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Grimma Beim FC Grimma regt sich Unmut: Stadt speckt Stadionneubau ab
Region Grimma Beim FC Grimma regt sich Unmut: Stadt speckt Stadionneubau ab
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21:06 12.10.2018
Der Stadionneubau auf dem Areal der früheren Husarenkaserne an der Lausicker Straße in Grimma kommt gut voran. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Einmal sitzen wie in der Champions-League. Das soll in Grimma schon ab Mitte nächsten Jahres möglich sein. Dann nämlich könnte das neue Stadion auf dem ehemaligen Kasernengelände die ersten Fans erwarten. Die 400 Schalensitze stammen aus der – man höre und staune – Münchener Allianz Arena. Sachsens Fußballpräsident Hermann Winkler, selbst Grimmaer, knüpfte die Kontakte. Der FC Grimma schickte prompt einen Laster und holte das prominente Gestühl zum Vorzugspreis ab. Als Glücksumstand erwies sich der Rückzug der „Sechziger“ aus der Münchener Arena, so dass der FC Bayern die aus Neutralitätsgründen bislang grauen Ränge nun in Vereinsfarben neu „einschalen“ ließ.

Das neue Stadion an der Lausicker Straße in Grimma nimmt bereits klare Konturen an. Die Baustelle liegt voll im Plan, der Rasen steht in sattem Grün. Allerdings musste die Stadt einige Abstriche an den Plänen machen. Das sorgt für Unmut.

Baustelle liegt im Zeitplan

Alles schön, alles schick? Für Hochbauamtsleiterin Ute Hoppe schon. Seitdem der sechsjährige Lukas Reichert von der G-Jugend des FC Grimma im April die erste Baggerschaufel Erde für das ambitionierte Fußballstadion ausgehoben hatte, sei man voll im Zeitplan. Die Bauleute zeichneten sich durch Termintreue aus, das Stadiongebäude nehme Gestalt an, auf dem Rasenplatz sprieße bereits das erste Grün. Die Beregnungsanlage funktioniere, selbst das Sickerwasser werde aufgefangen und der eingebauten Zisterne zugeleitet, so Hoppe. Im Bau befinde sich auch der benachbarte und künftig von mehreren Vereinen nutzbare große Kunstrasenplatz, der dank des Flutlichts 24 Stunden bespielbar sein werde, wie Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) mit Stolz verkündet. In Kürze beginnen zudem die Arbeiten am kleineren Kunstrasenfeld, den der FC über Stiftungsgelder finanziert.

Unmut im Verein

Nach LVZ-Recherchen regt sich Unmut im Verein. Um die Kosten von vier Millionen Euro nicht zu überschreiten, habe die Stadt das Projekt abspecken müssen. Während anfangs von einer Kapazität von 2500 bis 3000 Zuschauern die Rede war, spricht Ute Hoppe jetzt nur noch von gut 800 Besuchern. 240 Sitzplätze, 420 Stehplätze, dazu 160 gemischte Plätze direkt am Stadiongebäude. Hoppe: „Der Verein kann zu bestimmten Anlässen eine mobile Traverse stellen. Damit bekommt man noch einmal 1300 bis 1400 Leute mehr rein.“ Zwischenzeitlich, so verlautet aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen, sei aus Gründen der Sparsamkeit sogar ein reines Stehplatzstadion erwogen worden. Ein No-Go für den Verein, der sich daraufhin mit dem FC Bayern in Verbindung setzte und die 400 Schalensitze erworben hatte.

Überdachung auf dem Wall entfällt

Ersatzlos entfalle auch die Überdachung auf dem Wall zwischen Hauptplatz und Kunstrasen, informiert die Stadt. Somit seien nur die Plätze an einer der beiden Stirnseiten regensicher, räumt Amtsleiterin Hoppe auf Nachfrage ein. Das Stadiongebäude, so war zu entlocken, werde zehn Meter kürzer als ursprünglich vorgesehen. Der Ausbau der ersten Etage soll zunächst nur zu zwei Dritteln erfolgen. OBM Berger: „Es kann nachgerüstet werden. Wir haben am Standort ohnehin noch viel vor. Perspektivisch soll dort noch eine Sport-Stadthalle entstehen.“ Wie bereits berichtet, wird der fällige Umbau des Stadions der Freundschaft teurer als geplant. Seit der Kostenermittlung vom Juni 2015 sind die Baupreise gestiegen. Somit muss die Kommune statt mit ursprünglich 486000 nun mit 606000 Euro rechnen.

Alte Anlage zweimal überflutet

Zweimal wurde das Stadion der Freundschaft komplett überflutet: 2002 und 2013. Die Anlage ist extrem gefährdet, da der Rasenplatz im Stadion etwa eineinhalb Meter tiefer als der Marktplatz liegt. Zudem wurden nur noch dieses eine Mal Mittel aus dem Fluthilfefonds des Bundes zugesagt. Unter diesen Umständen sei die Schadensbeseitigung an gleicher Stelle nicht zu vertreten, hieß es. 2014 stimmte der Stadtrat daher der Verlegung der Fußballplätze an die hochwassersichere Lausicker Straße zu. 3,3 Millionen Euro stehen der Stadt dafür zur Verfügung. Gleichzeitig, und das ist die Bedingung, muss sie das Stadion der Freundschaft baulich so zurechtstutzen, dass dort künftig nur noch Schulsport und Leichtathletik möglich sind. Die dafür nötige gute halbe Million bezahlt die Stadt aus der eigenen Tasche. Die Mittel kommen aus dem Verkauf der Fläche für den Rewe-Markt. Was das neue Stadion anlangt, halte er Wort, so OBM Berger: „Kein Euro zusätzlich aus dem Haushalt. Dabei bleibt es.“

Von Haig Latchinian

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