Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Bachs Matthäuspassion erstmals in Grimmaer Frauenkriche
Region Grimma Bachs Matthäuspassion erstmals in Grimmaer Frauenkriche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:18 19.05.2015

Sonnabend, 12. April 2014: Kantor Tobias Nicolaus widmet sich dem dreistündigen Opus erstmals in der Grimmaer Frauenkirche. Auf die Frage, warum er nicht die um die Hälfte kürzere Johannespassion wählte, meinte er: "Irgendwann muss man ja mal damit anfangen!"

Leider hatten nicht alle der anfangs etwa 300 Zuhörer die nötige Ausdauer im Gepäck. Doch wer die Aufführung zur Pause verließ, brachte sich um einen Kunstgenuss erster Güte. Für die Löwenpartie des Evangelisten war Tenor Martin Krumbiegel - Ex-Thomaner, Musikwissenschaftler, Hochschulprofessor, Leiter des Leipziger Oratorienchores und der Capella fidicinia - verpflichtet worden. Sein Markenzeichen: Er singt seine Rezitative nicht nur. Er lebt sie so aus, dass das Passionsgeschehen dank grandioser Textverständlichkeit und Gestaltung gleichsam als Kopfkino abläuft. Natürlich war dem auch in Grimma so.

Für den ebenfalls an der Leipziger Hochschule lehrenden Dirk Schmidt und seinen ausdrucksstarken, weichen Bass erscheint die Partie des Jesus nicht weniger maßgeschneidert. So ist es sein Markenzeichen, den Sohn Gottes immer wieder als ungemein Sanftmütigen und in sich Ruhenden zu verkörpern.

Doch auch Thomas Riede mit seinem farbigen, koloraturstarken Altus sowie der angenehm timbrierte, sehr textverständliche Tenor von Patrick Grahl, der Ex-Thomaner und Mitglied des namhaften Gesangsquintetts Thios Omilos ist, beeindruckten stark. Einen schönen klaren Sopran mit gut gestalteten Partien offenbarte die ebenfalls in Leipzig ausgebildete Julia Kirchner. Und der profunde Bass Andreas Heinze, Ex-Kruzianer und Chorist der Dresdner Semperoper, überzeugte desgleichen ob nun als Petrus, Judas oder Pilatus.

"Das Neu-Eröffnete Orchestre", dessen Bezeichnung sich auf ein Traktat des Musikers Johann Mattheson von 1713 bezieht, wurde schon mehrfach von Tobias Nicolaus verpflichtet und bestand ebenso aus Experten. Das zeigten nicht nur die auf 415 Hertz gestimmten Nachbauten barocker Instrumente, sondern auch das ausdrucksstarke, versierte und bestens phrasierte Spiel auf selbigen nebst glanzvollen Soli.

Nicht minder imponierte die Leistung des etwa 110-köpfigen Chores, der sich aus Kantorei, Kurrende und dem Motettenchor Leipzig zusammensetzte. Herausragend dabei der wuchtige achtstimmige Satz "Sind Blitze, sind Donner" wie überhaupt die Wechsel von den schlagkräftigen turbae-Chören zu den verhaltenen Chorälen.

Tobias Nicolaus, der bereits seit November probte, führte souverän durch das Werk. Doch ob der emotionsgeladene Schlusschor "Wir setzen uns mit Tränen nieder" wegen seines Sarabanden-Charakters wirklich als zügiger Tanzsatz aufgefasst werden muss, ist eine Geschmacksfrage. Betroffenheit stellte sich dennoch ein nach dem Schlussakkord, Applaus war üblicherweise unerwünscht und das eben Gehörte ließ sich in einem nur dreisilbigen Zuhörerurteil bündeln: "Wunderschön!"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.04.2014
Schmidinger, Katrin

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kämpfen wird Belgershain weiter um eine Herauslösung aus der Verwaltungsgemeinschaft Naunhof und für eine Eingemeindung nach Großpösna. Gegen den ablehnenden Bescheid des Landratsamtes hat die Kommune kurz vor Ablauf der Frist Widerspruch bei der Kreisbehörde eingelegt.

19.05.2015

Mit der Stadtratswahl am 25. Mai reduziert sich nicht nur die Anzahl der Colditzer Kommunalpolitiker. Laut Fusionsvereinbarung ist vorgesehen, auch die Ortschaftsräte abzuschaffen.

19.05.2015

Rund 40 Händler und Kunsthandwerker geben sich heute sowie am morgigen Sonntag auf dem Veilchenmarkt in Naunhof ein Stelldichein. Angesichts des warmen Frühlings, so Anja Gaitzsch von der KulturWerkStadt, werden dieses Jahr weniger die gewohnten Stiefmütterchen angeboten, sondern vielmehr Pflanzen für den Balkon und die Terrasse.

19.05.2015
Anzeige