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Bananen aus dem eigenen Belgershainer Garten

Bananen aus dem eigenen Belgershainer Garten

Belgershain. Wer den Garten von Siegfried Mehlhorn betritt, könnte meinen, der Klimawandel treibe seltsame Früchtchen. Über vier Meter ist eine Bananenstaude hinter seinem Haus in die Höhe geschossen.

Zu tun hat das aber weniger mit der Erderwärmung. Der Belgershainer entwickelte vielmehr eine recht eigenartige Methode, um das Gewächs über den Winter zu kriegen. Und wenn ihn das Glück nicht verlässt, kann er dieses Jahr sogar noch ernten.

Vor sechs Jahren hatte er für 13 Euro eine Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Musa basjoo Sakalinensis bei einem Versandhändler bestellt. 30 Zentimeter war sie hoch, winterhart sollte sie sein. "Das ist aber eine Lüge", sagt Mehlhorn. "Im Stamm der Banane befindet sich Wasser. Sie würde erfrieren." Bei Temperaturen um die minus 20 Grad, wie sie in jüngster Vergangenheit mehrfach in der kalten Jahreszeit vorkamen, hätte sie im Freien keine Überlebenschance gehabt.

Als erfahrener Hobbygärtner ließ Mehlhorn Vorsicht walten. Er züchtet unter anderem Fuchsien, baut Gemüse an, und bei ihm gedeihen sieben Sorten Wein. Aus Stecklingen gewinnt er so gut wie alles, was Mutter Natur hervorbringt. All die Erfahrung brachte er ein, als es um die Banane ging.

Zunächst behielt er die Pflanze im Topf und überwinterte sie in der Wohnstube. Blätter verwelkten, es blieben kaum noch welche am Stamm. Doch die Staude wuchs weiter. Im zweiten Jahr gedieh sie im Gewächshaus neben Gurken und Blumen, schaffte eine Höhe von einem Meter. Von nun an musste sie im Keller mehrere Winter verbringen - freilich in größeren Töpfen. Da sie mit der Zeit selbst für diesen Raum zu gewaltig wurde, setzte Mehlhorn kurzerhand das Messer an. Das Herz eines jeden, der schon einmal eine Banane aufpäppelte, mag bei seinen Worten bluten: "Ich habe sie einfach gekappt, so dass sie rein passt."

Mehlhorn hat den grünen Daumen, Und so war es konsequent, dass er einen Schritt weitergehen musste. Die Pflanze sollte einen festen Platz im Garten erhalten, um eine noch größere Pracht zu entfalten. Zwei Spatenstiche tief trug er an der vorgesehenen Stelle die Erde ab und hob in der Mitte eine Kuhle aus, in die er den Topf mit der Pflanze setzte. Erst an Ort und Stelle schnitt er den Topf entzwei und entfernte ihn, so dass der Wurzelballen nicht auseinander fiel. "Jemand hielt die Pflanze, und ich schüttete zehn Schubkarren Komposterde ran. Oben drauf kam Muttererde", erklärt er.

Im Herbst begann der Tüftler einen Bunker aus 20 Zentimeter dicken Styroporplatten und Schalungsmaterial zu konstruieren. Eine Stelle ließ er offen, damit die Pflanze weiter atmen kann. Er sicherte sie lediglich mit einem Gitter, so dass Mäusen der Weg ins Innere versperrt blieb, die sich an der Banane hätten satt fressen können.

1,20 Meter war der Kasten hoch. Das hieß, Mehlhorn musste die Staude erneut radikal einkürzen. Er stülpte den Bunker über und stopfte ihn mit gehäckseltem Stroh aus. Die sibirischen Temperaturen im vergangenen Januar konnten somit dem Gewächs nichts anhaben. Als der 72-Jährige Ende April die Hülle entfernte, gab es für die Banane kein Halten mehr. 20 Zentimeter starke Stämme wuchsen gen Himmel.

Am 4. Juli staunte Mehlhorn nicht schlecht. "Ich dachte, an einem Trieb kommen gar keine richtigen Blätter", sagt er. Bald stellte er fest, dass sich der Bereich verdickte. Es formte sich eine Blüte, an der sich kleine Früchte entwickelten. Inzwischen sind sie vier Zentimeter lang geworden. Ob sie es zur vollen Reife schaffen, wird wohl davon abhängen, wie lange der Sommer noch durchhält.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.08.2013

Pfeifer, Frank

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