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Grimma Belgershain verabschiedet sich von seinen Reinigungsfrauen
Region Grimma Belgershain verabschiedet sich von seinen Reinigungsfrauen
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17:09 26.04.2017
Fürs Schrubben fühlt sich die Gemeinde Belgershain nicht länger zuständig. Es sollen in den Kitas die freien Träger und in der Schule ein externer Dienstleister übernehmen – mit dem bisherigen kommunalen Personal. Quelle: dpa
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Belgershain

Von ihren Reinigungskräften will sich die Gemeinde Belgershain trennen. In den Kindertagesstätten und im Hort sollen die dort tätigen freien Träger ab dem 1. Januar selbst die Säuberung übernehmen. Für das Erdgeschoss des Schlosses und die Grundschule werden die Arbeiten öffentlich ausgeschrieben.

In den vergangenen zwei Jahren bereitete es zunehmend Probleme, im Urlaubs- oder Krankheitsfall die Leistungen mit dem eigenen achtköpfigen Personal abzudecken. Fehlten Mitarbeiterinnen langfristig, mussten sogar Firmen angeheuert werden, was allein im vergangenen Jahr Mehrkosten von rund 3000 Euro verursachte. „Wir konnten zwar eine Frau fest einstellen, die als Springer zwischen den Einrichtungen unterwegs ist“, schildert Bürgermeister Thomas Hagenow (parteilos). „Alle Bemühungen, anderes Personal zu finden, sind aber massiv gescheitert.“

Da die Gebäudereinigung keine hoheitliche Aufgabe einer Kommune ist und damit nicht zum Kerngeschäft zählt, entschloss sich Belgershain, diesen Bereich abzugeben. „Im Vorfeld haben wir mit den beiden freien Trägern abgeklärt, dass sie unser Personal übernehmen“, sagt der Bürgermeister. „Zurzeit führen wir weitere Gespräche, um Details zu erörtern.“

Vor Hagenows Amtszeit habe die Kommune schon einmal die Reinigungsleistungen ausgegliedert, erinnert Gunda Böhme von der Freien Wählervereinigung (FW). „Damals wurden schlechte Erfahrungen gemacht, und wir sind zum alten System zurückgegangen“, sagt die Gemeinderätin, die fordert: „Wir müssen an die Menschen denken, das ist das A und O!“ Auch Lars-Martin Knabe (FW) will gesichert wissen, dass die Reinigungskräfte „künftig nicht mit einem geringeren Lohn abgespeist“ werden. Und Hans-Henning Geißler (Linke) gibt zu bedenken: „Manche von ihnen haben keinen Führerschein. Den können sie mit 55 nicht noch nachmachen.“

Hagenow geht davon aus, dass die Frauen weiterhin ihren Mindestlohn erhalten. „Die Gemeinde bemüht sich, dass sie mindestens ein Jahr lang zu den gleichen Konditionen wie bisher beschäftigt werden“, erklärt er. „Auch danach sollte es nach meinem Dafürhalten zu keinen großen Veränderungen kommen. Wenn ich als Firma vernünftiges Personal habe, das gut arbeitet, werde ich doch keine Umstrukturierungen vornehmen!“

Wichtig ist dem Bürgermeister, jetzt keinen Schnellschuss zu fabrizieren. Es brauche noch einige Gespräche mit den freien Trägern. Zum einen mit der Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental, die in Belgershain die Kindertagesstätten „Schloßgeister“ und „Schwalbennest“ sowie in Köhra die Kita „Märchenland“ betreibt. Zum anderen mit dem Diakonischen Werk im Kirchenbezirk Leipziger Land für die Kita „Vier Jahreszeiten“ im Ortsteil Threna.

Auch was die Reinigung der Grundschule und der Räume für die Schulspeisung im Schloss betrifft, zielt Belgershain auf einen geordneten Übergang. In der öffentlichen Ausschreibung wird der gesetzliche Passus verankert, wonach die Arbeitsverträge mindestens ein Jahr lang nicht verschlechtert werden dürfen.

Von Frank Pfeifer

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