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Ausstellung im Kreismuseum Grimma über 6000 Kriegsgefangene in Golzern

Erster Weltkrieg Ausstellung im Kreismuseum Grimma über 6000 Kriegsgefangene in Golzern

Im März 1917 wurde das Kriegsgefangenenlager in Golzern aufgelöst. 100 Jahre danach widmet das Kreismuseum Grimma diesem Lager eine Ausstellung. Die neue Exposition im Museum in der Paul-Gerhardt-Straße 43 wird am Sonntag um 15 Uhr eröffnet. In dem Lager lebten bis zu 6000 Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges.

Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges werden in das Lager Golzern eingewiesen.

Quelle: Kreismuseum

Grimma. Im März 1917 wurde das Kriegsgefangenenlager in Golzern aufgelöst. 100 Jahre danach widmet das Kreismuseum Grimma diesem Lager eine Ausstellung. Damit knüpft die Einrichtung an die Ausstellung „Zwischen Heimatfront und Schützengraben – der Erste Weltkrieg im Muldental“ im Jahre 2014 an, heißt es in einer Mitteilung des Museums. In der Präsentation vor drei Jahren war das Kriegsgefangenenlager Golzern bereits ein Thema. Die Museumsmitarbeiter hatten dazu im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden recherchiert und auch einen Plan des Kriegsgefangenenlagers gefunden.

Die neue Ausstellung im Kreismuseum in der Paul-Gerhardt-Straße 43 wird am Sonntag um 15 Uhr eröffnet. Mit dabei ist das Streichquartett „Colianis“. Es spielt Stücke, die auch in den Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkrieges zu hören waren.

Rudolf Bewer war seinerzeit Hauptmann der Landwehr im Lager Golzern. Seine Enkelin Helge Bewer schenkte dem Museum vor zwei Jahren ein Fotoalbum ihres Großvaters. Er hatte seinen Militärdienst während des Ersten Weltkriegs mit Fotos dokumentiert. Das Album enthält laut Museum viele interessante Aufnahmen, die das Lagerleben in Golzern veranschaulichen. In den letzten drei Jahren habe das Museum zielgerichtet Ansichtskarten und Post von Kriegsgefangenen aus dem Lager gesammelt. Erstmalig werde dieser Fundus nun bis zum 13. August gezeigt.

Zur Historie: Im August 1914 stellte der Besitzer der Papierfabrik Golzern, Schröder, die Räume der ehemaligen Maschinenfabrik für die Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers zur Verfügung. Mit der Leitung des Lagers beauftragte die Zivil- und Militärbehörde den Major von Wolffersdorf. Weiterhin traten mehrere Offiziere, Ärzte und Soldaten der Landsturmkompanie Döbeln ihren Dienst an. Innerhalb weniger Wochen wurde das Lager für etwa 2000 Kriegsgefangene eingerichtet. Am 8. Oktober 1914 trafen 838 Franzosen in Golzern ein. Am 19. Februar 1915 folgten 1200 Russen und Zivilgefangene aus dem Lager Lamsdorf, kurze Zeit später noch Serben. Bis Anfang 1917 wuchs die Zahl auf 6000 Menschen an.

Um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und psychischen Erkrankungen vorzubeugen, wurden Freizeitbeschäftigungen gefördert. Im Winter 1915 entstanden in Golzern Einrichtungen für Unterricht und Unterhaltung. Auch eine Lagerbibliothek existierte. Die französischen und russischen Gefangenen stellten ein kleines Orchester und eine Theatergruppe zusammen. Mit dem zunehmenden Einsatz in Arbeitskommandos erlagen diese kulturellen Betätigungen ab Sommer 2016 allmählich.

Gegen Jahresende 2015 wurde der Mangel an Arbeitskräften so bedenklich, dass die deutsche Kriegswirtschaft ohne den Einsatz von Kriegsgefangenen nicht aufrecht erhalten werden konnte. Etwa die Hälfte der Gefangenen aus Golzern musste in den großen Kohletagebauen südlich von Leipzig schuften, vor allem in den Brikettfabriken und im Abraumbetrieb. Ende 1916 waren nur noch 3,5 Prozent der Gefangenen im Lagerdienst eingeteilt.

Im Februar 1917 ließ das Kriegsministerium die Gefangenenlager auf Wirtschaftlichkeit überprüfen. In Golzern kam die Inspektion zu dem Schluss, dass das Lager mit seinem nun geringen Bestand nicht mehr wirtschaftlich weiterzuführen sei und beschloss dessen Auflösung. Ende März 1917 siedelte der größte Teil des Lagers nach Ebersdorf bei Chemnitz um.

Von lvz

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