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Grimma Belgershain beschließt Eröffnungsbilanz
Region Grimma Belgershain beschließt Eröffnungsbilanz
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17:47 20.03.2017
Das Rathaus in Belgershain macht einen guten Eindruck – in den Büchern ist der Wert des Gebäudes gering. Quelle: Thomas Kube
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Belgershain

Das Vermögen von Belgershain beträgt fast 20 Millionen Euro. Erstmals wurde diese Summe ermittelt, denn die Gemeinde musste wie alle anderen Kommunen Sachsens eine Eröffnungsbilanz zur Einführung der doppelten Buchführung in Konten, kurz Doppik, erstellen. Im Zahlenwerk weist die Bewertung von Gebäuden – zumindest auf den ersten Blick – Kurioses aus.

Im Ortsteil Köhra steht eine Aussegnungshalle auf dem Friedhof. Sie wird noch genutzt, ihr Zustand ist aber alles andere als ansprechend. „Ich würde ihn als marode bezeichnen“, sagte Bürgermeister Thomas Hagenow (parteilos) zur jüngsten Gemeinderatssitzung. Dennoch wird das Gebäude in der Eröffnungsbilanz, als deren Stichtag laut Gesetz der 1. Januar 2013 gilt, mit einem Wert von 10 679 Euro angegeben.

Für sich allein gesehen, mag dieser Preis nicht ungewöhnlich wirken. Das Belgershainer Rathaus allerdings, ein stattliches historisches Gebäude unter anderem mit Verwaltungsräumen, Heimatstube und Sitzungssaal, das gut mit dem Schloss in der Nachbarschaft harmoniert, ist nur 5083 Euro wert, also die knappe Hälfte. Da beißt sich was, vermuteten mehrere Gemeinderäte.

„Das funktioniert doch nicht, ein bisschen Ahnung haben wir doch auch“, sagte Gunda Böhme (Freie Wählervereinigung). Und Roswitha Brunzlaff (Linke) bemerkte: „Für mich ist die Trauerhalle schon abgeschrieben.“

Doch auf die Optik und persönliche Einschätzungen kommt es nicht an, wie die Naunhofer Kämmerin Kathrin Stehr erläuterte, die im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft für die Eröffnungsbilanz zuständig war. „Es existieren klare Richtlinien, wie bebaute Grundstücke zu bewerten sind“, sagte sie. Grundsätzlich müssten die Anschaffungs- und Herstellungskosten der Gebäude herangezogen werden – vermindert um die Abschreibung der bisherigen Zeit der Nutzung. Das sei allerdings in Belgershain nur bei der Hälfte der kommunalen Immobilien möglich; für die anderen, wie zum Beispiel das Rathaus, gebe es keine entsprechenden Unterlagen mehr.

In solchen Fällen müsse eine Ersatzbewertung erfolgen. Auch für diese, so Stehr, gelte es festgeschriebene Richtlinien zu beachten. Unter anderem komme es auf die Restnutzungszeit an. „Diese beträgt beim um 1800 errichteten Rathaus nur noch acht Jahre, wobei das natürlich nur ein rechnerischer Wert ist und das Rathaus noch länger als solches genutzt werden soll. Die Köhraer Trauerhalle hingegen hat noch eine Restnutzungszeit von 37 Jahren.“ Sie, Stehr, müsse sich da an fixierte Regeln halten und könne keine eigenen Maßstäbe erfinden. Spielraum habe sie nur bei einigen Gebäuden, die sie ersatzbewertete. „Bei ihnen haben wir uns für längere Nutzungszeiten entschieden, um auf diese Weise die Abschreibung zu strecken“, sagte sie. Geringere Abschreibungssummen entlasten den Gemeindehaushalt.

So richtig einsichtig war das dennoch nicht allen Abgeordneten. „Die Belgershainer Sporthalle, die vor 45 Jahren erbaut wurde und die wir durch eine neue ersetzen möchten, ist in der Bilanz noch mit 37869 Euro drin – für mich viel zu hoch“, warf Brunzlaff ein. Und Lutz Jünger von der Freien Wählervereinigung meinte: „Was wir wegreißen wollen, wird noch relativ hoch bewertet. Was wir behalten wollen, dagegen niedrig. Das ist für mich unverständlich.“

Am Ende votierte kein Gemeinderat gegen die Eröffnungsbilanz, so dass sie beschlossene Sache ist. Vier Abgeordnete enthielten sich jedoch der Stimme.

Von Frank Pfeifer

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