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Avantar reist mit Ute Hartwig-Schulz nach Dresden in den Landtag

Künstlergut Prösitz feiert 25. Geburtstag Avantar reist mit Ute Hartwig-Schulz nach Dresden in den Landtag

Das Künstlergut Prösitz fördert seit einem Vierteljahrhundert bildende Künstlerinnen in besonderer Weise. In jedem Jahr werden acht Stipendien an Mütter mit Kindern vergeben. 150 Künstlerinnen waren bereits in Prösitz zu Gast. 25 Künstlerinnen präsentieren ihre Werke ab 28. Februar im Landtag.

Zur Ausstellung erscheint das Buch „Ein Vierteljahrhundert“, 25 Jahre Geschichte eines sächsischen Künstlerhauses im Sax-Verlag. Ute Hartwig-Schulz hält ein Exemplar von 500 in ihren Händen.

Quelle: Thomas Kube

Grimma/Prösitz.. Ein Vierteljahrhundert ist es her, als das Künstlergut Prösitz gegründet wurde. Welche Leistungen in dieser Zeit auf dem Dreiseitenhof vollbracht wurden, dass wird am 28. Februar in einer Ausstellung im Bürgerfoyer des Sächsischen Landtages dokumentiert. 25 Künstlerinnen werden etwa 100 Kunstobjekte vorstellen, die während der Symposien für Bildhauerinnen mit Kindern in Prösitz entstanden sind. Denn Symposien sind seit 1993 das Herzstück der Arbeit auf dem Künstlergut.

Ute Hartwig-Schulz und ihr damaliger Mann Stefan Schulz, beide frisch vom Studium, suchten 1988 eine künstlerische Wirkungs- und Wohnstätte. Sie fanden diese in einem alten Bauerngut. „Damals gehörte der 1860 errichtete Dreiseitenhof Charlotte Jurich. Sie verkaufte uns das Grundstück 1989“, erzählt die Künstlerin. Die 1963 in Berlin geborene Künstlerin könne sich noch genau daran erinnern, als Frau Jurich sie anrief und ihr erklärte, dass das Unkraut mannshoch in Prösitz steht. „Damals wusste ich nicht, was das bedeutet. Unkraut war nun das allerletzte, was uns als Künstler interessierte. Doch schon bald merkten wir, wie wichtig es ist, es zu beseitigen. Denn vor Unkraut konnten wir nicht die Scheunentore öffnen. So lernte ich, was mannshoch bedeutet“, erklärt Ute Hartwig-Schulz. Doch nicht nur das lernte die Berlinerin. Denn um ihrer Bildhauerei frönen zu können, musste sie sich alle ihre Bedingungen zum Kunstmachen selbst organisieren. Und das war nicht wenig, wenn man an die Zustände im Bauernhaus dachte. So gab es kein Abwassersystem, die Dächer und das Gebäude waren baufällig. Doch die Bildhauerin und ihr damaliger Mann dachten nicht an die Löcher im Dach, sie hatten Visionen. Im kleinen Ort Prösitz lebte sich das Paar schnell ein. Wenn man nach der Familie Schulz fragte, erhielt man die Antwort, dass das dort ist, wo keine Gardinen hängen. Auch an die Postfrau Anni Ehrlich erinnert sich Ute Hartwig-Schulz gern: „Ich musste oft telefonieren, und das ging nur auf der Post. Doch mit dem Postgeheimnis hielt es Frau Ehrlich nicht so genau. Wenn sie ein Telegramm brachte, lass sie es schon von weitem vor“.

Ein einschneidendes Erlebnis war, als Tochter Ruth 1992 geboren wurde. „Ich wollte meinen Beruf nicht an den Nagel hängen, sondern meine künstlerische Karriere weiter verfolgen“, erinnert sie sich. So entstand die Idee, ein Symposium für junge Künstlerinnen mit Kind zu organisieren. In jedem Jahr werden seitdem acht Stipendien vergeben. Für dieses Jahr sind es Nschotschi Haslinger, Sibylle Jazra, Christin Kaiser, Monika Mischalko, Nina Rhode und Katharina Trudzinski aus Berlin sowie Franziska Nast aus Hamburg und Elisabeth Stumpf aus Braunschweig. Sie werden für vier Wochen in Prösitz arbeiten und ihre Kinder werden eine Tagesbetreuung erfahren. Über 150 Künstlerinnen aus mehr als zehn Ländern konnten so bisher im Künstlergut arbeiten. „Die Vereinbarkeit von Familie und Kunst ist nach wie vor für Frauen schwierig, und deshalb sind auch die Symposien hier in Prösitz so gefragt. In diesem Jahr haben sich wieder 60 Bildhauerinnen dafür beworben“, erklärt sie. Deshalb habe sie sich auch sehr gefreut, dass Petra Köpping, die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, die Schirmherrschaft über die Ausstellung im Landtag übernommen hat. „Sie unterstützte uns auch bei der Herausgabe des Buches zur Ausstellung ,Ein Vierteljahrhundert’. Es entstand in Kooperation mit der Kunsthistorikerin Christine Dorothea Hölzig“, so die Leiterin des Künstlergutes Prösitz. „Seit 20 Jahren begleitet sie die Arbeit des Künstlerhauses und ist auch die Kuratorin der Ausstellung“, bringt sie ihre Dankbarkeit zum Ausdruck.

Das Künstlerhaus hat sich in den 25 Jahren des Bestehens auf vielen Gebieten profiliert. Dazu gehören Projekte, in denen Kunst in den öffentlichen Raum gebracht wurde, wie erst kürzlich der Leuchtturm von Mutzschen, eine Glas– Metall-Installation von Matheusz Grobelny auf dem Marktplatz. Das Künstlergut bietet auch Kurse für professionelle Künstler, aber auch für Laien an. Selbst ein interkultureller Keramik-Kurs für Asylbewerber wird in Grimma durchgeführt. Gleichzeitig ist das Künstlergut ein Via Regia-Begegnungsort im letzten Vierteljahrhundert geworden.

Ein Einblick in die Arbeit und die Geschichte des Künstlerhauses wird nun die Ausstellung im Landtag geben, die der Präsident des Sächsischen Landtages Matthias Rößler am 28. Februar ab 18 Uhr eröffnen wird. Die über 100 Arbeiten werden so vielseitig und bunt sein, wie das Wirken im Künstlerhaus in Prösitz. Gezeigt werden Klangkunst, Skulpturen, Fotografien und Grafiken. Schon von weiten wird ein temporäres Fensterbild auf die neue Ausstellung im Bürgerfoyer aufmerksam machen: 100 bunte Pixel, konfettiregengleich zum 25. Jubiläum eines Hauses mit Visionen für Künstlerinnen mit Kind.

Von Cornelia Braun

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