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Grimma Bauboom: Kommunen finden schwerer Firmen für öffentliche Aufträge
Region Grimma Bauboom: Kommunen finden schwerer Firmen für öffentliche Aufträge
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00:21 20.08.2017
Der Bauboom hat seine Schattenseiten für öffentliche Auftraggeber. Quelle: dpa
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Landkreis Leipzig

Kommunen fällt es derzeit zunehmend schwerer, Bauprojekte auch in die Tat umzusetzen. Die Auftragslage besonders im Baugewerbe ist so gut, dass Firmen sich aussuchen können, wo sie anrücken. Geschäfte mit Vater Staat werden dabei mitunter gemieden. „Früher hatten wir in der Regel zehn bis zwölf Firmen pro Angebot“, erklärt Landkreis-Beigeordneter Gerald Lehne (CDU), der die Sitzungen des Vergabeausschusses leitet. „Inzwischen muss man froh sein, wenn man aus zwei, drei Offerten auswählen kann“, so der Vize-Landrat. Besonders prekär sei die Lage in der Heizungs- und Sanitärbranche. „Hier spüren wir nicht nur, dass die Preise nach oben schnellen. Mitunter finden sich gar keine Handwerker, die tätig werden wollen.“ Aktueller Fall: Arbeiten am Beruflichen Schulzentrum Grimma. Auf eine Ausschreibung meldete sich gar kein Interessent. „Wir mussten uns dann mit einer beschränkten Ausschreibung behelfen, bei der am Ende auch nur eine interessierte Firma übrig blieb.“ Lehne bestätigt, was zahlreiche öffentliche Auftraggeber derzeit in die Bredouille bringt. „Wenn Firmen die Wahl haben, arbeiten sie lieber für Privatleute.“ Inzwischen gebe es Unternehmen, die um Kommunen als Vertragspartner einen großen Bogen machen. Gründe seien komplizierte Verfahren. „Viele Handwerker stört, dass sie innerhalb kurzer Fristen handeln müssen und dann auch nicht nachverhandeln können.“ Aktuell würden auch Änderungen bei den Vergabeverfahren negative Auswirkungen haben. Mit der Umstellung auf elektronische Ausschreibungen und den Abschied von der Papierform würden größere Unternehmen bevorteilt, so Lehnes Eindruck. Der kleine Handwerksbetrieb, bei dem der Meister noch selbst mit auf der Baustelle steht, resigniert vor dem Aufwand. „Größere Firmen hingegen beschäftigen ganze Stäbe an Mitarbeitern, die auf Vergaben spezialisiert sind.“ Ergebnis sei, dass kleine und mittlere Betriebe sich immer seltener um Landkreis-Aufträge bemühen.

Borsdorf: Bangen um Zweifelderhalle

Leidvolle Erfahrungen in Sachen Vergabe hat in diesem Jahr auch die Gemeinde Borsdorf gemacht: Für die Parthe-Gemeinde kommen steigende Baupreise und nachlassendes Firmeninteresse an öffentlichen Aufträgen zur Unzeit. Das Rathaus bangt, dass die Fertigstellung der millionenschweren Zweifelderhalle trotz aktueller Auftrags-Misere gelingt. Ein Eröffnungstermin im August musste bereits verschoben werden. „Für die Fassadenarbeiten fanden wir anfangs gar keine Firma“, berichtet der Borsdorfer Bauamtsleiter Marcus Planert. Auch bei der Anschaffung neuer Sportgeräte schaute Borsdorf im ersten Anlauf in die Röhre. Kein Anbieter wollte liefern. „Für den Trennvorhang in der Halle ging auch nur ein Angebot ein, das nicht besonders günstig war.“ Selbst wenn ein Zuschlag erteilt werden kann, gehe das Zittern weiter, schildert Marcus Planert. Dass die Firmen auch pünktlich auf der Baustelle erscheinen, sei ein weiterer Glücksumstand – „schließlich haben sie nicht nur diesen einen Auftrag“.

Thallwitz: Leidvolle Erfahrungen mit Strafzinsen

Steigende Baupreise sind ein Phänomen, mit dem sich auch die Gemeinde Thallwitz herumschlägt. „In den Vorjahren haben wir immer versucht, Firmen im Winterhalbjahr zu binden. Dann sind die Preise niedriger“, schildert der Thallwitzer Bürgermeister Thomas Pöge (parteilos). Ohne bestätigten Haushalt am Jahresanfang sei das – wie in diesem Jahr der Fall – aber unmöglich. Eine weitere Crux komme hinzu, wenn Fördermittel im Spiel seien. „Den Zuschuss bekommt man erst kurz vor Ultimo bewilligt, dann muss das Geld in kürzester Zeit ausgegeben und das Vorhaben dann auch noch fristgerecht abgerechnet werden.“ Zuletzt sei das bei einem Straßenbau in der Gemeinde nicht gelungen. Das Ende vom Lied: „Wir mussten fünf Prozent Strafzinsen zahlen.“

Groitzsch: Vergabe ein Glückstreffer

Sehr überschaubar sind die Bieter auch in der Stadt Groitzsch. „Mitunter gibt es für einzelne Gewerke überhaupt keinen Anbieter mehr oder die Zahl der bietenden Unternehmen ist äußerst gering“, klagt Stadtchef Maik Kunze (CDU). „Die Unternehmen können sich die Aufträge derzeit aussuchen“, so sein Eindruck. Noch ist kein Vorhaben unerledigt geblieben. „Aber es ist in Einzelfällen schon ein Glückstreffer, wenn wir Aufträge vergeben können.“ Zuletzt suchte das Rathaus händeringend eine Firma, die am Groitzscher Sportlerheim Hand anlegt. „Speziell ging es um Heizung, Lüftung und Sanitärarbeiten. Eine öffentliche Ausschreibung dazu blieb ohne jegliche Reaktion.“ Das Rathaus musste erst Firmen ansprechen, also eine beschränkte Ausschreibung realisieren. Dabei kann jeder Zeitverzug der Kommune auf die Füße fallen. „Denn die Sächsische Aufbaubank will geförderte Maßnahmen bis Ende November abgerechnet haben. Wie aber wollen sie das schaffen, wenn sie nicht mal Angebote bekommen?“

Lasuv: Weniger Bieter oder gar keine

Auch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr bestätigt, dass es aktuell schwieriger ist, Vorhaben zu verwirklichen. Auf Ausschreibungen gebe es mitunter nur wenige beziehungsweise vereinzelt gar keine Angebote, so Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert. Früher sei es nur bei Ausschreibungen kleineren Umfanges vorgekommen, dass sich kein Bieter gemeldet habe. Inzwischen sei dies aber auch bei größeren Vorhaben wie zum Beispiel der Fahrbahnerneuerung der B 97-Hirschkurve in Ottendorf-Okrilla der Fall. „Die Ausschreibung für diesen Bauauftrag blieb ergebnislos.“ Ergebnis: Das Vorhaben für rund 800 000 Euro kann nun nicht realisiert werden. In den letzten Jahren habe es bei diesem Auftragsvolumen immer großes Interesse von Firmen gegeben.

Das Lasuv veröffentliche seine Ausschreibungen unverändert auf ein und derselben Vergabeplattform. Diese Ausschreibungen werden auch durch die interessierten Unternehmen gefunden und heruntergeladen, so Siebert. „Es kommt so gut wie nie vor, dass die Unterlagen von keinem Unternehmen abgefordert werden.“ Ob sie dann ein Angebot abgeben, sei natürlich ihre Entscheidung.

Von Simone Prenzel

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