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Ausfahrt für Diamant-Fahrräder: Fans zeigen ihre Schätze erstmals in Grimma

Treffen Ausfahrt für Diamant-Fahrräder: Fans zeigen ihre Schätze erstmals in Grimma

Von Chemnitz nach Grimma: Erstmals kommen am 10. und 11. Juni die Fans von Diamant-Fahrrädern in Grimma zusammen. Der Müncherteich bietet die Kulisse und den Platz, dass die Besitzer ihre Schätze zur Schau stellen können. Der Grimmaer Marco Brenne, bekannt als Schwimmmeister und leidenschaftlicher Radfahrer, hat sich dafür stark gemacht.

Das diesjährige Diamantfahrrad-Treffen findet in Grimma am Müncherteich statt. Hauptorganisatoren sind Marco Brenne (re.) und Matthias Fritzsche. Schirmherr ist die Radsportgemeinschaft Grimma.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Marco Brenne hat eine Leidenschaft. In seiner Garage in Leisenau stehen sieben Rennräder. Drei davon tragen ein Markensiegel, das im Straßenbild nur noch selten vorkommt: Diamant. Doch am Sonnabend und Sonntag dürften etliche Diamant-Fahrräder durch Grimma rollen, denn das seit 2008 veranstaltete Diamantfahrer-Treffen wechselt von Chemnitz an den Müncherteich. Dafür hat sich Brenne mit seinem Grimmaer Kumpel Matthias Fritzsche und Daniel Weise aus Bad Dürrenberg die organisatorische Rennkappe aufgesetzt. Stargast ist Olympiasieger Jan Schur, der vielleicht auch seinen Vater Täve, der 1959 auf einem Diamant-Rad Straßenweltmeister wurde und viele Geschichten erzählen kann, mitbringt. Auch der vierfache DDR-Meister Martin Goetze liebäugelt mit einer Teilnahme.

Brenne dürfte vielen eher als Schimmmeister in der Grimmaer Schwimmhalle bekannt sein. Der 43-Jährige ist aber nicht nur im Wasser fit, sondern vor allem auf der Straße. Schon zu DDR-Zeiten fuhr er aktiv Amateurradrennen, nach der Wende am erfolgreichsten beim RC Diana Leipzig. Unter anderem gewann er 2001 bei der Tour de Hokkaido das Zeitfahren und ein Straßenrennen in Belgien. Im Behindertensport holte er mit dem blinden Radfahrer Stefan Zörner 2006 die deutsche Meisterschaft auf der Straße, auf der Bahn und im Zeitfahren. Die Bandscheibe zwang den Leisenauer, den Leistungssport 2008 aufzugeben. Seitdem sitzt er im Jahr „nur“ noch etwa 5000 Kilometer im Sattel – am liebsten auf seinem belgischen Eddy-Merckx-Rad.

Doch sein Herz schlägt eben auch für Diamant – seit 2013. Zwei seiner drei Räder aus den 1960er Jahren hat er originalgetreu zusammengebaut. „Wir sind damit groß geworden“, hütet Brenne seine Diamanträder wie ein Schatz. Vor drei Jahren steuerte er mit Fritzsche erstmals das Diamantfahrer-Treffen im anhaltinischen Kleinmühlingen an. Neben dem dortigen Friedenfahrtsmuseum stellten die Diamant-Fans ihre Schätze zur Schau – Originale, Umbauten, Tandems, auch Rennräder, „die normale DDR-Bürger nie in die Hände bekamen“, so Brenne. In den letzten zwei Jahren fand das 2008 ins Leben gerufene Treffen dann am ehemaligen Diamant-Werk in Chemnitz statt – ohne Flair an einer viel befahrenen Hauptstraße. Weil deshalb Kritik laut wurde, kamen Brenne und seine zwei Freunde auf die Idee, die Diamant-Enthusiasten nach Grimma zu locken – und fanden in der Wirtin des Lokals „Zum Müncherteich“ am Campingplatz sofort eine Partnerin.

Historie

1885 gründeten Friedrich Wilhelm Nevoigt und sein Bruder Wilhelm Friedrich in Reichenbrand bei Chemnitz als Gebrüder Nevoigt ein Unternehmen. 1895 stellte die Firma aus Serienproduktion das erste Diamant-Fahrrad her. 1912 war die Fahrradproduktion ein so wichtiger Bestandteil, dass sich das Unternehmen in Diamant Werke Gebrüder Nevoigt AG umfirmierte. Es folgten Besitzänderungen. 1926 wurde ein Rad bereits komplett aus Leichtmetall gefertigt. Bis 1945 wurden 1,3 Millionen Dimant-Räder hergestellt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Unternehmen verstaatlicht und ab 1952 VEB Fahrradwerke Elite Diamant. In der DDR fuhren anfangs alle Rennfahrer Diamanträder. Nach anfänglichen Entwicklungserfolgen geriet in den 1960er Jahren der technische Fortschritt ins Stocken. Die Fahrradproduktion war in der DDR zuletzt Teil des Kombinat Textima. Von 1949 bis 1990 wurden 8,4 Millionen Diamant-Fahrräder gebaut.

Mit dem Ende der DDR wurde der Betrieb privatisiert. 1992 wurde die Diamant Fahrradwerke GmbH unter Beteiligung der schweizirischen Villiger-Gruppe gegründet. Sie über das Unternehmen 1997 vollständig. Seit 2003 sind Villiger und Diamant Teil der amerikanischen Trek Bicyble Corperation.

Unter Schirmherrschaft der Radsportgemeinschaft (RSG) Grimma rollen nun am 10. Juni die diamantenen Räder an. Die Besitzer finden am Teich genügend Platz, ihre Kleinode zur Schau zu stellen und zu fachsimpeln. Außerdem gibt es einen Ersatzteilmarkt, Brenne rechnet mit sechs bis acht Händler. Die Teilnehmer können ein Zelt aufschlagen, abends soll Lagerfeuer-Romantik aufkommen. Für Sonntag, 10 Uhr, ist eine Ausfahrt geplant – allerdings nicht im Peloton. Vielmehr werden Grimmas Gäste die Stadt und ihr idyllisches Umland auf eigene Faust erkunden. Interessenten können am Sonnabend ab Mittag gern zum Müncherteich tingeln und sich umsehen. Eintritt wird nicht erhoben. „Wir wollen nichts einnehmen, aber auch nichts ausgeben“, bringt es Brenne auf den Punkt.

Von Frank Prenzel

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