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Grimma Ansturm wie bei Dirty Dancing
Region Grimma Ansturm wie bei Dirty Dancing
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05:00 25.05.2011
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. Die Massen in der Kulturstätte lachten, klatschten und waren in heller Erwartung. Und das, obwohl diesmal nicht Patrick Swayze und Jennifer Grey, sondern sie selbst, die einstigen Helden der Arbeit, die Hauptdarsteller waren: mal in Kampfgruppen-Uniform, mal Arme kreisend im Feinrippunterhemd, mal tanzbeinschwingend in der Kittelschürze.

 

Hobbyfilmer und Elektriker Bernd Fichtner arbeitete viele Jahre in der Zellstoff- und Papierfabrik. Sehr bald interessierte er sich für den betriebseigenen Filmklub unter Leitung von Klaus Höckendorff. Nichts entging dem rasenden Reporter im 1000-Mann-Betrieb – ihm und seinen 1000-Watt-Strahlern. Letztere waren fast so heiß wie die zur Feier des Tages gezeigten Filme aus den 60er, 70er und 80er Jahren: Unvergessen die Faschingsnummer „Jungfrau". Keine schwebende, wenngleich die Jungfrau beinahe in Lebensgefahr schwebte – Andrea Block lag damals in der Kiste, die von Karl-Heinz Peter zersägt wurde. Er sägte etwas zu tief, so dass die Holde am Bein blutete. Einst hatte das gar keiner mitbekommen – umso heftiger, wenngleich unblutig, diesmal die Schenkelklopfer. Regine Zetzsche, die Ex-Sekretärin bei der „Beschaffung" mit Luftgewehr im Anschlag, Schichtmeister Rainer Kopytto als Fußballer, BGL-er Siegfried Träger beim 60-Meter-Sprint, Pönicke Arno vom Holzplatz mit Kniebeugen – körperliche Ertüchtigung war groß geschrieben. Bei den Betriebssportfesten wurden die Arme gemeinschaftlich fast so heftig gekreist, als wollte man sich zu den lichten Höhen des Kommunismus emporschwingen. Bernd Fichtner, der sich als Weihnachtsmann für die Kinder sogar auf einem Gabelstapler nach oben hieven ließ: „Eine Nerchauerin fragte mich kürzlich, ob wir Trebsener denn nur Sport getrieben und gefeiert hätten – natürlich nicht. Aber Aufnahmen von der Produktion waren tabu. Wenn ich die Papiermaschine gefilmt hätte, wäre ich womöglich als Spion enttarnt worden", lachte Fichtner. Dabei schienen die Arbeiter nicht nur Weltmeister im Feiern, sondern auch im Rabotten gewesen zu sein. Wie die Filme zeigten, hagelte es laufende Meter Orden und ließen die Arbeiter zum 1. Mai auf den Traktorenhängern von Jahr zu Jahr größere Papierrollen auffahren, mit denen die übererfüllten Pläne demonstriert wurden. „Weil wir die Essensreste immer an die LPG ablieferten, bekamen wir am Vorabend des 1. Mai stets drei Schweine. In der Werksküche erhielt jeder Arbeiter portionsweise Leberwurst, Blutwurst und Gehacktes", erinnerte sich Elektriker Rost Lothar. Während Schulkinder mit Friedenstauben durch das Bild liefen, diskutierten die Ehemaligen die Frage, ob all jene, die sich am 1. Mai beizeiten „abgeseilt" hatten, ihre Ration eher bekamen oder ob die Küche angehalten war, das Essen erst nach offiziellem Abschluss der Demonstration auszugeben.

Mit seinem Bildwerfer strahlte Bernd Fichtner um die Wette, als er das Kapitel „Ferienlager" beleuchtete: „Ein Durchgang dauerte 16 Tage. Kostenpunkt zwölf Mark. Nicht etwa pro Tag, sondern für die gesamte Zeit." Kraftfahrer Stefan Kiss war zu sehen, der mit seiner Trompete am Fenster stand und ganz Wildenthal beschallte. Die kessen Zwillinge Steffen und Volkmar Zetzsche kickten mit beim „Länderspiel" der Gruppenleiter gegen die großen Jungs. Und an die Roster für den Grillabend kam man nur dank Vitamin B. „Wir kannten den Konsumchef persönlich", verriet Lagerleiter Wolfgang Schumann, für den es sogar beim Sportfest um die Wurst ging. Jedenfalls ging er bei den Liegestützen mit gutem Beispiel voran.

Zum Abschluss des umjubelten Abends zeigte der Verein noch jenen, im Internet ersteigerten Acht-Millimeter-Film über Trebsen im Jahre 1938. Zwar versprach Bernd Fichtner eine Flasche Wein, wer sich auf dem ältesten Filmdokument als Erster erkennt. Aber alle zuckten nur mit den Schultern. So ging der Schoko Chili an den Saalältesten, Harald Heidenreich.

Haig Latchinian

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