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Grimma Belgershainer Bürgermeister wird runde 70
Region Grimma Belgershainer Bürgermeister wird runde 70
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05:33 04.12.2018
So kennen ihn nur wenige: Thomas Hagenow mit seinen Aquarien in der selbstgebauten Anbauwand. Am Dienstag wird der älteste Bürgermeister des Landkreises 70. Quelle: Thomas Kube
Belgershain

Wer am Dienstag mit einem profanen Anliegen das Belgershainer Rathaus betritt, dürfte schlechte Karten haben, gehört zu werden. Es herrscht Feierlaune über den ganzen Tag, die Gratulanten werden sich die Klinke in die Hand geben, denn der älteste Bürgermeister im Landkreis Leipzig feiert seinen 70. Geburtstag: Thomas Hagenow.

Fit wie ein Turnschuh wirkt der passionierte Raucher, wenn er zu Hause auf dem schwiegerelterlichen Bauernhof aus dem Auto springt, die Tür aufschließt und in sein Heiligtum führt. „Das ist mein Hobbyraum“, sagt er und betont dabei das „mein“. Hier bastelte er über die vergangenen zwei Jahre hinweg eine Aquariumwand, in der sich Guppys, Black Mollys, Segelkärpflinge und Pinselalgenfresser tummeln. An der Wand hängen Reisemitbringsel und Angeln, daneben stehen Sägen und Bohrmaschine. All seine Lieblingsbeschäftigungen auf einen Blick.

Von Belgershain nach Kanada

„Ich bin Mitglied im Störmthaler Anglerverein, komme aber meist nur im Ausland zum Angeln“, bekennt er. Auf Urlaubswochen beschränkt sich auch sein großer Traum. „Gerne wäre ich nach Kanada ausgewandert, aber das wird nun nicht mehr endgültig passieren.“ Die Größe und Weite des Landes mit seiner ungestümen Natur zieht ihn immer wieder an, nächstes Jahr geht’s wieder hin. Für ihn ist die Einsamkeit ein Gegenpol zur täglichen Arbeit mit ihrem Druck. Dort kann er mal herunterfahren.

„Als Rentner hoffe ich, mehr Zeit für meine Hobbys zu haben“, sagt er. Zwar denkt der Vater von zwei Töchtern und Opa von zwei Enkeln, Privates und Dienstliches auch jetzt schon ganz gut miteinander vereinbaren zu können, doch schmunzelnd gesteht er: „Meine Frau, mit der ich seit fast 50 Jahren verheiratet bin, sieht das etwas anders.“

Mit 70 noch kein Ende

Wie auch immer, ein bissel durchhalten muss er noch. Seine definitiv letzte Amtszeit endet im Sommer 2022. Und bis dahin will er noch zwei Großprojekte durchziehen: Die Erweiterung der Belgershainer Kindertagesstätte „Schloßgeister“ durch ein Modul und den Ersatzneubau der Belgershainer Turnhalle. Bei beidem sieht er die Bürokratie als Hemmnis.

Wie viel einfacher war doch alles, als der Agraringenieur, der bis dahin in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft „Tierproduktion Köhra“ gearbeitet hatte, 1990 zum Bürgermeister von Threna gewählt worden war! „Wir haben die Infrastruktur in nur fünf Jahren von Null auf Hundert gebracht, der Gemeinderat zog mit“, schildert er. „Neue Wasser- und Abwasserleitungen, Gas, Elektro, Telefon, Fußwege, alles ging schnell und unkompliziert. Wir haben das brutal durchgezogen.“

Bürgermeister kritisiert Bürokratie

Heute habe sich alles hin zum anderen Extrem entwickelt. „Die Bürokratie lässt sich dem Normalbürger nicht mehr vermitteln“, bedauert er. „Wir werden blockiert bei unseren Vorhaben, es kommen Nachfragen zu Projekten, bei denen sich der Praktiker fragt, was sie sollen. Das führt zu Verzug und unnötigem Arbeitsaufwand.“

Damit musste Hagenow leben, der seit 2001 die Geschicke der Kommune leitet, die zuvor aus der Fusion von Threna mit Belgershain, Köhra und Rohrbach entstanden war. „Schritt für Schritt haben wir das Dorf weiterentwickelt“, sagt er. Die Wild-West-Manier der Jahre nach dem Mauerfall sehnt er sich zwar nicht zurück, denn sie passe nicht mehr in die heutige Zeit. „Aber eine den jetzigen gesetzlichen Grundlagen entsprechende zügige Abarbeitung unserer Anträge durch die übergeordneten Behörden würde ich mir durchaus wünschen“, hält er fest.

Belgershain braucht neuen Bürgermeister

Und wenn er schon einmal beim Wünschen ist: „Ich hoffe, dass die Kommune nach meiner Amtszeit stabil bleibt und dass sich einer findet, der sie weiterführt, obwohl es sich nur um ein Ehrenamt mit entsprechend geringer Entlohnung handelt.“ Am liebsten wäre Thomas Hagenow, wenn die Verantwortung an jemandem aus dem Ort übergeht. Die Bedenkzeit für mögliche Kandidaten beträgt nur noch reichlich drei Jahre.

Von Frank Pfeifer

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