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Grimma Aus der Not geboren: In Großsteinberg gibt es jetzt eine Bücherei des Vertrauens
Region Grimma Aus der Not geboren: In Großsteinberg gibt es jetzt eine Bücherei des Vertrauens
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00:20 22.09.2017
Ulli Lask aus Großsteinberg vor seinem jüngsten Werk: einem öffentlichen Bücherschrank im Stil der alten Telefonzelle, die hier einst stand. Quelle: Christian Neffe
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Parthenstein/Großsteinberg

Ulli Lask ist begeisterter Buchleser: Krimis, Romane und Geschichtsbücher füllen seinen Bücherschrank. Der aber quoll irgendwann über. Schließlich beanspruchen die Wälzer eine Menge Platz. Wohin also mit den alten Schinken? Die in Großstädten übliche Praxis, einfach eine mit Büchern befüllte Kiste in den Hausflur zu stellen und darauf zu warten, dass sich die Nachbarn bedienen, schied jedenfalls aus. „So etwas wird im Dorf nicht gern gesehen“, erklärt Lask.

Vor einiger Zeit kam ihm deshalb eine andere Idee: ein öffentlicher Bücherschrank. Eine potenzielle Stelle dafür war schnell gefunden: Dort, wo bis vor einigen Jahren noch die Großsteinberger Telefonzelle stand, an der Ecke Werner-Seelenbinder- und Alte Dorfstraße, ummantelt von Bäumen und Büschen sollte der Bücherschrank entstehen. Beim Heimatverein sowie beim Bürgermeister stieß die Idee auf großes Interesse, schlief jedoch erst einmal ein, bevor Lask sich vor wenigen Wochen ans Werk machte. Er goss einen Betonsockel, beschaffte sich alte Fensterrahmen sowie etwas Holz, Nägel und Magneten von Zigarettenpapier-Päckchen. Innerhalb weniger Tage schraubte er den Bücherschrank zusammen. Seit dem 10. September steht sein Werk allen Anwohnern offen.

Das Ergebnis erinnert ganz bewusst an die alte Telefonzelle und bietet acht Fächer, von denen bereits sieben randvoll gefüllt sind. Gut geschützt vor Wind und Witterung warten die Bücher auf neue Leser, jeder kann hier zugreifen, ausleihen oder selbst etwas hineinstellen. „Alles eine Frage von Anstand und Vertrauen“, meint Lask und verweist auf andere Orte, an denen ähnliche Projekte reibungslos funktionieren, unter anderem in der Leipziger Brockhausstraße. „Was woanders gut funktioniert, wird auch in Großsteinberg möglich sein.“ Zugleich soll der Bücherschrank ein Ersatz für die öffentliche Bibliothek sein, die Großsteinberg seit der Wende fehlt – mit dem Vorteil, dass es hier keine Leihfristen gibt.

Schon beim Aufbau habe es viele Interessenten gegeben, die das Vorhaben für gut befanden. Lasks schaut ebenfalls alle paar Tage vorbei, um nach Neuigkeiten zu sehen und denkt darüber nach, den Schrank in nächster Zeit auszubauen, damit noch mehr Literatur innerhalb der Dorfgemeinde geteilt werden kann.

Von Christian Neffe

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