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Bedrohung für Colditzer Altstadt - Schutzmauer-Projekt liegt auf Eis

Bedrohung für Colditzer Altstadt - Schutzmauer-Projekt liegt auf Eis

Einen besseren Hochwasserschutz für Colditz fordert Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos). "In dieser Beziehung sind wir abgehängt", sagt er und drängt auf eine Mauer, mit der die Fluten der Mulde von einem Eindringen in die Altstadt abgehalten werden können.

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Der Schutz der Stadt Colditz vor Hochwasser lässt weiter auf sich warten. Das Projekt liegt auf Eis.

Quelle: Thomas Kube

Colditz. Laut Axel Bobbe, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung (LTV) in Rötha, wurde dieses Projekt aber erst einmal auf Eis gelegt.

 

 

"Überall werden Dämme und Mauern gebaut, nur an dieser Stelle nicht", kritisiert Schmiedel. Nach der Flut von 2002 habe sich die Stadt zwar gegen eine Mauer für die Altstadt und für einen alternativen Schutz mit Poldern vor und nach Colditz ausgesprochen. Doch jetzt, mit den Erfahrungen der Flut von 2013, sei ein Bollwerk gewünscht. "Wenn keine Mauer kommt, ist die Altstadt schon bei einem mittleren Hochwasser bedroht", warnt Schmiedel.

 

 

Laut Hochwasserschutzkonzept sind für den Bereich vom Muldentalstadion bis zur Haingasse bis zu zwei Meter hohe Stahlbetonmauern vorgesehen, erklärt Bobbe. Der Tiergartenbach, der auf diese Wand stoßen würde, müsste per Schöpfwerk in die Zwickauer Mulde entwässert werden. "Wir reden hier über lange Planungen und hohe Kosten", verdeutlicht der LTV-Betriebsleiter. "Außerdem ist zu bedenken, dass alle, die am Fluss wohnen, Teile ihrer

Grundstücke verkaufen müssten. Sie hätten kein Licht mehr in den Höfen, und hinter ihren Häusern würde eine Mauer stehen." Das hätten viele abgelehnt. Und auch von jenen, die an höheren Stellen wohnen, seien Stimmen laut geworden, die Mulde solle nicht eingemauert werden. Deshalb werde das Vorhaben derzeit nicht aktiv weiterverfolgt.

Hinzu käme ein ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis. "Was wir ausgeben müssten, wäre viel mehr als der Wert der Häuser, die dort stehen. Solange es in Sachsen Projekte gibt, bei denen der Nutzen über den Kosten liegt, werden diese priorisiert", sagt Bobbe. Die Unzufriedenheit Schmiedels sei für ihn zwar nachvollziehbar. "Wir können hier aber nur etwas machen, wenn er als Bürgermeister die Probleme mit löst."

 

 

Bei aller Kritik, so Bobbe, habe die LTV in den vergangenen anderthalb Jahren in Colditz viel getan. Die großen Uferabrisse in der Innenstadt seien schon 2013 für 350 000 Euro saniert worden. Im selben Jahr wären 800 000 Euro an der Haingasse und 250 000 Euro Am Furtweg investiert worden.

 

 

Der Bereich Am Ufer sei seit Mitte der 1970er-Jahre offiziell ein Überschwemmungsgebiet. "Das wurde sogar in einigen Baugenehmigungen vermerkt", erläutert Bobbe. "Deshalb durften wir dort keinen Schutz bauen, auch wenn einige Bürger wütend waren. "Sie müssen ihre Gebäude selbst schützen. Nur das Ufer wurde mit schweren Steinen befestigt."

Den Seitenarm, den sich die Mulde 2013 geschaffen hat, habe das Landratsamt als ökologisch wertvoll eingestuft. Grundlage bildete eine Verordnung des sächsischen Innenministeriums, nachdem solche neu entstandenen Strukturen belassen werden sollen, wenn keine zwingenden Gründe dagegen stehen. Den Grundeigentümern sei Geld angeboten worden, weil sie Land verloren. Manche haben es laut Bobbe angenommen; andere wollen ihr Grundstück komplett behalten, auch wenn es jetzt zum Teil aus einem Nebenarm der Mulde besteht.

 

 

Warum aber die neu entstandene Insel zwischen Fluss und neuem Seitenarm nicht weggebaggert wurde, ist für FDP-Stadtrat Manfred Heinz ein Rätsel. "Sie hat ein Steilufer, und auf ihr nisten inzwischen Vögel", erläutert Bobbe. "Das soll nicht zerstört werden." Das Eiland sei aber kein zusätzliches Hindernis im Fluss. "Beim nächsten Hochwasser ist die Mulde viel breiter, und dann wird die Insel vielleicht überflutet."

 

 

Die Sanierung der Straße Am Ufer soll im August 2016 abgeschlossen sein. Das Wasser hatte durch die hohe Fließgeschwindigkeit und Verwirbelungen Teile der Asphaltdeckschicht fort- und die Tragschicht ausgespült sowie große Mengen Schlamm hinterlassen, der die bestehende Straßenentwässerung vollständig zusetzte. "Der Straßenoberbau wird auf einer Länge von 570 Meter grundhaft erneuert und mit einer Fahrbahndecke aus Asphaltbeton versehen. Die Maßnahme beinhaltet die Erneuerung der Straßenentwässerungsanlagen und die Reparatur von Teilen der Straßenbeleuchtung", teilt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr mit. Die Stadt habe dafür jetzt einen Zuwendungsbescheid über 307 000 Euro erhalten. Die Arbeiten hatten unmittelbar nach dem Hochwasser begonnen.

An der gegenüberliegenden Seite der Mulde, im Bereich der Haingasse, hat das Hochwasser im Juni 2013 rund 40 000 Tonnen Steine im Flussbett hinterlassen. "Diese wollen wir herausräumen, damit bei der nächsten Flut das gesamte Profil des Flusses wieder zur Verfügung steht. Ansonsten wäre der Pegel dann höher", sagt Bobbe. "Wir haben lange mit dem Landratsamt verhandelt, doch es will, dass die Hälfte der Steine flussabwärts wieder in die Mulde eingebaut wird. Es handle sich um Geschiebe der Mulde, das nicht komplett entnommen werden dürfe." Das Ausbaggern werde bis zu einer Million Euro kosten. Geschehen könne das nur außerhalb der Fischschonzeiten, also von August bis November dieses Jahres.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.03.2015
Frank Pfeifer

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