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Grimma Bad Lausicker Silika-Brache wird Wohnort
Region Grimma Bad Lausicker Silika-Brache wird Wohnort
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11:31 30.11.2018
Zwei der vier Mehrfamilienhäuser sind im Rohbau fertig. Quelle: Jens Paul Taubert
Bad Lausick

 Wo bis in die Neunzigerjahre in Bad Lausick 300 Frauen und Männer ihren Lebensunterhalt verdienten, indem sie Feuerfestes fertigten, stehen Eigenheime. Mehrfamilienhäuser sind im Bau. Das Gelände des nach dem Ende der deutschen Zweistaatlichkeit geschlossenen und abgerissenen Silikawerkes, das zwei Jahrzehnte zum größten Teil brach lag, erfährt eine neue Nutzung. Dank einer Bebauung entlang der Erich-Weinert-Straße werden Teile des Areals städtebaulich neu gefasst. Das Bad Lausicker Unternehmen RMO errichtet hier nicht nur Wohnungen, sondern zugleich seinen neuen Firmensitz.

Bad Lausicker RMO erstmals als Investor tätig

„Straßen- und Tiefbau sind unser Hauptbetätigungsfeld. Dabei wird es auch bleiben, da haben wir genug zu tun“, sagt Geschäftsführer Lutz Langhardt. Die Erschließung von Baugrundstücken gehöre dazu. Erstmals aber ging das Unternehmen mit seinen 20 Mitarbeitern einen Schritt weiter: Es tritt als Investor für Wohngebäude auf. Und sprang damit für einen Bauherrn ein. Der wollte den gesamten Randbereich zur Erich-Weinert-Straße entwickeln. Während Richtung Hudelburg inzwischen Einfamilienhäuser hochgezogen wurden, übernahm RMO den westlichen Teil des Areals. Zwei der vier Wohnhäuser mit je vier Wohnungen stehen im Rohbau. Für zwei weitere werden die Fundamente gelegt. Als „klassische Tiefbauer“, sagt Langhardt, habe man sich Fachleute aus der Region für die Gebäude ins Boot geholt.

Bauboom in Bad Lausick - an der Glastener Strasse entstehen Einfamilienhäuser. Quelle: Jens Paul Taubert

Biotop wird abgeschirmt

Nach dem Abriss der Industrieanlagen in den 1990er-Jahren versank das große Silika-Areal am Ostrand der Kurstadt in einen Dornröschenschlaf. Lediglich die der Stadt zugewandte Spitze zwischen der Ballendorfer Straße (Bundesstraße 176) und der Erich-Weinert-Straße wurde mit mehreren Einkaufsmärkten nach und nach bebaut. Die Silikastraße verbindet beide Fahrbahnen wie eine Spange. Das Kernstück des einstigen Werksgeländes indes wurde von der Natur zurückerobert. Weil das Oberflächenwasser nicht abfloss, bildete sich ein großer See. Der ist längst von Schilf umstanden, von wucherndem Grün eingefasst. Ein wertvolles Biotop, das Bestand haben soll und der Öffentlichkeit weitgehend verschlossen bleibt. Ein Wall grenzt es zur Bebauung hin ab.

Um der Natur und vor allem dem Wasser mehr Raum zu geben, brach RMO in den vergangenen Wochen rund 3000 Quadratmeter Industriebeton heraus, die im Boden geblieben waren. Damit vergrößern sich das Gewässer und damit der Stauraum. Dass der aktuell trocken ist, liege am vergangenen Sommer, sagt Langhardt: „Der Spiegel könnte gut einen Meter betragen.“ Um die Mehrfamilienhäuser vor Wasser zu schützen, habe man sie vorsorglich etwas höher gesetzt. Und man habe den Baugrund ausführlich untersucht, habe 27 Bohrungen eingebracht. „Alle Gutachten sagen, dass das Gelände unbelastet ist.“

Hohe Nachfrage nach Bauplätzen und Wohnungen in Bad Lausick

Die am Silika-Saum entstehenden Häuser sorgten für eine längst überfällige städtebauliche Ordnung, sagt der Bad Lausicker Bauamtsleiter Wolfgang Günther. Das sei erfreulich. Zwischen den Eigenheimen und den Mehrfamilienhäusern seien lediglich drei Bauplätze noch frei. „Ansonsten ist der Bebauungsplan umgesetzt.“

Als sich Bad Lausick bis über die Jahrtausendwende hinaus mit dem letztlich von der Landesdirektion nie genehmigten Großvorhaben einer Wohnsiedlung auf dem Viertelsberg mit den Behörden herumschlug, war die gesamte Silika-Brache als Ausgleichsfläche für den dann überbauten Naturraum vorgesehen. Trotz der nun erfolgten Randbebauung bleibe für die Natur eine Menge Raum, sagt Bürgermeister Michael Hultsch (parteilos). Und das sei gut so, „denn für eine Kurstadt kann es nie grün genug sein“. Natur und Wohnen miteinander in Einklang zu bringen, sei hier gelungen. Für die Stadtentwicklung sei beides wichtig, denn die Nachfrage an Bauplätzen wie Wohnungen sei hoch.

Ältere kommen aus dem Westen zurück

Lutz Langhardt bestätigt das: „Es gibt bereits zahlreiche Interessenten. Oft sind es auch Ältere, die in den Neunzigerjahren der Arbeit wegen in den Westen gingen und nun zurückkommen wollen. Heimat ist eben Heimat.“ Für das Unternehmen schließt sich mit dem Bezug des Unternehmenssitzes selbst ein Kreis. RMO, ein Mitglied der Unternehmensgruppe Richard Mayer aus Sindelfingen mit 120 Mitarbeitern in Tautenhain, stand nach der Insolvenz der Firmen-Mutter zum Verkauf, ging schließlich in der Reif Baugesellschaft auf.

Der heute 61-Jährige, einst RMO-Geschäftsführer, erwarb die Marke und wagte 2010 mit einem neuen alten Team, nur ein paar Nummern kleiner, den erneuten Start am Markt. „Wir waren RMO, das war in der Region eine Institution. Neu zu beginnen, war eine richtige Entscheidung.“

Von Ekkehard Schulreich

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