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Belgershainer Bürgermeister: "Wir müssten Schulden Naunhofs mittragen"

Belgershainer Bürgermeister: "Wir müssten Schulden Naunhofs mittragen"

Mit seiner Kommune möchte er gern die Verwaltungsgemeinschaft Naunhof verlassen. Das Ziel, die Eingemeindung nach Großpösna zum Jahreswechsel zu erreichen, verfehlte Bürgermeister Thomas Hagenow (parteilos) jedoch.

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Im Interview: Belgershainer Bürgermeister Thomas Hagenow.

Quelle: Andreas Röse

Belgershain. Darüber sowie über vieles, was für ihn ansonsten in den vergangenen zwölf Monaten wichtig war und was als Vorhaben bleibt, sprach die LVZ mit ihm.

Frage: Welche Spuren hat für Sie das Jahr 2013 hinterlassen?

Thomas Hagenow: Wir haben es wieder verstanden, die meisten der gesetzten Ziele umzusetzen. An erster Stelle ist hier der Umbau der ersten Etage des Belgershainer Schlosses zum Hort zu nennen - ein Kraftakt. Die Leipziger Straße in Köhra ist fertiggestellt mit Gehweg und Neuprofilierung des Grabens zur besseren Ableitung des Oberflächenwassers. In Threna haben wir den Radweg vom Neubaugebiet zur Oberholzer Straße angelegt.

Sie sprachen davon, dass die meisten Ziele umgesetzt wurden. Was blieb auf der Strecke?

In Köhra wollten wir den ersten Abschnitt des Hochwasserschutzkonzepts umsetzen. Dabei geht es um die Profilierung eines neuen Grabens vom Hartplatz in der Nähe der Kindertagesstätte bis zum Ende der Fuchshainer Straße, wo er in den bestehenden Graben eingebunden werden soll. Das liegt uns sehr am Herzen und war für 2013 angedacht, ließ sich aber nicht umsetzen, weil noch einige Grundstücksangelegenheiten zu klären sind.

Geplant war im vergangenen Jahr auch der Startschuss für den Umbau der Threnaer Schule zum Feuerwehrgerätehaus...

Wir waren davon ausgegangen, dass nach langen Verhandlungen mit dem Denkmalschutz alles geregelt sei. Dass es nun Probleme mit einem Nachbarn gibt, war nicht absehbar. Das Vorhaben ist aber genauso angeschoben wie jenes, die Straßenbeleuchtung im Ortsteil Belgershain komplett auf die energiesparende LED-Technik umzustellen.

Das größte Vorhaben, die Eingemeindung nach Großpösna, ließ sich ebenfalls nicht umsetzen...

Wir hatten gehofft, dass wir eine Zustimmung durch das Landratsamt erhalten. In allen Gesprächen über das Jahr hinweg ließ sich die Tendenz zur Unterstützung erkennen. Deshalb waren wir verwundert, als uns im Dezember vergangenen Jahres ein Entwurf präsentiert wurde, der eine prinzipielle Ablehnung bedeutet. Das hat uns arg gebeutelt. Und so haben wir uns einen Rechtsbeistand geholt, um gewisse Dinge klarzustellen. Der Anwalt hat gegenüber dem Landratsamt ergänzende Stellungnahmen abgegeben, in denen er bestimmte Inhalte herausarbeitete, die aus unserer Sicht wichtig sind.

Wie soll es nun weitergehen? Welche neuen Gründe führen Sie für eine Fusion ins Feld?

Es existieren momentan bedeutend mehr Verkehrsströme von Ost nach West, also von uns nach Großpösna, als von Süd nach Nord, also nach Naunhof. In Richtung Naunhof gibt es keinen öffentlichen Nahverkehr außer der Schulbuslinie. Dagegen fahren fast stündlich Busse auf der Staatsstraße 38 durch Köhra und Threna nach Großpösna. Hinzu kommen die Züge von Belgershain zum Oberholz.

Das ist das einzige Argument?

Nein, von Naunhof wurde bisher absolut die Vereinstätigkeit vernachlässigt. Abgesehen vom Threnaer Karnevalsclub, der in Naunhof probt und auftritt, gibt es hier keine Kontakte zwischen Belgershain und Naunhof. Dagegen haben wir enge Beziehungen zwischen Belgershainer und Großpösnaer Vereinen. Es gibt Chöre in beiden Gemeinden, die gemeinsam auftreten. Der Threnaer Schützenverein beteiligt sich häufig an Veranstaltungen in Großpösna. Der Kuhstall-Verein engagiert sich mit Veranstaltungen in unserem Schloss. Und das alles läuft schon über viele Jahre hinweg.

