großeltern, von denen sich noch keiner drüber beschwert habe. Abgesehen davon, dass die Veranstaltungen demnächst beginnen und in der Kürze der Zeit gar kein Ersatz für die Rollo-Bilder zu schaffen sei.

Von Frank Schmidt

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