Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Belgershain lehnt Wasserwehr ab – Furcht vor zusätzlichen Kosten
Region Grimma Belgershain lehnt Wasserwehr ab – Furcht vor zusätzlichen Kosten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:29 04.03.2018
Allenfalls als kleines Rinnsal schlängelt sich die Threne durch die Felder bei Threna und Belgershain. Eine Hochwassergefährdung ist eher unwahrscheinlich. Foto: Thomas Kube Quelle: Thomas Kube
Anzeige
Belgershain/Naunhof/Parthenstein

Seine Wasserwehrsatzung will Naunhof überarbeiten, weil sie sich nicht bewährt hat. Während der neue Gesetzestext in den städtischen Ortsteilen weitgehend akzeptiert wird, stellt sich Belgershain komplett quer. Die Gemeinde, die mit Naunhof in einer Verwaltungsgemeinschaft lebt, lehnt es ab, in den Geltungsbereich aufgenommen zu werden.

Hochwassergefahren könnten von Gräben und Teichen in Belgershain, Köhra, Threna und Rohrbach ausgehen, heißt es in einer im Naunhofer Rathaus verfassten Begründung zur Integration des Dorfes in die Wasserwehr. „Dies gilt insbesondere für Dauerniederschläge, welche zu einer Überlastung der örtlichen Oberflächenentwässerung führen können.“

Gösel und Threne haben Freiraum

Für Bürgermeister Thomas Hagenow (parteilos), der seinen Gemeinderat hinter sich weiß, nicht nachvollziehbar. „Unsere zwei Bäche, die Gösel in Rohrbach und die Threne in Threna, haben so viel Freiraum, dass eine akute Gefährdung bewohnter Grundstücke nicht gegeben ist“, sagt er. „Die letzten Großereignisse haben gezeigt, es kam zu keinen Schäden an Gebäuden.“ Alle anderen Grabensysteme für den Abfluss von Oberflächenwasser würden kontinuierlich gemäht und gepflegt. „Das Einzige, woran es in gewisser Weise fehlt, ist die Profilierung der Gräben“, so Hagenow. „Doch dafür fehlt uns das Geld.“

Erfahrener Feuerwehrmann soll es richten

Wie auch immer: Für seine Gemeinde sieht der Bürgermeister nicht die Notwendigkeit, eine Wasserwehr in der von Naunhof vorgeschlagenen Art aufzustellen. „Wir müssen doch nicht die Sicherung an den Überschwemmungsgebieten von Naunhof mit finanzieren“, meint Hagenow. „Denn am Ende kommt eine Umlage, die wir bezahlen sollen.“

Angebrachter erscheint es ihm, einen älteren, erfahrenen, aber nicht mehr aktiven Feuerwehrmann zu suchen, der die Aufgabe der Wasserwehr in Belgershain als Führungskraft übernimmt. „Im Alarmfall entscheiden wir dann, wer noch hinzugezogen wird. Als Bürgermeister bin ich sowieso im Einsatz.“

Die Wasserwehr

Der neu zu bildenden Einsatztruppe obliegt es laut Satzungsentwurf, Gefahren durch Hochwasser und Eisgang abzuwehren. Bestehen soll sie nicht nur aus ständigen Mitgliedern. Der Bürgermeister kann auch Mitarbeiter des Bauhofs, der Stadt- und Gemeindeverwaltungen und, falls die eigenen Kräfte nicht ausreichen, Einwohner, Grundstücksbesitzer sowie Gewerbetreibende heranziehen. Der Wasserwehr kommen für jede der vier Alarmstufen spezielle Aufgaben zu, sie reichen von der Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Informations- und Meldewege bis zur aktiven Bekämpfung von Lebensgefahren. Die Hilfeleistung darf nur verweigern, wer jünger als 16 Jahre ist beziehungsweise eine unzumutbare gesundheitliche Schädigung befürchten oder übergeordnete Pflichten verletzen müsste. Die Organisationen von Feuer- und Wasserwehr werden strikt getrennt, beide sollen aber zusammenarbeiten.

Parthe in Naunhof eine Gefahr

Anders die Lage in Naunhof, das die Parthe durchfließt, die bei Starkniederschlägen über die Ufer trat, was zu großen Gebäudeschäden führte. 2008 wurde deshalb eine Wasserwehrsatzung beschlossen. Die Erfahrung zeigte jedoch, dass sie der Praxis nicht standhielt. Beim Hochwasser von 2013 fehlte es an Personal, denn die verfügbaren Feuerwehrkräfte halfen an der Mulde. Rathaus- und Bauhofmitarbeiter mussten die Lage in den Griff kriegen, im Umgang mit der Ausrüstung geschult war niemand. Inzwischen ist die Ausstattung der Wasserwehr komplett. Doch die Feuerwehr, so sieht es die neue Satzungsfassung vor, soll nicht mehr wie bisher die Aufgaben der Wasserwehr mit übernehmen. Es muss also ein anderer Personenkreis gefunden werden.

Fuchshain fordert 15 Einsatzkräfte

Die Ortschaftsräte der Stadt haben den neuen Regelungen zugestimmt mit einigen Anregungen. So forderte beispielsweise Fuchshain eine Mindeststärke der Wasserwehr von 15 Kräften. Ammelshain bittet eine spezielle Notrufnummer für Hochwasserfälle einzurichten.

In Parthenstein, das ebenfalls zur Verwaltungsgemeinschaft gehört, soll sich heute Abend der Gemeinderat mit der Satzung befassen. Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos) will sich zunächst anhören, was Ordnungsamtsleiter Daniel Brcack dazu zu sagen hat. „Erst in einer unserer nächsten Sitzungen werden wir uns positionieren“, kündigt er an. Letztlich wird auch der Naunhofer Stadtrat über die Satzung entscheiden müssen.

Von Frank Pfeifer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Über die Verteilung von Zuschüssen an Museen, Orchester, Bibliotheken und soziokulturelle Einrichtungen wurde kürzlich im Kulturraum Leipziger Raum beraten. Der Löwenanteil geht an die beiden Orchester in Böhlen und Bad Lausick.

04.03.2018

Vor zehn Jahren wurden in Sachsen die Kreise neu geordnet und neue Hoheitszeichen verabschiedet. Und so manch einer fragt sich seit der Gebietsreform von 2008: Was führen die Landkreise eigentlich im Schilde? Wir haben nachgeschaut, welche Symbole die kreiseigenen Wappen vereinen.

01.03.2018

Ausgerechnet in der größten Kälte ließ Mitgas im Haus Lausicker Straße 12 das Gas abstellen. Die Aktion kam für die arglosen, treu zahlenden Mieter völlig überraschend. Einen Tag und eine ganze Nacht mussten sie in ihren Wohnungen frieren. Mitgas spricht auf LVZ-Nachfrage von einem Missverständnis bei den Überweisungen.

03.03.2018
Anzeige