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Grimma Behinderte Kinder misshandelt: Grimmaer Pädagogen zu Geldstrafen verurteilt
Region Grimma Behinderte Kinder misshandelt: Grimmaer Pädagogen zu Geldstrafen verurteilt
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17:49 05.01.2017
Die angeklagten Pädagogen mit ihren Verteidigern bei einer Verhandlung am Amtsgericht Grimma. Quelle: Frank Schmidt
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Grimma

Mit einer Geldstrafe endete am Donnerstag der Prozess gegen zwei Pädagogen der Waldschule in Grimma Süd. In dem beim Amtsgericht Grimma anhängigen Verfahren sind einer 50-jährigen Lehrerin und einer drei Jahre jüngeren Heilpädagogin vorgeworfen worden, als Mitarbeiter der Sonderschule für geistig und körperlich behinderte Kinder, diese in mehreren Fällen verbal und körperlich misshandelt zu haben. Eine erste Zeugenvernehmung im Dezember brachte dem Gericht noch keine Klarheit. Denn während eine Hauptbelastungszeugin zielführende Angaben zum Geschehen machte, stützten sich andere Zeugen auf Erkenntnisse Dritter. Deshalb sind gestern die 58-jährige Schulleiterin und deren 41-jährige Stellvertreterin in den Zeugenstand gerufen worden. Obwohl die Chefin des Hauses zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Misshandlungen krank war, wurde sie nach ihrer Genesung über die Vorfälle informiert. In einer, wie sie sagte, „Kette der Handlung“ legte sie dem Gericht ihre Kenntnisse dar. Demnach wurde sie von mehreren Mitarbeitern informiert, dass beispielsweise der Tonfall gegenüber den Kindern rau sei, die Kinder nicht so behandelt würden, wie es sein sollte und auch „gewaltsam etwas geschehen“ sei. In persönlichen Gesprächen, die, so die Schulleiterin, „sehr emotional waren“, seien diese Vorwürfe untermauert worden. Worauf sie die beschuldigten Pädagogen ebenfalls befragte, die jedoch diese Vorwürfe bestritten hätten. Das wiederum deckte sich nicht mit der Aussage der Stellvertreterin. Sie gab an, dass die Heilpädagogin den beanstandeten Klaps auf den Hinterkopf eines behinderten Jungen bereue und somit eingestand.

In seinem Plädoyer machte Staatsanwalt Tobias Weber deutlich, „dass sich die Vorwürfe der Anklageschrift vollumfänglich bestätigen“. Zudem konstatierte er, dass die Angeklagten weder Reue noch Unrechtseinsicht zeigten. In diese Kerbe schlug auch der Anwalt der Nebenklage. „Die Angeklagten haben sich schweigend verteidigt und damit nicht aktiv die Vorwürfe bestritten.“ Im Gegensatz dazu forderte die Verteidigung im Plädoyer Freispruch. Denn wegen vermeintlicher Verfahrensfehler zweifelte sie die Rechtmäßigkeit des Prozesses an, der nur auf „Vermutungen und Unterstellungen“ basiere. „Das ist kein fairer Prozess“, sagte die Verteidigung und provozierte Unmut in den Besucherreihen – Richter Götz-Karsten Weimann musste das Publikum zur Ordnung rufen.

Das Urteil: 100 Tagessätze zu je 80 Euro für die Heilpädagogin und die Hälfte des Strafmaßes für die Lehrerin, zuzüglich der Kosten für Verfahren und Nebenklage. Sowie eine richterliche Anmerkung ins Stammbuch. „Wer sich so gegenüber den Schwächsten der Gesellschaft verhält, ist nicht tragbar.“ Die Entscheidung darüber trifft die Sächsischen Bildungsagentur. Deren Sprecher Roman Schulz kündigte an, „das Urteil genau zu studieren und daraus weitere Schlussfolgerungen zu ziehen.“ Beide Pädagogen sind weiterhin im Dienst.

Von Frank Schmidt

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