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Grimma Behörden und Gegner besiegeln das Aus vom Gnadenhof Lastau
Region Grimma Behörden und Gegner besiegeln das Aus vom Gnadenhof Lastau
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20:12 24.09.2018
Riesenenttäuschung bei den Freunden vom Gnadenhof: Die Schließung ist beschlossene Sache und rührt die Mitstreiter zu Tränen. Quelle: Haig Latchinian
Colditz/Lastau

Dorothea Dembinski ringt mit den Tränen: Nach sechs Jahren schließt der Gnadenhof Lastau Ende Dezember. Dafür sprach sich die Mitgliederversammlung des Vereins „Vierpfotenhof“ schweren Herzens aus. Zuletzt hätten sich die ehrenamtlichen Tierfreunde wie Kriminelle gefühlt, schimpft die Rentnerin. Bauaufsicht, Denkmalschutz, dazu die Klage eines Nachbarn: „Ein Amt forderte, das Fachwerk in den Katzenzimmern zu verkleiden, einen Fliesensockel anzubringen und die Linoleumbahnen zu verschweißen – ein anderes Amt verlangte genau das Gegenteil.“ So oder so: Man könne die Forderungen unmöglich erfüllen.

200 Euro Entschädigung für 40-Stunden-Woche

Antonia Honisch arbeitet seit 1. August als Bundesfreiwilligendienstlerin (Bufdi) auf dem 150 Jahre alten Vierseitenhof. Sie will Tierpflegerin werden. Weil es mit der Ausbildung noch nicht klappte, überbrückt sie in Lastau die Zeit. Sie hängt sich voll rein, liebt die alten, kranken, ausgesetzten Tiere. Sie ist genauso traurig über das unabwendbare Aus wie Bufdi Katrin Ambrozik. Die couragierte Frau reist beinahe täglich aus dem Erzgebirge an, um die Tiere zu umsorgen: „200 Euro gibt’s für wöchentlich 40 Stunden. Das geht komplett für den Sprit drauf. Ich bin trotzdem immer gern da.“

Ein gemütliches Pärchen!

Gepostet von Vierpfotenhof EV am Sonntag, 23. September 2018

Cornelia Berger, Heike Kühn und eben auch Dorothea Dembinski, die Frauen vom Vorstand, bedauern, dass Mühe, Arbeit und privates Geld buchstäblich für die Katz’ waren. Sie sprechen von Behördenirrsinn, persönlichen Aversionen mancher Anwohner, aber auch von internen Querelen und eigener Blauäugigkeit: „Sicher, der arg sanierungsbedürftige Bauernhof auf 7000 Quadratmetern war von Anfang an eine Nummer zu groß für uns.“

Lastauer Heimatverein will unterstützen

Ronny Kriz, Vorsitzender des Lastauer Heimatvereines, sagt Unterstützung zu: „Wir haben den Tierfreunden angeboten, das nun zum Verkauf stehende Bauerngut auf unserer Internetseite zu bewerben.“ Es sei schade, dass die Initiative nun ein jähes Ende finde: „Es ist nicht so, dass alle im Ort gegen das Projekt waren. Zum Dorffest hatten wir den Gnadenhof eingebunden. Bei Anträgen auf Fördermittel sagten wir Hilfe zu. Der Kindergarten bringt Futter vorbei.“

Lama-Hengst Smartie, einst auf einer Weide zurück gelassen und von einem beherzten jungen Mann zu Fuß von weither nach Lastau gebracht. Die herzkranken und altersschwachen Hängebauchschweine Bonnie und Clyde (erst kürzlich stellte sich heraus, dass auch Clyde ein Frauchen ist). Ludi, Bunter Bentheimer, Star des Hofes, der drei Jahre mit der Flasche aufgezogen wurde. Ziegen, Schafe und vor allem Katzen: „Jetzt geht es darum, allen Tieren ein neues Zuhause zu organisieren – das haben wir ihnen versprochen.“ Um möglichst viele zu vermitteln, lädt der Hof am 3. Oktober von 11 bis 16 Uhr zum Abschiedsfest ein.

Kosten waren am Ende zu hoch

90 Prozent der Kosten werden über Spendengelder beglichen. Den Rest gibt es über Förderung und Zuschüsse der Stadt. Der Colditzer Bürgermeister Robert Zillmann (parteilos) war bis zuletzt um eine Lösung bemüht. Vergeblich. Ordnungsamtsleiter Silvio Gleffe bedauert das Aus seines Dienstleisters. Man sei immer gut miteinander ausgekommen: „Die Kommune ist verpflichtet, sich um herrenlose Tiere zu kümmern. Die brachten wir seit 2014 nach Lastau. Die vertraglich festgelegte Pauschale pro Einwohner und Jahr wurde von 30 Cent (2500 Euro) auf 45 Cent (3700 Euro) erhöht. Und die Stadt zahlt jährlich 1000 Euro Kastrationskosten.“ Nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Allein für Energie musste der Verein 2017 über 11 000 Euro berappen.

Wir laden recht herzlich zu unserem Hoffest ein.

Gepostet von Vierpfotenhof EV am Sonntag, 16. September 2018

„Ich kenne keinen Tierschutzverein, der finanziell sorgenfrei in die Zukunft schaut“, sagt Ricarda Höfer, Vorsitzende des Tierschutzvereins Muldental. Allein in ihrem Schkortitzer Heim flössen jährlich bis zu 100 000 Euro an Ein- und Ausgaben: „Da bräuchte man mindestens drei Festangestellte.“ Sie könne die Enttäuschung ihrer Lastauer Freunde nur zu gut verstehen.

Danken möchte Dorothea Dembinski allen Helfern: Unter anderem Tierärzten, Tierschutzbund, dem Ehepaar Angermann und Joachim Gutschale: „Mit viel Liebe hat er ein Freigehege für Katzen gezimmert. Wir dürfen es leider offiziell nicht nutzen. Es fehlt eine Baugenehmigung.“

Von Haig Latchinian

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