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Ausstellung im Naunhofer Bürgersaal zeigt Tätigkeitsfeld der DDR-Staatssicherheit

Eröffnung Ausstellung im Naunhofer Bürgersaal zeigt Tätigkeitsfeld der DDR-Staatssicherheit

Spitzeltätigkeit am Ammelshainer See und im Naunhofer Krankenhaus, ein konspirativer Treffpunkt in Großsteinberg, eine versuchte Republikflucht bei Fuchshain. Es sind die regionalen Themen, für die sich die zahlreichen Besucher am Montag zur Eröffnung der Ausstellung „Stasi Ohn(e)Macht – Die Auflösung der DDR-Geheimpolizei“ hauptsächlich interessierten.

Nach dem Lesen miteinander sprechen. Die Ausstellung, die nur bis Mittwoch läuft, regte zu Diskussionen an.
 

Quelle: Thomas Kube

Naunhof.  Spitzeltätigkeit am Ammelshainer See und im Naunhofer Krankenhaus, ein konspirativer Treffpunkt in Großsteinberg, eine versuchte Republikflucht bei Fuchshain. Es sind die regionalen Themen, für die sich die zahlreichen Besucher am Montag zur Eröffnung der Ausstellung „Stasi Ohn(e)Macht – Die Auflösung der DDR-Geheimpolizei“ hauptsächlich interessierten. Sie läuft noch bis Mittwoch im Bürgersaal. Am Dienstag können sich Opfer der Staatssicherheit beraten lassen.

„Jeder Bürger ist ein Sicherheitsrisiko. Sicherheit geht vor Recht“, lauteten zwei Arbeitsprinzipien des Apparats, der in der Kreisdienststelle Grimma aus 38 hauptamtlichen Beschäftigten bestand, die 328 inoffizielle Mitarbeiter führten. Ihr Leiter war der im Naunhofer Ortsteil Lindhardt lebende Dieter Nottrodt, seit reichlich zwei Jahren Träger der Ehrennadel der Stadt, dessen Stasi-Dienstausweis in der Schau zu sehen ist.

Momentaufnahmen zeigen das Streben nach allseitiger Kontrolle unter seiner Regie. Da wird berichtet über das „gesellschaftswidrige Auftreten und Verhalten negativ dekadenter Jugendlicher“ in Naunhof. Die Truppe, die sich als Schild und Schwert der Partei SED verstand, nahm einen Parkplatzwächter am Ammelshainer See unter die Lupe, der von westlichen Besuchern des Naherholungsgebiets D-Mark annahm. Ein anderer Naunhofer wurde überwacht, weil er am Bahnhof durchfahrende Militärtransporte beobachtet haben sollte. Ein Grundstück in Großsteinberg am See, offiziell Ferienobjekt eines Grimmaer Betriebs, diente als konspirativer Treff der Stasi-Mitarbeiter. Das Geschehen im Krankenhaus, dem heutigen Altenpflegeheim „Charlotte Winkler“, wurde beobachtet.

Am fesselndsten und zugleich spektakulärsten sind die Dokumente eines Fluchtversuchs. Im Waldstück zwischen Fuchshain und Albrechtshain fand die Stasi am 31. August 1982 eine Ballonhülle aus, wie es hieß, „handelsüblicher Gitternetzfolie“. Die Abteilung VIII der Bezirksverwaltung richtete einen Beobachtungsstützpunkt ein und dokumentierte über mehrere Tage alle Personenbewegungen. Nur zwei Wochen später nahm sie zwei Männer fest, die über den Luftweg die DDR verlassen wollten. Wolfram Just vom Heimatverein Erdmannshain, der die Ausstellung besuchte, kann sich an den Vorfall erinnern, kennt aber nur einen der damals Verhafteten. „Er verbüßte eine lange Strafe, wohnt heute wieder in Eicha“, sagte er.

Regina Schild, Leiterin der Leipziger Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, verwies auf die Bedeutung derartiger Expositionen in der Provinz. „Ältere Menschen freuen sich, dass sie dafür nicht in die Großstadt fahren müssen“, erklärte sie. „Und die Jugendlichen, für die vieles nur noch Geschichte ist, erschrecken oft angesichts der schockierenden Tatsachen.“ Sie, Schild, habe deshalb die Schule kontaktiert, allerdings keine Rückmeldung erhalten. „Ich hoffe, dass die Lehrer etwas Luft haben, mit den Schülern hierher zu kommen“, sagte sie.

Bürgermeister Voker Zocher (parteilos) versprach, in der Oberschule noch mal nachzustoßen. Er wendete sich gegen Verklärungen der DDR-Zeit. „In der Erinnerung verblassen viele Dinge. Aber damals konnte ein Witz ausreichen, ins Visier der Stasi zu gelangen. Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass diese Gesellschaft eine zweite Seite hatte“, sagte er. Die Ausstellung zeige, was passiert, wenn einer Geheimpolizei zu viel Macht gegeben wird.

Beratungen über berufliche und strafrechtliche Rehabilitierungen von Stasi-Opfern bietet am Dienstag ganztägig Utz Rachowski im Auftrag des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen an. Wer aus politischen Gründen aus Studium oder Beruf flog, wer Folgeschäden aus politischer Haft davontrug, kann seine Hilfe in Anspruch nehmen. „Schätzungsweise 40 Prozent derer, die Ansprüche hätten, haben sich noch nicht gemeldet“, erklärte er.

Stasi-Ausstellung im Bürgersaal Naunhof, Markt 6, Dienstag und Mittwoch, jeweils 10 bis 18 Uhr. Beratungen zu Rehabilitierungen auch unter Telefon 0351/65 68 10.

Von Frank Pfeifer

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