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Grimma Ausstellung in Borna dokumentiert Hindernisse
Region Grimma Ausstellung in Borna dokumentiert Hindernisse
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10:34 14.02.2019
Eine Wanderausstellung zum Thema Barrierefreiheit wurde am Dienstag im Landratsamt Borna eröffnet. Die ausgestellten Aufnahmen dokumentieren Hindernisse, auf die Körperbehinderte im öffentlichen Raum immer wieder stoßen. Initiiert wurde die Fotoschau von der Interessenvereinigung für Körperbehinderte des Muldentales. Quelle: Thomas Kube
Borna

Cafés, Bibliotheken, Ärztehäuser – öffentliche Einrichtungen sind für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oftmals nicht ohne weiteres zu erreichen. Diese Barrieren optisch einzufangen und damit Denkanstöße zu geben, ist Anliegen einer neuen Ausstellung, die am Dienstagabend im Bornaer Landratsamt eröffnet wurde.

„Wir haben an vielen Stellen noch Barrieren in den Köpfen, wenn es um das Zusammenleben mit Menschen geht, die nicht in das Stigma Ottonormalverbraucher passen“, meinte Landkreis-Beigeordnete Ines Lüpfert vor den Gästen der kleinen Vernissage.

Stufen und schwere Türen: Ausstellung in Borna dokumentiert Hindernisse für Behinderte in der Region

„Aber es gibt auch die baulichen Barrieren, die es Behinderten oft schwer machen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“ Die Ausstellung könne dem Betrachter die Augen öffnen. „Denn wer gesunde Beine hat, wer laufen, wer sehen kann, nimmt diese Dinge oft gar nicht wahr.“

Wanderausstellung der Interessenvereinigung für Körperbehinderte

Gestaltet wurde die Wanderausstellung von der Interessenvereinigung für Körperbehinderte (IVK) des Muldentales. „Uns war es wichtig, solche Situationen bildlich einzufangen“, gab Vorsitzender Jörg Schirdewahn Auskunft. Dazu schwärmte LVZ-Fotograf Thomas Kube in fünf Städte der Region aus. Und er musste nicht lange suchen, um in Grimma, Colditz, Naunhof, Borna und Bad Lausick unüberwindliche Hindernisse zu finden.

Rathäuser, Schulen, Restaurants, Museen oder Bahnhöfe – vielerorten stehen Rollstuhlfahrer vor für sie verschlossenen Türen. „Dabei sind es nicht nur Stufen, die am Vorwärtskommen hindern“, beschreibt Schirdewahn, der selbst im Rollstuhl sitzt. „Auch schwere Holztüren lassen sich von einem Behinderten allein nicht ohne weiteres öffnen.“ Kein Ruhmesblatt erntet zum Beispiel die Bornaer Postfiliale. „Hier bleiben wir draußen, weil es keinen entsprechenden Zugang gibt“, schildert der Grimmaer. Leicht zugänglich sei hingegen die Sparkassen-Filiale um die Ecke.

Bornaer Bahnhof nicht barrierefrei

Gänzlich auf verlorenem Posten stehen Rolli-Fahrer hingegen am Bahnhof Borna. Wer hier aus Richtung Leipzig kommend aussteigen will, muss bis Frohburg oder Geithain weiterfahren, dort in einen Zug in entgegengesetzter Richtung einsteigen, um in Borna auf Gleis 1 anzukommen. Nur so lässt sich der Tunnel mit seinen vielen Stufen überlisten.

Barrieren türmen sich aber nicht nur in Form hoher Bordsteinkanten, schwerer Türen oder zu steiler Rampen auf. „Auch amtliche Formulare in leicht verständlicher Sprache oder Kommunikationshilfen für Gehörlose müssten zur Selbstverständlichkeit werden, wenn es um öffentliche Einrichtungen geht“, findet Schirdewahn.

Behinderte mit Totalbetreuung dürfen nicht wählen

Jens Merkel vom Muldentaler Assistenzverein geht noch einen Schritt weiter und hofft, dass bei den bevorstehenden Wahlen weitere Barrieren fallen. „Deutschlandweit sind derzeit rund 85.000 Menschen von Wahlrechtsausschlüssen betroffen.“

Hintergrund ist, dass unter anderem Behinderte mit einer so genannten Totalbetreuung laut Gesetz derzeit nicht wählen dürfen. Merkel ist gespannt, ob sich hier bis zu den Urnengängen im Mai noch etwas zum Positiven ändert. Derzeit bestehe zumindest für die Europawahl die Aussicht, dass Zehntausende Betroffene erstmals ihre Stimme abgeben dürfen. „Aber was ist zum Beispiel mit der Kreistagswahl?“, sieht der Grimmaer hier noch viele Fragezeichen.

Zu sehen ist im Landratsamt außerdem eine kleine Ausstellung des Muldentaler Assistenzvereins, die zeigt, bei welchen Verrichtungen Assistenzen helfen können.

Von Simone Prenzel

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