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Bauboom in Grimma – Stadt nimmt jetzt den Rappenberg ins Visier

Eigenheime Bauboom in Grimma – Stadt nimmt jetzt den Rappenberg ins Visier

Im Grimmaer Stadtrat häufen sich Beschlüsse, um potenziellen Häuslebauern den Weg fürs eigene Heim zu ebnen. Dazu sind Bebauungspläne, Außenbereichs- oder Ergänzungssatzungen aufzustellen. Es ist die Politik der kleinen Schritte, um dem Bedarf nach Bauplätzen gerecht zu werden. Die zwei großen kommunalen Eigenheimstandorte haben sich jedenfalls erschöpft.

Schmucke Häuser zieren das Grimmaer Eigenheimgebiet Beiersdorfer Straße am Stadtrand. Alle Bauplätze sind vergeben.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. Im Grimmaer Stadtrat häufen sich in letzter Zeit Beschlüsse, um potenziellen Häuslebauern den Weg fürs eigene Heim zu ebnen. Dazu sind Bebauungspläne, Außenbereichs- oder Ergänzungssatzungen aufzustellen – etwa in Nerchau, Großboten und Kaditzsch. Es ist sozusagen die Politik der vielen kleinen Schritte, um dem Bedarf nach Bauplätzen gerecht zu werden. Die zwei großen kommunalen Eigenheimstandorte in der Beiersdorfer Straße in Grimma und in Großbardau haben sich jedenfalls erschöpft.

Eine Warteliste für Leute, die bauen möchten, gebe es nicht, sagt Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos). Nach seinem Gefühl müsse die Stadt kaum jemanden wegschicken, ergänzt der bisherige Chef des Stadtentwicklungsamtes, Jochen Lischke. Es stelle sich eher die Frage nach dem Baurecht. Wie jetzt in Kaditzsch, wo ein Eigentümer seinen Bungalow zu einem Wohnhaus umbauen möchte. Obwohl dort bereits Häuser stehen, verweigerte das Bauaufsichtsamt des Kreises die Genehmigung mit der Begründung, das Grundstück befinde sich in einem Außenbereich ohne Planungsrecht. Also stellt die Stadt jetzt eine Außenbereichssatzung auf. „Wir würden uns wünschen, dass das Landratsamt nicht so formalistisch ist“, betont Rathauschef Berger, ähnliche Grenzfälle vor Augen. „Bebauungspläne kosten Zeit und Geld“, klagt er über den Aufwand.

Der Bedarf an Einfamilienhäusern ist in den letzten Jahren in Grimma gestiegen. Erteilte das Landratsamt laut Lischke von 2011 bis 2013 jährlich fünf bis zehn Baugenehmigungen, waren es 2014 bereits rund 20 und seit 2015 jedes Mal mehr als 40. Die Stadt liegt günstig, weiß Oberbürgermeister Berger. Über die A 14 sind Leipzig und Dresden schnell erreicht. „Das ist ein wesentlicher Standortfaktor für uns.“ Berger freut sich aber auch, dass viele junge Menschen in dem Ort wohnen wollen, wo sie aufgewachsen sind – und dafür sogar Nachteile der Infrastruktur in Kauf nehmen. Etwa zwei Drittel der derzeitigen Baugenehmigungen betreffen die Ortsteile der Stadt. Nicht selten findet sich noch Platz auf dem elterlichen Grundstück. Oft werden aber auch Baulücken genutzt. In Waldbardau zum Beispiel wurden laut Lischke in den vergangenen fünf Jahren etwa 20 Lücken gefüllt. Potenzial biete auch Hohnstädt.

Mitte der 1990er-Jahre war in kommunaler Hand mit der Entwicklung zwei großer Eigenheimgebiete begonnen worden. Die 130 Baugrundstücke in der Beiersdorfer Straße in Grimma sind mittlerweile alle vergeben – zum Quadratmeterpreis von 65 Euro. Von den 50 Bauplätzen der Großbardauer Teichsiedlung, die 50 Euro je Quadratmeter kosten, sind gerade mal noch sechs frei. 2015 hatte die Stadt in beiden Arealen zwölf Grundstücke verkauft, im Jahr darauf waren es sogar 22. „Als ich als Amtsleiter anfing, dachte ich, das Gebiet in Großbardau reicht die nächsten 20 Jahre“, so Lischke, der 2003 nach Grimma kam. Er hat sich getäuscht.

Als nächsten Standort für Einfamilienhäuser nimmt die Stadt den Rappenberg ins Visier. Vor sieben Jahren kaufte sie hier der Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH zehn Hektar ab, weil das Land, so Berger, „von strategischer Bedeutung ist“. In einem ersten Schritt sollen nun am Brauereiweg auf 2,3 Hektar etwa 20 Baugrundstücke entstehen. „Das ist unser nächstes großes Projekt“, sagt Lischke. Die zwei Kleingartenanlagen würden dabei ebenso wenig angetastet wie die beiden Wäldchen und der Hundeplatz. Die Stadt geht hier allerdings den selben Weg wie am Waltherturm, wo derzeit auf dem einstigen Sportplatz fünf Bauplätze entstehen. Sie will das Vorhaben einem Investor übertragen, der dann Erschließung und Vermarktung in die Hand nimmt. „Wir sind dabei, es auszuschreiben“, sagt der Oberbürgermeister. Er ist zuversichtlich, bis Ende des Jahres das Areal veräußert zu haben und rechnet mit einem Erschließungsstart im Jahr 2019. Perspektivisch sollen auch auf der angrenzenden Fläche Häuser in die Höhe wachsen. Alles in allem könnten auf dem Rappenberg einmal 80 bis 90 Eigenheime stehen, glaubt Lischke. Das Problem der Entwässerung für das Gebiet werde derzeit untersucht, so Berger.

Ohnehin führen immer wieder private Initiativen zu Bauplätzen in der Stadt und helfen so, den Bedarf zu decken. Etwa in der Seelingstädter Straße, wo ein Dutzend Häuser errichtet werden können, oder auf der Fabrikbrache neben dem Hohnstädter Herrenhaus.

Von Frank Prenzel

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