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Grimma Bei Unfall keine Leistung: Naunhofs Jugendwart fordert besseren Schutz für Feuerwehren
Region Grimma Bei Unfall keine Leistung: Naunhofs Jugendwart fordert besseren Schutz für Feuerwehren
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21:42 07.03.2018
Naunhofs Jugendwart Michael Wurzbach (57) fordert einen besseren Schutz für die Kameraden der Feuerwehr. Quelle: Foto:
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Naunhof

Ein Feuerwehrmann rutscht beim Einsatz auf einem Schlauch aus und bricht sich das Bein. Die Unfallversicherung springt ein? Nicht unbedingt, denn stellt sich heraus, dass der Betreffende ein bislang nicht entdecktes Knieleiden hatte, in dessen Folge sein Bein versagte, verwehrt sie möglicherweise die Hilfe. Nur ein denkbares Szenario, doch für Michael Wurzbach ein Unding. Der Jugendwart der Naunhofer Feuerwehr fordert von der Politik eine Änderung der gegenwärtigen Praxis. Die Bundestagsabgeordneten des Landkreises versicherten der LVZ, sich der Sache annehmen zu wollen.

Vom Kausalitätsprinzip spricht Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Laut Sozialgesetzbuch dürften nur dann Leistungen erbracht werden, wenn der Unfall Ursache für auftretende körperliche Beschwerden ist, nicht aber, wenn die Beschwerden anlässlich des Unfalls zum ersten Mal spürbar werden. Dabei ist Breuer durchaus bewusst, dass diese Frage nach Ursache und Wirkung mit dem alltäglichen Gerechtigkeitsempfinden der Menschen kollidiert.

So zum Beispiel mit dem von Michael Wurzbach. „Ich finde es nicht hinnehmbar, dass wir unsere Freizeit zur Verfügung stellen für Andere, aber im Unglücksfall oder gar im Sterbefall unsere Hinterbliebenen nicht ausreichend abgesichert sind“, kritisiert der 57-Jährige und fordert: „Die Gesetzliche Unfallversicherung sollte immer zahlen, wenn ein Unfall beim Dienst oder im Einsatz geschieht, und zwar bis zur vollständigen Genesung des Kameraden. Notfalls sollte sie die Hinterbliebenen versorgen.“ Das von der Versicherung vorgetragene Kausalitätsprinzip bezeichnet er als „Scheinheiligkeit“, mit dem Geld gespart werden solle.

„Fast alle von uns haben Zivilisationskrankheiten wie Rücken, Schulter, Nacken“, schildert Wurzbach. Trotzdem versehe jeder der 43 Feuerwehrmänner seinen ehrenamtlichen Dienst in der Naunhofer Wehr. Und das sei Schwerstarbeit. Geräte, die bis zu 130 Kilogramm wiegen, müssten getragen werden. „Wir weisen zwar immer wieder darauf hin, dass stets die Eigensicherung zu beachten ist. Trotzdem kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren“, so Wurzbach.

In der Naunhofer Feuerwehr habe es seit mindestens 30 Jahren keinen schweren Unfall gegeben, sondern nur Bagatellschäden, wie zum Beispiel nach dem Sturm „Friederike“, als einer seiner Kameraden durch einen zurückschwingenden Baum am Kopf getroffen wurde und ein Hämatom davontrug. Bundesweit, so Wurzbach, sei es aber in jüngster Zeit zu zahlreichen tödlichen Unfällen bei Freiwilligen Feuerwehren gekommen, weshalb das Thema ausbleibender Versicherungsleistungen in den Kreisen der Floriansjünger hochgekocht sei.

„Wie sollen wir Nachwuchs gewinnen angesichts solcher unhaltbaren Zustände?“, fragt sich der Jugendwart, der trotzdem viel für die Auffrischung der eigenen Reihen leistet. 17 Jungs, vier davon behindert, bildet er aus, vermittelt ihnen das Gefühl des Gebrauchtwerdens, der Kameradschaft und den Sinn der Arbeit für das Gemeinwohl. Würden Freiwillige Feuerwehren nur noch aus jenen bestehen, die keine Vorschädigung haben, gäbe es seiner Ansicht nach die Wehren bald nicht mehr. Die sieben Berufsfeuerwehren in Sachsen könnten die Lücke nicht füllen.

Deshalb ruft Wurzbach die Politiker auf, einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, mit dem für ehrenamtliche Helfer andere Maßstäbe angesetzt werden können. „Denkt immer daran: Auch ihr werdet von uns beschützt!“, mahnt er.

Bei der Bundestagsabgeordneten Katharina Landgraf (CDU) stößt er auf offene Ohren. „Die warmen Worte von der wichtigen ehrenamtlichen Tätigkeit sind mir längst peinlich“, sagt sie auf LVZ-Anfrage. „Dank alleine reicht nicht. Das werde ich auch so zum Ausdruck bringen, falls im Koalitionsvertrag wieder nur von den Werten gesprochen wird. Wir müssen uns kümmern, das Thema nehme ich mit in unsere Gremien in Berlin.“

Auch Lars Herrmann (AfD) will in seiner Bundestagsfraktion nachstoßen, um das Problem ins Blickfeld zu rücken. „Das ist eine Sache, für die es sich einzusetzen lohnt“, sagt er. „Wer uns ehrenamtlich rettet, sollte von der Solidargemeinschaft unterstützt werden. Für das Anliegen habe ich volles Verständnis.“

Michael Wurzbach begrüßt, dass sich Politiker für das Anliegen einsetzen wollen. „Nun müssen wir abwarten, was dabei rauskommt“, sagt er. „Ich hoffe, den Worten folgen Taten.“

Von Frank Pfeifer

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