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Grimma Ausstellung in Naunhofer Oase animiert zur Reflektion des eigenen Familienlebens
Region Grimma Ausstellung in Naunhofer Oase animiert zur Reflektion des eigenen Familienlebens
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00:21 21.10.2017
Martin Kirsten (14) im Gespräch mit den Künstlerinnen Melina Weissenborn (2.v.l.) und Luise Schröder sowie mit Henriette Unger (12) über das Budget, das Familien zur Verfügung steht. Quelle: Foto: Thomas Kube
Naunhof

Sie geht nahe, die Ausstellung, die seit Dienstagnachmittag im Naunhofer Kinder- und Jugendhaus Oase zu sehen ist. Nahe nicht unbedingt wegen der Werke, die allein beim Betrachten tief berühren, sondern nahe, weil die Kunstwerke eine Ausgangsbasis für die junge Generation darstellen, über das eigene familiäre Umfeld nachzudenken.

Der Markkleeberger Verein Kulturbahnhof hat diese außergewöhnliche Schau zusammengestellt, in der Künstler aus Spanien, Griechenland, Ägypten, Syrien, dem Iran, der Ukraine, Russland und Deutschland ihre Sicht auf Aktuelles thematisieren. Er entsandte zugleich mit Luise Schröder (35) und Melina Weissenborn (34) zwei bildende Künstlerinnen nach Naunhof, die sich für die Kinder und Jugendlichen viel Zeit zur intensiven Analyse nehmen. „Uns geht es nicht darum, sie zu verunsichern, sondern sie sollen reflektieren, wie ihre Familien aussehen. Worüber eventuell in ihnen gestritten wird oder warum sie sie besonders cool finden“, so Schröder.

Aus Griechenland beispielsweise stammt ein Tisch, auf dem 420 Ein-Euro-Münzen zu einem Muster zusammengestellt sind. Die Künstlerin macht damit auf die Summe aufmerksam, die sie und ihre Landsleute in der Finanzkrise maximal wöchentlich von ihren Bankkontos abheben durften. Das Gespräch lenkten Schröder und Weissenborn aber schnell weg vom fernen Land hin zum Hier und Jetzt: Wie viel Geld brauchen Eltern in Naunhof, um ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder zu bestreiten? Welche Ausgaben sind unabwendbar?

Eine Iranerin, die ihr Land aus politischen Gründen verlassen musste, faltete Briefe an die Mutter zu Schiffchen. Anlass, um über die eventuelle Flucht von Großeltern nach dem Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Eine Fotoschau aus Ägypten zeigt Menschen, die beim Aufstand auf dem Tahrir-Platz in Kairo verletzt wurden. Ausgangspunkt für eine Diskussion darüber, wie mit behinderten Familienmitgliedern umgegangen werden kann.

Bis Sonnabend unterbreiten Schröder und Weissenborn das Angebot, das es nicht beim Reden belässt. Die Kinder und Jugendlichen animieren sie auch, selbst zu handeln. Sie können sich in moderne und historische Klamotten hüllen, um sich gemeinsam als Mutter, Vater und Kind fotografieren zu lassen. „Auch das soll helfen, sich selbst zu entdecken, sich auszudrücken“, so Schröder. „Wir lassen aber bewusst vieles offen, drängen niemanden in eine bestimmte Richtung. Es kommt alles darauf an, wie sich unsere Besucher einbringen wollen.“

Geöffnet bis Sonnabend täglich 14 bis 19 Uhr

Von Frank Pfeifer

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