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Grimma Bangen um Freigabe der Bundesstraße durch Colditz
Region Grimma Bangen um Freigabe der Bundesstraße durch Colditz
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00:33 30.08.2015
Corpus delicti: die 100 Jahre alte Eisenbahnbrücke. Es gibt behördliche Befürchtungen, dass Teile auf die neue Straße fallen könnten. Quelle: Andreas Döring
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Colditz

Deshalb müsse die Sperrung verlängert werden - und zwar bis zum 30. November. Über den Tag hinweg kristallisierte sich im Zuge der LVZ-Recherchen jedoch eine Chance heraus, die Straße nach einer Begehung am 7. September doch noch öffnen zu können.

Verantwortlich für die Sanierung der wichtigen überörtlichen Verkehrsader ist das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Die Behörde befürchtet, dass Teile der Brücke auf die neue Straße herabfallen könnten (die LVZ berichtete am 15. August). Bürgermeister Schmiedel verärgert das. "Seit sechs Jahren ist die B 107 gesperrt, und man merkt das erst jetzt. Das Lasuv hätte alle Bedenklichkeiten abwägen müssen. Immerhin ist die Brücke 100 Jahre alt, und jeder sieht, dass dort nicht nur etwas Farbe fehlt", sprudelt es aus ihm heraus.

Das Lasuv hingegen sieht die Verantwortung für die Brücke nicht bei sich. Zuständig ist nach den Worten von Pressesprecherin Isabel Siebert die private Deutsche Regionaleisenbahn GmbH (DRE) in Berlin. Mit ihr hätten das Lasuv und die Verkehrsbehörde des Landkreises gestern noch einmal beraten. Der Gesellschaft liege eine Aufforderung vor, bis spätestens 3. September einen schriftlichen Beleg über die Verkehrs- und bauliche Sicherheit der Brücke zu erbringen. Für die behördliche Abnahme der Straße am 7. September würden sich daraus zwei Varianten ergeben: Sollte der Beleg eintreffen, könnte die B 107 freigegeben werden. Gibt es das Dokument zur Bausicherheit nicht und erscheint den Fachbehörden der Verkehr als gefährdet, werde vor Ort entschieden, wie weiter zu verfahren ist.

"Ich sehe keinen Handlungsbedarf", stellt Gerhard Curth, Geschäftsführer des Eisenbahnunternehmens DRE, schon mal klar, nachdem er Rücksprache mit seinen Mitarbeitern gehalten hat. Es gebe eine klare Absprache seines Brückenprüfers mit dem Lasuv, dass von der Brücke keine Gefahr ausgehe. Damit habe sich die Sache für ihn erledigt.

Schmiedel glaubt ihm den letzten Satz aufs Wort. "Die DRE saniert die Brücke niemals", mutmaßt er. "Die haben doch keinen Knopf in der Tasche." Seit 2005 liege die Strecke durch Colditz brach, er gehe davon aus, dass dort nie wieder ein Zug fährt.

Überhaupt hat es der Bürgermeister satt. "Jeder schiebt einem anderen die Sache in die Schuhe, die Leidtragenden sind die Leute vor Ort", wettert der ansonsten eher ruhige Mann. Und immer wieder entfleucht ihm der Satz: "Ich habe das Gefühl, wenn es um Colditz geht, sind in den überörtlichen Behörden nur Schildbürger am Werk." Dann folgt seine Generalabrechnung: "Zwischen Rochlitz und Colditz ist die B 107 auf 7,5 Tonnen beschränkt; der Schwerlastverkehr läuft über die Staatsstraße 44 durch Hohnbach, was dort für die Einwohner eine Zumutung ist. In Skoplau ist die S 44 seit 45 Jahren eine Sackgasse; vor zwei Jahren wurde begonnen, dort zu bauen, bis man merkte, dass wieder alles abrutscht. An Fertigstellungstermine glaube ich inzwischen nicht mehr. An der Haingasse werden Sedimente aus der Mulde gebaggert, und ein Teil davon muss weiter unten in den Fluss zurück gekippt werden. Das versteht kein Mensch."

Lasuv-Sprecherin Siebert betont hingegen, dass 5,3 Millionen Euro nach Colditz geflossen sind, um die B 107 zu sanieren. Weitere Abschnitte würden voraussichtlich ab 2017 folgen. In Skoplau sei der angestrebte Fertigstellungstermin im Oktober nach heutiger Einschätzung zu schaffen. Was die Sedimente in der Mulde angeht, macht es für das Landratsamt Sinn, dem Fluss einen Teil seines Geschiebes wiederzugeben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.08.2015
FRANK PFEIFER

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