Für Sie würde also etwas zusammenwachsen, was zusammengehört?

Von der Struktur her sind sich Belgershain und Großpösna sehr ähnlich. Als Flächengemeinden gehören wir in der Tat sehr gut zusammen. Ganz zu schweigen von der momentanen finanziellen Situation Naunhofs. Dort wurde mit dem Geld nicht so gehaushaltet wie in Großpösna. Verwaltungsgemeinschaften sind Übergangslösungen und darauf ausgerichtet, auf freiwilliger Basis irgendwann Einheitsgemeinden zu bilden. In unserem Falle hieße das, wir müssten die Schulden von Naunhof mittragen.

In einem LVZ-Interview hat ihnen Naunhofs Bürgermeister Volker Zocher das Angebot gemacht, Ihre Bürger günstiger mit Trinkwasser zu versorgen. Käme das für Sie in Frage?

Das sollte man nicht aus dem Auge lassen. Mein Amtskollege sollte aber in dieser Hinsicht nicht nur Belgershain ansprechen, sondern den Zirkel geografisch weiterziehen. Wenn er über den Tellerrand schaut, wäre das kein schlechter Ansatzpunkt. Unsere Bürger würden deutlich profitieren, denn das Wasser des Naunhofer Eigenbetriebs ist nicht so teuer wie das der Kommunalen Wasserwerke Leipzig, das wir beziehen.

Würde aber eine Kooperation auf diesem Gebiet nicht die Kontakte mit Naunhof stärken?

Es spricht überhaupt nichts gegen eine vertiefte Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen. Da spielt es keine Rolle, ob Belgershain eine eigene Gemeinde ist oder zu Großpösna gehört. Automatisch bedeuten bessere Beziehungen jedoch nicht, dass wir uns mit Naunhof in ein Bett legen müssen.

Wann soll nun die Eingemeindung nach ihrem Wunsch erfolgen?

Wir kämpfen weiter und hoffen, das erreichen wir in diesem Jahr. Der Gemeinderat will, dass wir diesen Weg fortsetzen.

Was ist eigentlich der Grund dafür? Das Naunhofer Stadtoberhaupt erklärte, dass ihm diesen noch niemand nennen konnte.

Der Grund liegt im jahrelangen Nicht-Zusammenarbeiten mit der Verwaltung unter dem damaligen Bürgermeister von Naunhof. Das war belastend und lässt sich nicht negieren. Seit dem Wechsel an der Rathausspitze, das muss man sagen, hat sich die Zusammenarbeit normalisiert.

Dann müsste es sich doch inzwischen erübrigen, die Verwaltungsgemeinschaft zu verlassen?

Wegen der schwierigen Beziehungen mit Naunhof hat sich über die Jahre hinweg viel zwischen uns und Großpösna entwickelt. Wir kooperieren seit 2004 zusammen, durch die damalige Kreisgrenze war aber nicht mehr möglich. Seit 2008 gibt es mit dem jetzigen Landkreis Leipzig eine neue Konstellation. Von da an haben wir unsere Bemühungen verstärkt, eine gemeinsame Zukunft zu finden.

In diesem Jahr werden Sie sich sicherlich nicht nur mit dem Thema Eingemeindung befassen. Was steht noch auf der Agenda?

Wir wollen die Ausstattung unserer Grundschule verbessern. Vor dem Gebäude und drinnen sind Rekonstruktionen nötig. Unter anderem müssen der Fußbodenbelag und die Türen ausgetauscht werden. Das Vorhaben sollten wir zumindest anschieben. Des Weiteren wird in einer Kooperation von Gemeinde und Abwasserzweckverband in der Bahnhofstraße in Belgershain der Schmutzwasserkanal ausgewechselt. Anschließend werden wir die Straße komplett sanieren. Nicht zuletzt soll der erste Bauabschnitt des Hochwasserschutzkonzeptes für Köhra aus Eigen- und Fördermitteln umgesetzt werden.

Und der Umbau der ehemaligen Schule in Threna zum neuen Feuerwehrgerätehaus?

Das muss unbedingt in diesem Jahr passieren. Wir reden hier nicht über eine Spielerei, sondern es geht schlichtweg um die Sicherung des öffentlichen Wohls.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.01.2014
Pfeifer, Frank

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