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Grimma Ausstellung in Colditz zeigt Aktfotografie aus der DDR
Region Grimma Ausstellung in Colditz zeigt Aktfotografie aus der DDR
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19:01 24.05.2018
Gerhard Webers Aktfotos stehen für Natürlichkeit.  Quelle: Gerhard Weber
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Colditz

Kleider machen Leute? DerGrimmaer Fotograf Gerhard Weber (78) beweist das Gegenteil. Seine Models lassen zwar die Hüllen fallen, bleiben aber sie selbst, werden mitunter erst so richtig sie selbst. Die Gesichter sind wichtiger als Bauch, Beine und Po zusammen. Selbstbewusst und offenherzig, mal fröhlich, mal traurig, in jedem Falle aber natürlich – so zeigen sich die Modelle dem Betrachter. Dass ein Fotograf mit ihnen arbeitet, sieht man den nackten Frauen und Männern nicht an. Das Ungekünstelte ist die Kunst, auf die sich Weber versteht. Vom 2. Juni bis 29. Juli sind im Saalhaus von Schloss Colditz seine besten Aktfotos aus fünf Jahrzehnten zu sehen.

Der Grimmaer Fotograf Gerhard Weber bringt die Akt-Fotoausstellung „Hautnah“ auf Schloss Colditz

Aller Anfang war schwer, damals 1968, in der eigentlich nicht prüden DDR, in Colditz. Weber, jung verheiratet mit seiner Gitti, studierte an der Hochschule in Leipzig und – Aktfotografie war Pflichtfach. Sein allererster Akt geriet beinahe zum Staatsakt: „Sie war Kindergärtnerin, bekam betrieblich tüchtig Ärger, es hieß, in ihrer Stellung gehöre sich so etwas nicht.“ Andererseits: Wildfremde Leute einfach auf der Straße ansprechen – schwierig. Weber nutzte die Gunst der Stunde: „In Potsdam gab es eine Gruppe junger Enthusiasten. Die gestalteten regelmäßig Aktausstellungen. Ende September, nach Saisonschluss, fuhren sie mit ihren Models immer für eine Woche in die Betriebsferienheime. Da hängte ich mich einfach dran.“ Viele seiner Aktfotos entstanden bei diesen „Familien“-Treffen, man war unter sich, hatte Spaß und arbeitete hart.

Akte lösen in der DDR unterschiedliche Reaktionen aus

Mit Aktfotografie wurde in der DDR kaum einer reich. Das Magazin veröffentlichte einmal im Monat ein Nacktfoto, hin und wieder auch der Eulenspiegel oder die Armee-Rundschau. Umso größer das „Hallo“, als ein Grimmaer Model dank Gerhard Weber den Sprung auf die Titelseite der Zeitschrift „Fotografie“ schaffte. Wenn es klatscht, muss das nicht immer Beifall sein, sagt der Volksmund: Als Webers Studie einer feschen Verkäuferin gedruckt wurde, wechselte deren Chef aus Protest zwei Jahre mit ihm kein Wort. Anders die Reaktion eines sowjetischen Generals, der in Ruhestand ging, sich aber nicht ohne drei Vergrößerungen des Bildes eben jener Frau hinterm Ladentisch in die Heimat verabschieden wollte.

„Hautnah – Aktfotografie in der DDR“ ist die Schau in Colditz überschrieben. Die Ausstellung kommt zur rechten Zeit, die Bilder aus dem Osten erleben auch bundesweit eine Renaissance. Thomas Kube, künstlerischer Leiter vom Fotoverein Grimma: „Webers Akte sind keine Nacktfotos. Sie sind ganz anders als dieses billige Zur-Schau-Stellen im bunten Blätterwald und auf Fotoforen im Internet. Seine Models jenseits des Schönheitswahns, mal in der Junggesellenbude, mal in der Studentenküche, auch ungeschminkt und unrasiert, könnten du und ich sein, strahlen Anmut und Würde aus.“

Eberhard Jasinski lobt Kollegen Weber

Bei freiem Eintritt und täglich von 10 bis 16 Uhr werden auch Bilder des Colditzer Hobbyfotografen Eberhard Jasinski (63) gezeigt. Entstanden sind sie 2001/2002 innerhalb des Projektes „Akt im Steinbruch“. Ideengeber war Matthias Müller, Leiter des Steinarbeiterhauses Hohburg. In den Steinbrüchen des Wurzener Landes, ob in Spitzberg, Zinkenberg oder Köppelschem Berg, entstanden bemerkenswerte, auch provozierende Fotos. Frauen mit Hammer, Halsband und vor mannshohen Rädern, alles im Spannungsfeld von verletzlicher Haut und scharfkantigem Fels. Entsprechend schwankt auch die Kritik zwischen absoluter Ablehnung und totaler Begeisterung. Jasinski lobt seinen Kollegen Weber: „Er ist absoluter Profi, macht sich immer vorher Gedanken, wie er seine Ideen umsetzt.“ Trotz der nackten Tatsachen im Steinbruch: In Ehren hält Jasinski vor allem seinen Schnappschuss, der ausgerechnet einen bekleideten, mit Händen und Füßen gestikulierenden Mann zeigt: Gerhard Weber bei der Arbeit. Ob wir das Bild in der Ausstellung zu sehen bekommen?

Vernissage am 2. Juni, 15 Uhr, Ausstellungsgespräch am 1. Juli, 10.30 Uhr, jeweils in der Hofstube.

Von Haig Latchinian

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