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Benefizspiel für Heiko Pörschmann

Benefizspiel für Heiko Pörschmann


Grimma. „Lasst uns nach oben schauen. Da strahlt ein Licht, nur für uns. Es ist unser eigener ganz besonderer Stern – sichtbar in der Nacht, unsichtbar am Tag, aber dennoch immer da!" Der Himmel weinte, als sich Ivonne Thernes mit ihren Kindern Nicolina, Philine und Carlos an die Fans im Stadionrund wandte.

. Ihr Partner, der langjährige Fußballer Heiko Pörschmann, nahm sich im November vorigen Jahres das Leben. Gestern Abend organisierte Landesligist FC Grimma ein Benefizspiel gegen den höherklassigen RB Leipzig. Die Einnahmen gingen komplett an die Familie.

 

Noch nie stand der kleine sechsjährige Carlos vor so vielen Zuschauern. Doch damit nicht genug. Er durfte im Mittelkreis sogar den Anstoß ausführen und erntete den Beifall der 1219 Fans. Genau wie seine beiden Schwestern vermisst er den Papa so sehr. Da ist niemand mehr, der mit ihm in der Stube tanzt und draußen im Garten Hochschüsse übt, die das Terrassenfenster nur knapp verfehlen. Und doch: Carlos tritt demnächst in die Fußstapfen seines Vaters, spielt ab August in der Kindermannschaft des FC Grimma.

Auch Heiko Pörschmann ackerte und rackerte schon als „laufender Meter" für die BSG Motor Grimma. 1987 wurde er Bezirksmeister und Pokalsieger. Zehn Jahre später gelang ihm und seinem SV 1919 Grimma nach dem 4:1 über Rodewisch der sensationelle Aufstieg in die Amateur-Oberliga. Mannschaftskamerad Steffen Vatter: „Da gab es einen Autokorso durch die Innenstadt, Pörschi stand auf der Rathaustreppe und hielt eine Rede. Unvergesslich!" Heiko sei nie ein Kind von Traurigkeit gewesen, sagte gestern sein damaliger Trainer Rainer Lisiewicz: „Pörschi, der ehrgeizige Teamplayer und begnadete Linksfuß, hatte nicht nur einen knallharten Schuss – er war auch unsere Stimmungskanone." Sven Birnbaum, der gestern wie viele von Heikos einstigen Mannschaftskameraden die Töppen schnürte, hatte von dessen Depressionen erst eine Woche vor dem Freitod erfahren: „Noch am Vorabend telefonierten wir miteinander und verabredeten uns auf ein Bierchen." Selbst Banker Rico Scheufler, einer von Pörschmanns besten Freunden, hielt seinen einstigen Sportkameraden für eine Frohnatur: „Wenn er zur Tür rein kam, ging die Sonne auf. Gerade deshalb hatte Coach Daniel Wohllebe den Heiko als Motivator in den Trainerstab geholt. Zwei Wochen vor seinem Tod erzählte mir Heiko, wie schlimm es wirklich um ihn steht – er sprach von Angstzuständen und auch über die dunklen Gedanken, sich etwas anzutun." Zu der Zeit sei Pörschmann bereits krank geschrieben und in Behandlung gewesen. FC-Präsident Egon Pape war Heikos Chef bei Ege-Fenster: „Heiko hätte am liebsten wieder sofort angefangen zu arbeiten. Er war kaum zu bremsen. Weil sein Vater viel zu früh starb, war ich für Pörschi so etwas wie ein Ersatz-Papa. Ich wusste, wie sehr ihn der Tod des Vaters und die damit verbundene Verantwortung belastete. Ich unterstützte ihn sehr." Als die Fensterwerker die Todesnachricht ihres überaus beliebten Kollegen erhielten, traf alle der Schlag: „Zwei Monate wehte die Fahne auf Halbmast. In seinem Büro, das wir zur Pörschi-Arena erklärten, erinnert fortan ein Fußballfoto an diesen einmaligen Menschen", so Pape. Arbeitskollegen und Freunde rissen auf dem Kösserner Grundstück der Familie inzwischen das Nebengebäude ab, in dem sich Heiko kurz vor seinem 39. Geburtstag umgebracht hatte. Pape: „Der FC wird auf der planierten Stelle ein Holzhäuschen errichten. Dafür wollen wir das Geld nutzen, das wir durch das Benefizspiel einnehmen konnten."

Am Ende setzte sich RB mit 4:0 gegen Grimma durch. Doch wichtiger als das Resultat waren die 1500 Euro, für die die Firma Bauelemente Arnold das handsignierte RB-Leipzig-Dress ersteigerte. Und wieder stand der kleine Sohnemann Carlos im Mittelpunkt. Denn Firmenchef Jens Arnold schenkte ihm das Hemd.

 

Haig Latchinian

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