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Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafe verurteilt

Horrorunfall auf der A 14 Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafe verurteilt

Ein 30-jähriger Autofahrer wurde am Mittwoch am Amtsgericht Grimma der fahrlässigen Tötung für schuldig gesprochen. Er hatte im September vorigen Jahres einen Unfall auf der A 14 verursacht, bei dem ein junges Paar getötet wurde. Nach Ansicht des Gerichts war der Unfall vermeidbar. Es verhängte eine Bewährungsstrafe für den Angeklagten.

Das Krad nach dem Unfall, der für das junge Paar tödlich endete.
 

Quelle: Frank Schmidt

Grimma.  Bruchteile von Sekunden entscheiden an diesem Spätsommerabend über das Leben von zwei 18-Jährigen, einem jungen Mädchen aus Trebsen und ihrem Freund aus Grimma. Es ist der 1. September 2014. Anna H. und Robert N. sind mit einem Roller auf der A 14 bei Naunhof unterwegs. Den gleichen Weg hat ein VW-Touran-Fahrer aus Markkleeberg. Kurz vor der Abfahrt Naunhof kommt es zum tödlichen Crash. Der Pkw-Fahrer fährt auf das Krad auf. Mit verheerenden Folgen: Die 18-jährige Fahrerin des Rollers wird fast 130 Meter durch die Luft geschleudert. Drei weitere Fahrzeuge haben keine Möglichkeit mehr auszuweichen und überrollen das Mädchen. Der Junge, der hinten sitzt, schlägt mit dem Kopf auf die Dachkante des VW auf. Er ist sofort tot. Seine Freundin erliegt noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen.

Das tragische Geschehen wurde am Mittwoch juristisch aufgearbeitet. Der Unfallfahrer musste sich vorm Amtsgericht Grimma verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: fahrlässige Tötung.

Die Hinterbliebenen versuchen im Gerichtssaal ihre Fassung zu wahren. Die Eltern der Schülerin treten als Nebenkläger auf. Obwohl ihnen die psychische Anspannung anzumerken ist, verfolgen sie über drei Stunden tapfer die Verhandlung, geben sich gegenseitig Halt. Tränen fließen. Der Blick der Mutter geht immer wieder zu dem Angeklagten, dem sie erstmals seit dem tragischen Tod ihrer Tochter gegenübersitzt und dem sie in die Augen sehen möchte.

„Der Roller ist wie aus dem Nichts vor mir aufgetaucht. Ich habe noch versucht auszuweichen, aber da war es schon zu spät“, erklärt der 30-Jährige während der Verhandlung. Zuvor habe er einen Lkw überholt und sei dann wieder eingeschert. Mit 130 Stundenkilometern sei er in etwa unterwegs gewesen, „so schnell wie man eben auf einer Autobahn fährt“.

Die Details des Unfallhergangs sind für die Zuhörer schwer auszuhalten. Die 18-Jährige wurde durch den Aufprall fast 130 Meter durch die Luft geschleudert. Anschließend konnten drei Pkw nicht mehr ausweichen und überrollten das Mädchen. Rettungskräften und Polizei bot sich an diesem Abend ein Trümmerfeld. Teile des Krades waren über die gesamte Fahrbahn verstreut. Die Unfallstelle zog sich über einen halben Kilometer hin.

Im gestrigen Prozess ging es um viele Fakten: Lichtverhältnisse an dem Unfallabend, Überholwege, Wurfberechnungen, Bremswege. Die Ermittler ließen nichts unversucht, die Umstände des Horrorcrashs zu erhellen und den Unfall umfangreich zu rekonstruieren. Auf dem ehemaligen Flugplatz Waldpolenz wurden dazu mit einem Krad gleicher Bauart Lichttests durchgeführt. Ergebnis laut Gutachter: Selbst unbeleuchtet ist ein Krad durch das auffällig reflektierende Kennzeichen ab spätestens 80 Meter Entfernung erkennbar. „Wenn der Angeklagte sofort gebremst hätte, wäre es nicht zu dem Aufprall gekommen“, gibt der Kfz-Sachverständige zu Protokoll. Der Unfall sei vermeidbar gewesen, dazu hätte es nicht mal einer Vollbremsung bedurft. Obwohl es für den Aufprall direkt keine Zeugen gibt, folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft und sprach den Unfallfahrer der fahrlässigen Tötung für schuldig. „Wegen Unaufmerksamkeit oder zu geringem Sicherheitsabstand ist es zur Kollision mit dem Krad gekommen. Die Geschwindigkeit des VW Touran war dabei nicht übermäßig hoch, der Angeklagte hat aber einfach nicht seine Geschwindigkeit verringert“, stellte Richterin Otto in ihrem Urteil fest. Auf das Auftauchen des Rollers hätte der 30-Jährige sehr wohl reagieren können. „Er hätte einfach abbremsen müssen.“ Der vermeintliche Aussetzer des Berufskraftfahrers wiege doppelt schwer. Dadurch seien gleich zwei Menschen getötet worden. Das Gericht verurteilte den 30-Jährigen zu neun Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Die Richterin blieb damit nur geringfügig unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die zwölf Monate gefordert hatte. 600 Euro Geldstrafe wurden außerdem verhängt.

Die Verteidigung hatte noch den Versuch unternommen, auf das eventuell nicht funktionierende Rücklicht des Krades abzuheben. Zudem seien Roller auf der Autobahn auch nicht unbedingt die Regel, so die Anwältin des Angeklagten. Richterin Otto ließ all dies nicht gelten: „Man kann nur so schnell fahren, dass man sein Fahrzeug jederzeit unter Kontrolle hat und auf plötzlich auftretende Hindernisse auch reagieren kann.“

Erst im Gerichtssaal fand der Unfallverursacher am Mittwoch Zeit, sich für das schreckliche Geschehen bei den Hinterbliebenen zu entschuldigen. „Es tut mit leid, es tut mir wirklich aufrichtig leid, was passiert ist“, erklärte er kurz vor der Urteilsverkündung mit tränenerstickter Stimme. Eltern-Anwalt Denis van Ngoc sagte: „Den Eltern geht es nicht um die Bestrafung. Sie haben auf Antworten gehofft. Sinn und Zweck der Nebenklage war, Aufklärung zu schaffen, wie es zu dem Unfall gekommen ist. Die beiden Jugendlichen waren ein junges Pärchen, das sein ganzes Leben noch vor sich hatte. Ihren Tod macht nichts wieder gut.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Simone Prenzel

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