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Grimma Bei Schicketanz in Fremdiswalde geht es um die Wurst
Region Grimma Bei Schicketanz in Fremdiswalde geht es um die Wurst
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14:40 22.09.2016
Landwirtschaftsbetrieb mit eigener Fleischerei: Bernd (l.) und Jörg Schicketanz in der Wurstkühlzelle auf dem ehemaligen Schloss in Cannewitz. Quelle: Frank Schmidt
Grimma/Trebsen

Sie halten Vieh, schlachten vor Ort und vermarkten Wurst und Fleisch direkt. Der Landwirtschafts- und Verarbeitungsbetrieb Schicketanz in Fremdiswalde setzt auf einen geschlossenen Kreislauf seiner Produktionskette. Keine Zulieferer, keine Verarbeitung in Subunternehmen. Mit qualitativ hochwertigen Fleisch- und Wursterzeugnissen hat sich das Familienunternehmen in vierter Generation einen Namen gemacht. Nicht nur der Hofladen in Fremdiswalde, sondern auch die Geschäfte in Leipzig, Mutzschen und Leisnig haben viele Stammkunde. „Bei uns gibt es alles aus einer Hand“, sagte Bernd Schicketanz. So reift auf den eigenen Feldern das Qualitätsfutter für die Tiere. „Denn eine hohe Qualität bei den Fleisch- und Wurstwaren vom Schwein und Rind beginnt schon bei der Fütterung“, erklärt Bernd Schicketanz.

Auf insgesamt 850 Hektar wird unter anderem. Weizen, Raps, Getreide und Mais angebaut. Außerdem wird im Unternehmen auf Antibiotika und weitgehend auf Zusatzstoffe verzichtet. „Die stressfreie Aufzucht unserer Tiere liegt uns ebenso am Herzen“, unterstreicht der Geschäftsführer. So bleiben die Kälber nach der Geburt bei ihrer Mutter und bekommen gemeinsam eigene Stellflächen. Insgesamt betreut das Unternehmen etwa 100 Mutterkühe und hat 300 Mastplätze für Schweine. Die seit November 2015 existierende, eigene Schlachtung hilft, Stresssituationen für die Tiere zu vermeiden. „Diese entstehen vor allem bei lange Transportwegen“, erklärt Jörg Schicketanz. „Wir haben die Fleischerei in einem Gebäude des ehemaligen Schlosses Cannewitz errichtet“, so der Unternehmer. Das Schloss sei ein Landeskulturdenkmal und stamme aus dem 16. Jahrhundert. Auf dem Gelände würde bereits ein Reparaturstützpunkt arbeiten, und es seien unter anderem noch Ferienwohnungen, eine Küche und ein Hofladen geplant.

Landrat Henry Graichen und Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, besuchen das Unternehmen Raumstudio von Lutz und Annett Kolbert (v.r.) in Trebsen. Quelle: Frank Schmidt

Einblick in die erfolgreiche Unternehmensgeschichte gewährten die Brüder Schicketanz bei einem Betriebsbesuch des Präsidenten der Handwerkskammer zu Leipzig, Claus Gröhn. „Die Kammer ist Dienstleister für die Mitgliedsbetriebe und damit erste Anlaufstelle für alle unternehmerischen Anliegen von Existenzgründung über Unternehmensentwicklung bis zur Unternehmensnachfolge“, so der Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, Claus Gröhn. Er ermutigte die Unternehmen, mehr Hilfe und Angebote der Handwerkskammer zu Leipzig in Anspruch zu nehmen. Die Fremdiswalder Geschäftsmänner nutzten die Chance, um auf die schlechte Infrastruktur in ihrem Ort hinzuweisen. „Problematisch ist unter anderem die Fahrbahnbreite zwischen Cannewitz und Fremdiswalde, wo kaum PKW aneinander vorbeikommen, geschweige denn LKW.“ Da es sich dabei um Kreisstraße handelte, versprach Landrat Henry Graichen (CDU), der sich ebenso wie Kreishandwerksmeister Jens Henning über die Bedürfnisse der mittelständischen Wirtschaft informierte, die Verkehrssituation zu prüfen und gegebenenfalls zu verändern zu verändern.

Aber bei einer Momentaufnahme in Fremdiswalde beließen es die Vertreter aus Politik und Lobbyverband nicht. In Trebsen machten sie sich ein Bild von der Firma Kolbert Raumstudio, die 1990 in der Brückenstraße gegründet wurde. Drei Jahre später war der jetzige Unternehmensstandort in der Wurzener Straße gebaut worden. Erweiterungsbauten schlossen sich 2002 und 2015 an, so dass in dem Betrieb aktuell zwölf Menschen in Lohn und Brot stehen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Berufsausbildung. Das Unternehmerpaar Annett und Lutz Kolbert zeigte Verständnis dafür, dass Lehrer ihren Schülern mit auf den Weg geben würden, wie wertvoll sie seien und als zukünftige Fachkräfte gebraucht würden. Aber das würde sich eben nicht in der nötigen Begeisterung widerspiegeln.

Insofern bedauert Annett Kolbert sehr den Wegfall eines Schülerprojektes, das vor einigen Jahren in Trebsen als „Abenteuer Wirtschaft“ Oberschüler in die regionalen Betriebe führte, um sie an mögliche Ausbildungsberufe heranzuführen. Allerdings könne das nicht alleinige Aufgabe der Schulen sein, auch die Elternhäuser seien gefordert, sich darum zu kümmern, was ihr Sprössling in der Region für Ausbildungsperspektiven hat, fügte Gröhn an und sprach dem Unternehmerpaar Kolbert aus dem Herzen.

Der Diskussionsstoff riss nicht ab und ähnelten sich auch bei Gesprächen mit den Machern bei der EMS Elektro- und Klimatechnik in Wurzen und bei Schröter Treppen und Fensterbau in Neukirchen.

Von Cornelia Braun und Frank Schmidt

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